Die Bürgersteige gleichen einer Müllkippe

Von: Heiner Hautermanns
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Fest in Schülerhand: Die Kreu
Fest in Schülerhand: Die Kreuzung Beeckstraße/Wespienstraße ist zu Pausenzeiten von Pulks junger Leute bevölkert.Die Platzverhältnisse des Berufskollegs sind beengt. Foto: Harald Krömer

Aachen. Mittags auf der Lothringerstraße: Vor dem Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung liegen in bunter Folge und unterschiedlicher Zusammensetzung Dutzende von Zigarettenkippen, Verpackungen von Pausengetränken oder Essensverpackungen, Obstreste, Brotpapier und leere Zigarettendosen.

Das Problem ist nicht neu, ärgert aber immer wieder Anwohner, Passanten und Autofahrer. Einige Ecken weiter in der Beeckstraße sieht es oft genug nicht viel anders aus, in den Pausen stehen oft hunderte Schüler auf der Fahrbahn. Petra Klösges, Leiterin des Paul-Julius-Reuter-Schulkollegs: „So schön das ist, als Schule in der Innenstadt zu sein, das Pausenproblem ist gewaltig.”

Und nicht so leicht zu lösen: „Das ist eine ganz komplizierte Angelegenheit.” Dem sie seit ihrem Amtsantritt zu Schuljahrsbeginn schon viel Zeit und Mühe gewidmet hat. Mit Anwohnern hat sie schon gesprochen, versucht zurzeit herauszubekommen, weshalb überhaupt so viele ihrer Schützlinge die Schule verlassen: „Die Straße ist völlig verstopft.” Durch Gespräche will sie dem Problem zu Leibe rücken. Mit der Stadt sind schon Termine vereinbart, mit der vor zwei Wochen gewählten Schülervertretung wird sie ebenfalls das leidige Thema erörtern: „Das ist der erste Ansprechpartner.”

Nicht einfacher wird die Sache dadurch, dass die Schule mit 2000 Absolventen in beengten Verhältnissen angesiedelt ist. „Der Platz ist einfach nicht da.” Die Cafeteria hat nur rund 100 Plätze, die Schulhöfe sind klein, möglicherweise könne man auf den kleinen Park neben der Schule ausweichen. Doch dann müsste dort auch aufgeräumt werden.

„Inzwischen wird mittags regelmäßig gekehrt”, hat die direkte Nachbarin Hilde Scheidt beobachtet. Die jungen Leute rauchten sehr viel und wollten offenbar auch gesehen werden: „Es ist oft ein ziemliches Gedränge.” Sie fände es gut, wenn die neue Schulleiterin die Anwohner anschreiben und zu einem Gespräch einladen würde, um sich gegenseitig auszutauschen. Was meinen die Schüler dazu? Dennis (17): „Das nervt, dass man weggehen muss, wenn Autos kommen.” Jessica (18): „Vielleicht könnte man eine Couch aufstellen.”

Ein Passant, der häufig die Lothringerstraße frequentiert, musste in den letzten Wochen feststellen, dass er manchmal nur widerwillig durchgelassen wurde, Fahrbahn und Bürgersteig waren fest in der Hand von Schülerpulks: „Nach Pausenende sieht dieser Abschnitt der Lothringerstraße wie eine Müllkippe aus.” Das wäre doch der geeignete Einsatzort für das Ordnungsamt, „das ja jedem Kippenwegwerfer nachstellt”.

So einfach jedoch stellt sich die Angelegenheit für die Stadt nicht dar. Wenn 250 Schüler auf dem Bürgersteig stünden, sei das kaum möglich, genau festzustellen und zu beweisen, wer dort möglicherweise eine Coladose oder eine Zigarettendose wegwerfe, weiß Evelin Wölk vom Presseamt: „Das ist wahnsinnig schwierig bei einer so großen Menge an Menschen.” Der Stadt sei die Situation schon seit längerem bekannt: „Wir kontrollieren auch regelmäßig. Man kriegt das aber nicht so richtig in den Griff.” Schließlich gebe es kein Verbot, sich auf den Gehweg zu stellen. Man werde aber das Gespräch mit der Schulleitung führen und versuchen, eine Lösung zu finden.

Vertraut mit dem Phänomen ist auch Rolf Coellen, stellvertretender Leiter des Berufskollegs für Wirtschaft und Verwaltung der Städteregion mit 1600 Berufsschülern. Im letzten Jahr habe er Besuch vom Ordnungsamt bekommen. Die Beamten hätten ihn gebeten, sich mit nach draußen zu stellen. Als er sie dann aufgefordert habe, tätig zu werden, „sind sie wieder abgezogen”. Auch ihn ärgert es, wenn die Verschmutzungen auf dem Bürgersteig nicht geahndet werden: „Ich kann aber nicht jeden einzelnen Schüler darauf aufmerksam machen.”

Offensiv eingehen

Doch Studiendirektor Coellen will die Flinte nicht ins Korn werfen: „Ich habe noch mal mit den Gremien der Schule gesprochen.” Nach den Ferien wird er sich auch mit der neu zusammengesetzten Schülervertretung an einen Tisch setzen: „Wir willen das Thema offensiv angehen.”
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