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Deutscher – nach 55 Jahren in Deutschland

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:
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Carmelo Licitra (links) hat bereits seit 2007 die doppelte Staatsangehörigkeit. Im Alter von 75 Jahren hat sich nun auch Mario Tognazzi einbürgern lassen. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Mario Tognazzi reist am Samstag nach Italien. Das tut er öfter, schließlich stammt er von dort. Zum ersten Mal ist Mario Tognazzi aber mit deutschem Pass unterwegs. Vor wenigen Wochen ist der 75-Jährige nämlich offiziell Deutscher geworden. Er ist nun Staatsangehöriger des Landes, in dem er seit 55 Jahren lebt.

„Mein Leben ist hier“, sagt Mario Tognazzi, „ich bin heute mehr Deutscher als Italiener.“ Italiener bleibt er aber trotzdem, auch ganz offiziell mit italienischem Pass. Ein Abkommen zwischen Deutschland und Italien ermöglicht seit einigen Jahren die doppelte Staatsbürgerschaft.

1958 verließ Tognazzi seinen Geburtsort Caviglia in der Nähe von Florenz und zog nach Deutschland, um hier zu arbeiten. Gerade einmal 20 war er damals. Eine Firma in Lübeck hatte ihn angeworben. In Aachen lebt und arbeitet Tognazzi nun schon 45 Jahre. Die „schwierige deutsche Sprache“ hat er sich – auch in Sprachkursen – erarbeitet. Er legte die Gesellenprüfung als Elektromechaniker ab, er bildete sich zum Elektroniker fort, er war viele Jahre bei Philips und dann bis zur Rente an der RWTH beschäftigt.

Dass er mit italienischem Pass in Deutschland lebte, war all die Jahre nicht wirklich ein Thema. „Einen deutschen Pass brauchte ich nie“, erinnert sich Tognazzi. „Als ich bei der RWTH anfing, habe ich wie alle anderen einen Eid abgelegt. Nach meiner Nationalität hat niemand gefragt.“

Man muss wohl davon ausgehen, dass es der rührige Carmelo Licitra war, der seinen Freund Tognazzi freundlich, aber bestimmt, immer wieder mit dem Thema doppelte Staatsangehörigkeit konfrontiert hat. Licitra, politisch sehr engagiert und aktuell stellvertretender Vorsitzender des Integrationsrats, hatte jahrelang auf den deutsch-italienischen „Doppelpass“ gewartet.

Er wollte zwar offiziell Deutscher werden, aber er wollte immer auch Italiener bleiben. Seit Licitra das begehrte Dokument in den Händen hat, wird er nicht müde, bei seinen italienischen Landsleuten für den „Doppelpass“ zu werben. „Allein in Aachen leben immerhin rund 900 Italiener“, sagt Licitra. Er ist überzeugt: Ein deutscher Pass macht auch das Leben in Aachen einfacher. „Mit Behörden klappt vieles besser, man muss nicht für alles zum Konsulat fahren.“

Das Einbürgerungsverfahren ist für Mario Tonazzi zügig, in nur drei Monaten, über die Bühne gegangen. Den Einbürgerungstest, den mittlerweile alle absolvieren müssen, die Deutsche werden wollen, hat der 75-Jährige mit Bravour bestanden: mit 33 von 33 möglichen Punkten.

Wer Deutscher ist, der kann auch in der Politik mitreden, der darf wählen. Auch deshalb ist Mario Tognazzi froh, dass er jetzt Deutscher ist. Im September, wenn der neue Bundestag gewählt wird, gibt auch er seine Stimme ab.

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