Aachen - DGB richtet Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus ein

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DGB richtet Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus ein

Von: Achim Kaiser
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Kenner der rechten Szene: Dominik Clemens. Foto: Harald Krömer

Aachen. In der Diskussion ist die Einrichtung einer zentralen Beratung und Information gegen Rechtsextremismus schon lange gewesen. Der Aachener DGB-Chef Ralf Woelk hat jetzt Nägel mit Köpfen gemacht und im DGB-Haus eine Koordinierungsstelle eingerichtet.

Gerade in der Region habe nämlich die Zahl der rechtsextremen Aktivitäten zugenommen, außerdem sei die Bereitschaft der Neonazis zur Gewalt deutlich gewachsen.

„Bei der Vorbereitung der jüngsten Demonstration gegen die Neonazis im Ostviertel hätten wir gerne auf Strukturen zurückgegriffen, die jetzt geschaffen werden sollen”, erläutert der DGB-Chef und verweist darauf, dass im April des kommendes Jahres erneut mit einem rechten Aufmarsch zu rechnen sei, dann allerdings in Stolberg.

Ansprechpartner in der neuen „Info- und Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus (kurz ibs) in der Region Aachen” ist mit Dominik Clemens ein Kenner der rechten Szene. Der 31-Jährige hat an der RWTH Politikwissenschaften studiert und in seiner Magisterarbeit die extreme Rechte am Beispiel der Region Aachen untersucht und analysiert.

„Das Thema begleitet mich seit zehn Jahren”, sagt Clemens. Knackpunkt sei noch zu seinen Teeniezeiten ein Gespräch mit noch lebenden ehemaligen KZ-Häftlingen in der Gedenkstätte Buchenwald gewesen. „Diese Begegnung hat mich nachhaltig geprägt”, gesteht der Fachwissenschaftler. „Rechte Strömungen muss man eindämmen”, dachte sich Clemens damals und entwickelte die Überzeugung, dass das Erbe der Überlebenden aus den Konzentrationslagern weitergeführt werden müsse.

„Das deckt sich ja auch mit unserem historischen Auftrag, sich mit geballter Macht gegen Rechts zu stemmen”, sagt Woelk und verweist auf den 2. Mai 1933, als die Nazis die freien Gewerkschaftshäuser stürmten und die Organisation zerschlugen. „Auch deshalb sind wir jetzt federführend tätig geworden”, erklärt der Aachener Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Nicht kleckern, sondern klotzen, lautet das Motto von Dominik Clemens. Der junge Mann hat sich viel vorgenommen: Er will Beratungsarbeit vor Ort leisten und dabei für jeden ansprechbar sein. „Wenn jemand ein Problem mit Neonazis hat, können wir vielleicht Hilfestellungen leisten.”

Außerdem will er die rechten Aktivitäten dokumentieren und ein Archiv ausbauen, das auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. Natürlich soll auch im weitesten Sinne Bildungsarbeit vorangetrieben werden. Dazu zählen der Aufbau eines Referentenpools ebenso wie die Organisation von Veranstaltungen. Auch Schulen will er einbeziehen: „Da denke ich an Projektwochen gegen Rechtsextremismus”, nennt er ein Beispiel.

Bessere Vernetzung

Ganz wichtig sind Woelk und Clemens auch der schnelle Austausch von Informationen. „Lokale Initiativen und Bündnisse müssen gestärkt und besser miteinander vernetzt werden, damit Synergieeffekte genutzt werden können”, betont der Neonazi-Experte. In dem Zusammenhang soll auch eine neue Webseite mit zentralem Terminkalender erstellt werden.

Bei seinen vielfältigen Aufgaben hat Dominik Clemens nicht nur die jungen gewaltbereiten Neonazis im Blick: „Dazu zählen auch das Lager der Pro-NRW-Bewegung und die vermeintlichen Islam-Kritiker.” Die am Donnerstag veröffentlichten Ergebnisse der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung zu rechtsextremen Einstellungen geben Clemens und Woelk Recht. Denn aufgrund der Wirtschaftskrise scheint zunehmend die gesellschaftliche Mitte das Vertrauen in das politische System zu verlieren und anfälliger zu werden für wie auch immer geartete rechtsextreme Einstellungen.

„Wir wollen Debatten anstoßen und Prozesse begleiten”, betont Clemens, dessen Stelle jedoch vorerst nur bis zum Jahresende befristet ist. „Ich könnte mir vorstellen, dass so eine Stelle auch bei der Stadt oder der Städteregion gut aufgehoben wäre”, will Woelk die Zukunft der Infostelle beim nächsten Runden Tisch gegen Rechtsextremismus thematisieren - damit die Diskussion um eine zentrale Beratung und Information gegen Rechtsextremismus Anfang des kommenden Jahres nicht erneut geführt werden muss.

Angesiedelt im Aachener DGB-Haus

Die Aachener Gewerkschaften haben die Anschubfinanzierung in Form von Arbeitsplatz und Programmkosten übernommen, öffentliche Mittel wie etwa von der Kölner Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus sichern die personelle Unterstützung bis Ende 2010.

Kontakt: Die „Info- und Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus (ibs) in der Region Aachen” ist angesiedelt in der DGB-Geschäftsstelle des Aachener Gewerkschaftshauses in der Dennewartstraße 17. Dort ist sie postalisch (52068 Aachen) und per E-Mail zu erreichen: nrw-ibs@dgb.de.

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