Die Bewegungen des Lebens auf Fotos, in Farbe und in Alufolie

Von: Martina Rippholz
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Eine überdimensionale Hieroglyphe: Sie ist Teil der Installation des belgischen Künstler Jaak Geerits, die er für die tri-nationale Ausstellung „Move!” im Garten des Atelierhauses errichtet hat. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die große, silberne Installation aus Holz und Alufolie von Jaak Geerit wirft viele Fragen auf. Ist das große Rad eine Sonnenuhr? Oder sind die Kreise Planeten, die über eine Schnur mit der Erde verbunden sind?

Der belgische Künstler verrät, warum man ohne Vorkenntnisse nur raten kann: „Die Teile der Installation sind Hieroglyphen der Daleware-Indianer”, erklärt er. „Ich habe sie in überdimensionaler Form umgesetzt.” Das große Rad sei das indianische Zeichen für das Paradies, die Verbindungsschnüre stehe für das Leben und der kleinere Kreis am Ende für den Menschen.

Jaak Geerits Installation im Garten des Atelierhauses in der Süsterfeldstraße könnte man also als so etwas wie den Weg des Lebens bezeichnen. Einen Weg beziehungsweise eine Bewegung, die jeder Mensch zwangsläufig durchmacht. Damit leistet Geerits einen Beitrag von zahlreichen für das euregionale und interdisziplinäre Kunst-Projekt „Move! The Middlemost City”.

Am Sonntag wird die Ausstellung im Mamac-Museum in Lüttich eröffnet. An drei Orten in den drei Grenzländern, nämlich in Lüttich, in Aachen und in der Rijdam Fabrik in Maastricht, sind bis zum 31. August Installationen, Zeichnungen, Fotografien, Objekte, Skulpturen und Malerei zu sehen.

Sie alle verbinden zwei Dinge. Zum einen ist es das Thema „Move!” im weitesten Sinne - von Bewegung und Beweglichkeit über Mobilität bis hin zu Entwicklung, Wandlung und Veränderung. Zum anderen sind es die drei Ausstellungstandorte. Sie alle waren - ebenfalls im weiteren Sinn - einmal Industriebauten: die Maastrichter Rijdam Fabrik eine Karosseriefabrik, das Lütticher Mamac der deutsche Pavillon bei der Weltausstellung 1905 und das Atelierhaus ein Kloster, in dem bis 1980 gewirtschaftet wurde.

„Mit der grenzübergreifenden Ausstellung wollen wir zeigen, dass die Euregio viele Gemeinsamkeiten hat”, erklärt Nadya Bascha, Geschäftsführerin des Atelierhauses. „Etwa in der Geschichte, in der Wirtschaft oder in der Kultur.” Gemeinsames unterstreichen und so die Vernetzung und den Austausch in der Euregio fördern - das ist das Ziel von Bascha und den ausstellenden Künstlern. „Die Grenze gibt es zwar schon lange nicht mehr. Dennoch scheinen die Unterschiede im Dreiländereck oft noch unüberwindbar.

Die Künstlergruppe „nonexistinggroup” hat diese Grenze im Kopf längst überwunden. Zehn Kreative aus den drei verschiedenen Grenzländern arbeiten seit fünf Jahren zusammen. Und zwar in Form eines lockeren Treffens - ohne feste Strukturen, vereinsmäßige Regelmäßigkeit oder gar ein einheitliches Konzept. „Daher der Name nonexitinggroup”, erklärt Jaak Geerit. „Wir sind eine Gruppe ohne eine zu sein.”

Deshalb stellen sie auch nur ab und zu sozusagen als „Gruppe” aus. Für „Move!” etwa. Neben Geerit ist etwa Irene Judong dabei. Sie hat an eine Wand im Atelierhaus grüne und blaue Folien angebracht. Der blauen Teil klebt auf einer Holzplatte, die wie die Seite eine Kladde von der Wand absteht. „In diesem Abgrund können Dinge verschwinden”, sagt Judong. „Wie der Golfball bei einem Hole in One.” Auch das, so sagt sie, sei eine Bewegung.

Beatrix von Bock hat quasi das Gegenteil von „Move!” umgesetzt - den Stillstand. Sie hat einen Fensterladen an die Wand angebracht, hinter dem sich eine gemalte Mauer offenbart. Von Bock: „Ich will damit zeigen, dass man sich in unserer schnelllebigen Welt auch mal zurückziehen muss. Also gezielt die Immobilität suchen.”

Die Ausstellung im Atelierhaus wird offiziell am Samstag, 21. August, mit einer Tanzperformance eröffnet. Die Werke der Künstler sind aber schon ab kommendem Sonntag zu sehen.

Rahmenprogramm zur Ausstellung „Move!”

Zu „Move!” gibt es auch ein interdisziplinäres Rahmenprogramm. Im Atelierhaus findet am Donnerstag, 26. August, 18 Uhr, ein Symposium mit dem Titel „Kloster im Kontext der Zeit” statt. Es werden Vorträge über die Architekturtheorie und die Geschichte des Klosters Zum Guten Hirten zu hören sein.

Die GmbH für kreative Bildung „KreaScientia” veranstaltet gemeinsam mit dem Architekturbüro „archigraphus” am Samstag, 28. August, von 9 bis 21 Uhr, eine interaktive Architektur-Exkursion. Los geht´s am Westfriedhof Vaalserstraße bis zum Museum in Lüttich.

Und in der Rijdam Fabrik in Maastricht gibt es am Samstag, 14. August, von 11 bis 13 Uhr ein Symposium zum Thema „Bewegung und Zeichen” mit begleitendem Workshop.
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