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Dichterschlacht in der Raststätte

Von: Martina Stöhr
Letzte Aktualisierung:
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Poetry Slammer Julius Schneege bevorzugt Horrorfilme. Denn da „werden die Liebespaare abgeschlachtet“. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Gäste standen draußen Schlange, um noch ein Plätzchen in der „Raststätte“ an der Lothringer Straße zu erhaschen. Fünf Poetry Slammer hatten als Chaos Lese Club zur Lesebühne eingeladen.

Ihr Rezept: „Man nehme fünf Aachener Poetryslammer, eine Bühne und ein grenzdebiles Abendthema – füge eine gute Portion Texte, Improvisation und Chaos hinzu – fertig!“ Das „grenzdebile“ Thema kreiste um die Liebe und jeder einzelne hatte sich da so seine Gedanken gemacht. Julius Schneege sah sich in der Filmlandschaft um und kam nach so viel Schmalz letztendlich zu dem Schluss: „Ich bevorzuge Horrorfilme, da werden die Liebespaare wenigstens abgeschlachtet“.

Quatsch mit der „Königin“

Slam-Texte, Musik, Live-Hörspiel, Publikumsspiele und ganz viel Quatsch: So hatten die jungen Leute ihre Lesebühne angekündigt – und wurden dabei den Erwartungen des Publikums mehr als gerecht. Und als die „Königin“ des Poetry Slams vors Publikum trat, da waren die Zuschauer mehr als gespannt.

Henrike Klehr, frisch gebackene NRW-Meisterin im Poetry Slam, erzählte von ihrer Oma: „Sie ist genauso alt wie ich, 81“, begann sie. „Ich bin 18“, fuhr sie fort und verwies auf die identische Quersumme beider Zahlen: 9. Dass man so nicht rechnen kann, darauf hatte schon die Lehrerin in der Schule vergeblich hingewiesen.

Viel Quatsch und viel Unsinn standen bei den oft schrägen Texten der Slammer im Mittelpunkt. Seitenhiebe auf Donald Trump als frisch gewählten Präsidenten der USA gleich eingeschlossen. „Wenn Trump Präsident sein kann, dann kann ich auch ,Königin‘ der Slammer sein“, beruhigte Henrike Klehr ihr ungutes Gefühl ob solch einer großen Auszeichnung.

Und dennoch empfinde sie es als megapeinlich, wenn ihre Slammer-Kollegen sie in Stuttgarts Fußgängerzone lautstark als die Königin anpreisen und um Platz für sie bitten, sagt sie und fährt fort in ihrem Diskurs mit der Oma. Was eine „offene Beziehung“ ist, ist der genauso wenig klar zu machen wie der Begriff „Poetry Slam“. Die Oma macht so etwas wie „Powertree Schlamm“ daraus und gibt sich schließlich mit der deutschen Übersetzung zufrieden: Dichterschlacht. „Das trifft es schon, aber eben doch nicht ganz“, meint Henrike.

Liebe auf der Lesebühne

Tatsächlich treffen beim Poetry Slam Dichter mit kurzen, selbst geschriebenen Texten gegeneinander an. Bei der Lesebühne des Chaos Lese Clubs geht es nicht um den Wettbewerb, sondern um unterschiedliche Themen. Diesmal eben um Liebe.

Dazu kommen Spiele mit dem Publikum – und die Mixtur kommt offensichtlich richtig gut an. Die „Raststätte“ platzte nämlich aus allen Nähten.

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