Aachen - Die Alemannia kriegt neue Mitbewohner

Die Alemannia kriegt neue Mitbewohner

Von: Gerald Eimer
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Der Tivoli wird bald Anlaufstelle nicht nur fürFußballfreunde und Alemannia-Fans sein. Wenn hier die künftigen Mieter einziehen, werden auch Casinobesucher, Fitness-Sportler und „normale“ Arbeitnehmer das Stadion an der Krefelder Straße ansteuern. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die Hütte ist voll, würde man im Fußballjargon sagen. Knapp ein Jahr, nachdem die Verwaltung von der Politik beauftragt wurde, ein neues Nutzungskonzept für das Tivoli-Stadion zu entwickeln, kann der zuständige Beigeordnete Lothar Barth nun zumindest in Sachen Vermietung Vollzug vermelden.

Alle zur Verfügung stehenden Flächen sind vermietet oder die Verträge stehen kurz vor dem Abschluss. Die Stadt kann sich somit auf jährliche Mieteinnahmen von knapp 600.000 Euro freuen.

Ende Januar soll das Stadion an der Krefelder Straße endgültig in den Besitz der Stadt übergehen und dann von der städtischen Stadion Beteiligungs GmbH geführt werden. Deren Geschäftsführer ist Barth, der die Aachener Politiker am Mittwoch in nichtöffentlicher Ratssitzung über den Stand der Dinge informierte. Demnach wird sich die Alemannia schon in Kürze auf neue Mitbewohner freuen können.

Neben dem Casinobetreiber Westspiel und dem Sport-Vermarkter Infront werden dies das Euro­gress, der Würselener Tortechnikspezialist Goal Control, ein Fitnesscenter und ein Caterer sein. Alemannia selbst werde noch ein wenig enger zusammenrücken. Alles in allem sei das eine positive Entwicklung, heißt es bei der Stadt, wobei die Gesamtlage freilich längst nicht dem entspricht, was man sich bei der Eröffnung der knapp 60 Millionen Euro teuren Spielstätte vor fünf Jahren erhofft hat.

Eigentlich sollte die Alemannia ihr Stadion selbst finanzieren, was durch den sportlichen Niedergang undenkbar wurde. So hat sich die Stadt im vergangenen Jahr entschlossen, das Stadion zum symbolischen Preis von einem Euro zu kaufen, um sich damit den Zugriff auf sämtliche Nutzungsmöglichkeiten zu sichern. Um dies gut über die Bühne bringen zu können, sei man laut Barth weiterhin auch mit der Landesregierung und dem Finanzamt im Gespräch.

Hilfestellung sollen zudem der Düsseldorfer Immobilienentwickler Aengevelt und das Planungsbüro StadtUmBau aus Kevelaer geben, die sich über die Weiterentwicklung des Sportparks Soers und zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten im und am Stadion Gedanken machen sollen. Sie sollen dafür sorgen, auch die Freiflächen besser zu vermarkten und das Stadion für weitere Events neben dem Fußball zu öffnen. Denkbar seien etwa weitere Open-Air-Kinovorstellungen oder auch Theateraufführungen, meint Barth. Nur Konzerte werden im Tivoli wohl nie zu hören sein, da dies mit dem Ruhebedürfnis der Anwohner nicht in Einklang zu bringen sei.

Hinter allen Überlegungen steht die dringende Notwendigkeit, mehr Geld in die städtischen Kassen zu kriegen, um die immensen Stadionkosten stemmen zu können. So muss die Stadt unter anderem für Zins und Tilgung eines Stadionkredits in Höhe von 20 Millionen Euro aufkommen. Zudem bringt sie derzeit jährlich rund zwei Millionen Euro für Unterhalt und Betriebskosten auf, damit der Regionalligist Alemannia Aachen dort überhaupt noch spielen kann.

Verwaltungsintern spricht man in Sachen Alemannia von einer „Haus- und Notgemeinschaft“, wobei insgesamt ein Trend zum Positiven gesehen wird. Sportlich nährt der Verein derzeit die Hoffnung, eines Tages wieder höherklassig spielen und dann auch wieder mehr Geld erwirtschaften zu können. Und mit Alemannia-Geschäftsführer Alexander Mronz hat die Stadt offenbar auch endlich wieder einen Gesprächspartner, dem sie vertraut.

Millionenschwere Baumängel

Eine Baustelle wird der Tivoli dennoch auf Jahre hinaus bleiben – und dies auch wortwörtlich. So liegt nach „Nachrichten“-Informationen inzwischen auch die Liste der Mängel vor, die auf Schlamperei beim Bau und nicht etwa auf mangelhafte Wartung zurückzuführen sei. Alles in allem soll sich der Schaden auf rund zwei Millionen Euro summieren. Offiziell will sich dazu noch niemand äußern. Nur so viel lässt sich Barth entlocken: Man werde jetzt in Gespräche mit der Baufirma Hellmich eintreten und strebe eine außergerichtliche Einigung an.

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