Aachen - Die Christlich-Jüdische hat die nächste Krise

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Die Christlich-Jüdische hat die nächste Krise

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Der Versuch, den monatelangen Streit in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Aachen beizulegen und eine neue Vertrauensbasis zu finden, ist offenbar schon wieder gescheitert.

Die harte Attacke des erst kürzlich gewählten jüdischen Vorsitzenden Nathan Warszawski gegen die evangelische Kirche hat den zaghaften Neuaufbau offenbar gleich wieder zerstört. Freitagnachmittag versuchten die Beteiligten zu retten, was zu retten ist.

Warszawski hat die evangelische Kirche in die Nähe von Nazis gerückt, weil sie in ihren Räumen an der Frère-Roger-Straße vom 7. bis 21. Mai die Ausstellung „Die Nakba: Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948” zeigen will. Die seit 2008 durch Deutschland tourende Wanderausstellung thematisiert einen Abschnitt aus den Gründungsjahren Israels und widmet sich ganz dem Leid der Palästinenser.

Kritiker werfen ihr eine einseitige Ausrichtung vor. So glaubt auch Axel Holst, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Aachen, dass die Bilder dem Antisemitismus und der Israelfeindlichkeit Vorschub leisten könnten.

Warszawski, der sich in rechtslastigen und teils islamfeindlichen Blogs als glühender Zionist zeigt, ging härter zur Sache und wirft der evangelischen Kirche „eine heilige Koalition des Israelhasses” mit NPD und Palästinenserkämpfern vor. Er fordert die Verhinderung der Ausstellung, andernfalls mache sich die Kirche an Anschlägen auf jüdische Einrichtungen in Aachen mitschuldig.

Sein evangelisches Gegenüber in der Christlich-Jüdischen, Pfarrer Jens Peter Bentzin, äußerte sich Freitag wenige Stunden vor einer gemeinsamen Vorstandssitzung „entsetzt und maßlos enttäuscht” über Warszawski. „Stil und Inhalt” weist Bentzin „sehr deutlich” zurück. „Auf diesem Niveau will ich nicht in die Diskussion einsteigen.”

„Meinungsäußerung”

Zwar sei auch er nicht mit allem einverstanden, was die Ausstellung zeige - sie sei jedoch „als Meinungsäußerung zu würdigen”. Niemand, der sich intensiv mit dem Nahost-Konflikt befasst, würde eine neutrale Position finden, sagt Bentzin. In diesem Fall werde ein Ausschnitt der palästinensischen Geschichte gezeigt. Superintendent Hans-Peter Bruckhoff hatte bereits am Donnerstag erklärt: Es müsse möglich sein zu zeigen, dass Palästinenser nicht nur Täter, sondern auch Opfer seien, „ohne gleich als Antisemit beschimpft zu werden”.

Bruckhoff wird am Montag mit dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Robert Neugröschel, zusammentreffen. Beide sind spürbar bemüht, die Debatte zu versachlichen. „Wenn die Ausstellung einseitig sein sollte, muss man dafür sorgen, dass sie es nicht mehr ist”, sagt Neugröschel.

Er setze auf „vernünftige und qualifizierte Gespräche”. Warszawskis Ausfälle will er nicht bewerten, bevor er nicht mit ihm selbst gesprochen hat. Zugleich betont Neugröschel, dass ihm der christlich-jüdische Dialog sehr am Herzen liege. „Keinem normalen Menschen kann daran gelegen sein, weiter Porzellan zu zerdeppern.”

Welcher Zukunft die Christlich-Jüdische mit Warszawski entgegengeht, ist ungewiss. Bürgermeisterin Hilde Scheidt - wie Warszawski Mitglied in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft - hat bereits erklärt, dessen „diffamierende Unterstellungen sind in unserer Stadt unerwünscht”.

Friedenspreis: „Eine Absage wäre Zensur”

Die Ausstellung „Nakba - Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948” zeigt das Evangelische Erwachsenenbildungswerk in Zusammenarbeit mit dem Verein zur Förderung des Friedens in Israel und Palästina vom 7. bis 21. Mai.

Weil das Projekt auch vom Aachener Friedenspreis unterstützt wird, wirft Warszawski auch diesem Verein vor, Nazi-Gesinnung zu befördern. Karl-Heinz Otten, Vorsitzender des Friedenspreises, würde „diesen Unfug” am liebsten durch Nichtbeachtung strafen. An der Ausstellung hält er fest: „Es ist ein heißes Eisen, aber deswegen können wir es nicht fallen lassen. Eine Absage wäre Zensur.”
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