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Die „Bel Etage“ verschwindet im Nichts

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Der gesamte Bereich rund um die Antoniusstraße (Bildmitte von links nach rechts hinter dem Parkgrundstück, ganz rechts das Parkhaus) soll sich städtebaulich weiterentwickeln. Statt des Baukörpers „Bel Etage“ soll ein kleinteiliger Mix von Einzelhandel und Wohnraum entstehen. Fotos(2): Andreas Herrmann
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Blick aus Richtung Mayerscher Buchhandlung: Das Areal zwischen Mefferdatis-, Antonius-, Nikolausstraße und Büchel soll städtebaulich „mit Wohlfühlcharakter“ entwickelt werden.

Aachen. In der schier unendlichen Geschichte rund um die geplante „Bel Etage“ am Büchel schlägt die Stadt seit Donnerstag überraschend ein völlig neues Kapitel auf. Zu den bisherigen Akteuren Strabag Real Estate als Investor für das Wohn- und Geschäftsvorhaben „Bel Etage“ auf dem Grund des Parkhauses Büchel und Helmut Falter, Seniorchef der Mayerschen Buchhandlung, mit seinem Bauvorhaben an der Ecke Nikolaus­straße/Antoniusstraße gesellen sich ab sofort zwei lokale Großinvestoren, Gerd Sauren und Norbert Hermanns, hinzu.

Wie Strabag-Geschäftsführer Rainer Maria Schäfer am Donnerstag auf einer Pressekonferenz im Rathaus bestätigte, kommt der Konzern, der auch das Aquis Plaza am Kaiserplatz baut, dem Vorstoß der Stadt entgegen und ist bereit, das Grundstück seiner geplanten „Bel Etage“ an die Aachener Investoren zu veräußern.

Oberbürgermeister Marcel Philipp und Baudezernentin Gisela Nacken erklärten noch vor der gestrigen Sitzung des Planungsausschusses, dass sich nun für das gesamte Plangebiet zwischen Kleinköln-, Nikolaus-, Mefferdatis- und Antoniusstraße neue Perspektiven auftun würden. Philipp: „Die schlechte Nachricht zuerst. Der Beginn des Abrisses Parkhaus Büchel wird sich wahrscheinlich um weitere drei Monate hinauszögern.“

Doch der Grund dafür sei ein äußerst erfreulicher, nahm der OB den Faden auf und berichtete über kurzfristige Änderungen oder besser über unmittelbar mögliche Änderungen im Grundstücks- und Besitzergefüge der Antoniusstraße. Dort im Rotlichtviertel gebe es neue Entwicklungen bei den Eigentümern, so dass die Stadt selber künftig von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen könne und natürlich auch die neu ins Boot geholten Investoren bereits – wie bei Sauren – vorhandene Grundstücke arrondieren könnten.

„Wir wollen hier nun eine städte­baulich eher kleinteilige Bebauung für Wohnraum und Einzelhandelsgeschäfte verwirklichen“, zogen Philipp und Nacken gemeinsam an einem Strang, beide sind immerhin ja auch direkte Kontrahenten bei den anstehenden Kommunalwahlen.

Die Vision der beiden: Das gesamte Karree könne in Abstimmung mit den Häuserbetreibern in der Antoniusstraße zu einem belebten Innenstadtviertel mit fußläufigen diagonalen Durchgangsverbindungen (etwa bei der Grossmann-Immobilie, die bis zur Kleinköln-straße hinauf reicht) aufgewertet werden.

Denn der Sperrbezirk soll seit langem nach Beschlusslage der städtischen Gremien ausgeweitet, also der Prostitutionsbereich im „Sträßchen“ auf etwa die Hälfte reduziert werden. So zeigt sich Investor Gerd Sauren („Ich habe letzte Woche einen Spaziergang durch die Straße gemacht“) von der angekündigten Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Norbert Hermanns, der die Landmarken AG führt, sehr angetan.

Sauren sieht die Chance, seinen „seit zehn Jahren vorliegenden Bauantrag für ein Laufhaus oder Eroscenter“ direkt an der Antoniusstraße doch noch verwirklichen zu können. Der Investor verfügt seit dieser Zeit über ein brach liegendes Grundstück, das an den hinteren Teil des Parkhauses Büchel anschließt und von der Mefferdatis- bis hin zur Antonius­straße reicht.

Die „kleinteilige“ Zusammenarbeit wird komplettiert durch Investor Hermanns, der wie berichtet das Kaufhaus „Lust vor Life“ erworben hat und damit mit seinem Hinterausgang an der Mefferdatisstraße unmittelbarer Nachbar des „Sträßchens“ geworden ist. Für Hermanns bestätigte Landmarken-Mitarbeiter Jens Kreiterling das Vorhaben. „Wir sehen eine städtebaulich historische Chance und wollen auf alle Fälle einen Wettbewerb ausschreiben“, sagte er im Rathaus. Man wolle „die Altstadt mit Wohlfühlcharakter erweitern“ und letztlich ein Gegengewicht zu der ab Ende 2015 fertiggestellten Einkaufsmall an der Adalbert­straße bilden.

Für sie ist wiederum die Real Estate mit Schäfer verantwortlich, der nicht ganz glücklich über die Entwicklung schien. „Wir sind ein Konzern und konnten uns nicht mit dieser kleinteiligen Entwicklung anfreunden. Wir hätten gerne unsere Bel Etage verwirklicht“, sagte Schäfer. Bereits im Architektenbeirat Mitte Januar hatte es deutliche Hinweise gegeben, dass die geplante Fassade so nicht durchgehe.

Doch aufgrund der hervorragenden Zusammenarbeit mit der Stadt habe der Konzern, so Schäfer, der jetzigen Option zugestimmt. Die Auflage zur Schaffung von Wohnraum, zu der sich die Aquis-Plaza-Erbauer verpflichtet hatten, gehe nun an die neuen Investoren am Büchel über.

Bleibt noch Bauherr Helmut Falter, der bislang gleichermaßen gewartet hatte. „Eine gute Entwicklung kommt nie zu spät“, meinte der erfahrene Geschäftsmann beinahe philosophisch. Und es gehe um mehr als nur um den Büchel, es gehe endlich um eine Aufwertung des gesamten engeren Innenstadtbereichs.

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