Die Angst vor sexueller Gewalt reist oftmals mit

Von: Gerald Eimer
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Mit Ferienbeginn wächst die V
Mit Ferienbeginn wächst die Vorfreude auf den Urlaubsspaß: Doch Berichte über sexuelle Übergriffe in Feriencamps sorgen immer wieder für Verunsicherung. Foto: Imago/Insadco

Aachen. Knapp 40.000 Aachener Schüler freuen sich am Freitag auf den Beginn der großen Ferien. Viele von ihnen sitzen bereits auf gepackten Koffern, um kurz nach der Zeugnisausgabe in den Urlaub aufzubrechen und unbeschwerte Tage in Zeltlagern oder Freizeitcamps zu verbringen.

Nicht allen Eltern ist wohl dabei, denn die Sorge, dass ihre Kinder Opfer von sexueller Gewalt werden könnten, ist oftmals groß. Doch man kann den Kindern einiges mit auf den Weg geben, um sie zu schützen.

Vor ziemlich genau einem Jahr haben Berichte aus einem Ferienlager auf der Nordseeinsel Ameland für Entsetzen gesorgt, wo eine Gruppe älterer Jungen Schwächere vergewaltigt und schwer misshandelt hat. Die Betreuer waren offenbar überfordert und haben nicht eingegriffen. Vor wenigen Tagen zeigte eine Studie des Deutschen Jugendinstituts, dass sexuelle Gewalt von Kindern und Jugendlichen untereinander weit öfter vorkommt als Übergriffe auf Kinder durch Erwachsene.

Und dennoch sind sich die Fachleute einig, dass sich nicht so sehr die Zahl der Taten erhöht hat, wohl aber die Bereitschaft, Vorfälle ans Licht zu bringen. Dass sei auch gut so, ist Dorothee Roeb-Flemming, Beraterin beim Kinderschutzbund Aachen, überzeugt. Denn so falle es auch anderen Betroffenen leichter, das Schweigen zu brechen, zugleich werden Eltern, Lehrer und Betreuer aufmerksamer.

Und Öffentlichkeit sei bei Übergriffen der beste Schutz, sagt Roeb-Flemming. Wer etwa gegen seinen Willen berührt oder geküsst wird, wem Schmerzen zugefügt oder Angst gemacht wird, der sollte sich in jedem Fall Hilfe suchen. „Niemals sollte man sich unter Druck setzen und einschüchtern lassen und schweigen”, rät sie.

Stattdessen sollte man sich an eine erwachsene Vertrauensperson wenden, sich mit anderen in der Gruppe zusammentun oder auch die Eltern zu Hause anrufen. „Hilfe holen ist kein Petzen” bringt es die Beratungsstelle „Zartbitter” auf den Punkt. Vor allem sollten Kinder und Jugendliche alle Situationen meiden, in denen sie mit ihnen unangenehmen oder bedrohlichen Personen alleine sind.

In ihrer langjährigen Arbeit in der Beratungsstelle des Kinderschutzbunds hat Doro Roeb-Flemming kaum mit sexueller Gewalt in Ferienzeiten zu tun gehabt. „Die Zahl der Fälle ist verschwindend gering”, sagt sie. Das muss nichts heißen, kann aber auch ein Zeichen dafür sein, dass die Gruppenleiter in aller Regel ihre Arbeit ernst nehmen und gut ausgebildet sind.

Das betont etwa auch Matthias Reimer vom Reiseveranstalter Höffmann, Partner der „Nachrichten”-Ferienfahrten, mit dem am Samstag die ersten Jugendlichen aus unserer Region in die Feriencamps im Süden Europas aufbrechen. In jedem Sommer verreisen rund 10.000 Jugendliche mit Höffmann Reisen. Negative Erfahrungen habe man noch nie gemacht. Alle Betreuer seien besonders geschult, sagt Reimer. Dazu gehört auch, dass sie Distanz wahren sollen, beispielsweise keine Teilnehmer umarmen oder sich den Rücken eincremen lassen. Stets seien zudem Ansprechpartner vor Ort, die bei Übergriffen sofort reagieren könnten. „Wir haben ein scharfes Auge darauf”, versichert er.

Kaum Verunsicherung

Ähnlich äußert sich Rosa Gorreßen für den Aachener Anbieter Eurojugend. „Wir sind für das Thema sensibilisiert”, sagt die Mitarbeiterin, die wie die meisten ihrer Kollegen eine pädagogische Ausbildung hat. Wohl auch deswegen spürt man in der Eurojugend kaum Verunsicherung oder Sorgen auf Seiten der Eltern. Alle Ferienfahrten seien seit langem ausgebucht, sagt Gorreßen. Angst vor Bedrohungen oder Übergriffen seien im Vorfeld nie geäußert worden. Das Vertrauen in die Begleiter sei groß. Gut 1000 Anmeldungen pro Jahr verbucht die Eurojugend für ihre Angebote.

Die Vorfälle auf Ameland vor einem Jahr haben die meisten Veranstalter und Jugendverbände zusätzlich sensibilisiert. So gibt es Verhaltensregeln für Gruppenleiter und oftmals auch zusätzliche Hilfestellungen für ehrenamtliche Betreuer. Beigebracht bekommen sie auch, Kindern zu glauben, wenn sie von sexuellen Übergriffen berichten.

Sollte es Gewalttaten oder Bedrohungen gegeben haben, sollte spätestens auch nach der Rückkehr der Veranstalter informiert werden, empfiehlt Dorothee Roeb-Flemming. Auch über eine Strafanzeige sollte man nachdenken, sagt sie und rät zugleich, vorher unbedingt eine Beratungsstelle aufzusuchen und sich über Ablauf und Folgen aufklären zu lassen.
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