Aachen - Deutsche Bahn lässt Brücke an der Lütticher Straße bald abreißen

Deutsche Bahn lässt Brücke an der Lütticher Straße bald abreißen

Von: Heiner Hautermans
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Ist im Laufe der Zeit nicht sc
Ist im Laufe der Zeit nicht schöner geworden: Die massiv konstruierte und jetzt überflüssige Eisenbahnbrücke über die Lütticher Straße. Die kleineDurchfahrt links war für die Straßenbahn Foto: Harald Krömer

Aachen. Sobald in Aachen Kettensägen aufheulen, sind die Bürger sensibilisiert, das Baumschutz-Bündnis lässt grüßen. So meldete ein aufmerksamer Leser der Redaktion, dass in den letzten Tagen an der Lütticher Straße Dutzende teilweise stattliche Bäume gefällt worden seien, in der Nähe der alten Eisenbahnüberführung zwischen Bildchen und der Siedlung Preuswald.

Sobald in Aachen Kettensägen aufheulen, sind die Bürger sensibilisiert, das Baumschutz-Bündnis lässt grüßen. So meldete ein aufmerksamer Leser der Redaktion, dass in den letzten Tagen an der Lütticher Straße Dutzende teilweise stattliche Bäume gefällt worden seien, in der Nähe der alten Eisenbahnüberführung zwischen Bildchen und der Siedlung Preuswald.

Ein Anruf bei der Stadt Aachen ergab, dass diese diesmal nicht beteiligt war, die Brücke befindet sich nämlich im Besitz der Deutschen Bahn, die Stadt Aachen trägt lediglich die Baulast. Reine Vorsichtsmaßnahme, so begründet ein Sprecher der Bahn in Düsseldorf die Fällaktion. Man wolle vermeiden, dass Bäume auf Fahrbahn oder Radweg stürzten. Keinesfalls habe das Abholzen etwas mit dem geplanten Abriss des brachialen Bauwerks zu tun.

Denn dieser steht wieder einmal an, wie Sprecher Jürgen Kugelmann weiter erklärt. Gleichzeitig verweist er auf einen Artikel aus den "Aachener Nachrichten" vom 3. Januar 1990 mit dem Titel "Streit um Zebrastreifen für Rehe". Damals waren die Bagger schon angerückt, doch Umweltschützer verhinderten den Abbruch des massiven Bauwerks. Sie attestierten der zu dieser Zeit schon lange nicht mehr genutzten Brücke einen hohen ökologischen Nutzen. Sie diene Rehen, aber auch anderen Tieren als einzige und gefahrlose Verbindung zwischen dem Preuswald und dem Moresneter Wald, argumentierten die Aktivisten des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) seinerzeit und stoppten so den Abriss. Die Stadt übernahm die Instandhaltung, die Jahre gingen ins Land.

Das Wildwechsel- Argument hat sich inzwischen durch den Ausbau der benachbarten Hauptstrecke zur Hochgeschwindigkeitstrasse erledigt, erklärt Stadtsprecher Hans Poth. Diese andere Trasse sei durch Zäune und Mauern eingefasst, so dass ein reger Wildwechsel in dem Gebiet gar nicht mehr stattfinden könne. Deswegen habe auch der Landschaftsbeirat, der sich mit den Abrisswünschen der alten Brücke befasste, grünes Licht gegeben. Allerdings gibt es nach Angaben des Bahnsprechers nur erste Überlegungen, das fast 100 Jahre Bauwerk, das seit Jahrzehnten ungenutzt ist, niederzulegen. "Wir müssen erst eine Vorplanung machen."

Im Ersten Weltkrieg

Gebaut worden ist die Betonbalkenbrücke während des Ersten Weltkriegs. Den Auftrag erteilte die Deutsche Heeresleitung im Jahre 1916, die Fertigstellung erfolgte 1918. Im Ersten Weltkrieg wurde das neutrale Belgien entsprechend dem Schlieffen-Plan in die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Deutschen Kaiserreich und Frankreich als Durchgangsland einbezogen und von der kaiserlichen deutschen Armee fast gänzlich eingenommen. Natürlich hatten Eisenbahnverbindungen dabei eine große strategische Bedeutung. Den Deutschen ging es um eine möglichst schnelle Verbindung zwischen Köln und Brüssel. Die Belgier versuchten, den Überfall noch hinauszuzögern, indem sie im Buschtunnel zwei Lokomotiven aufeinanderprallen ließen.

Den Belgiern gefiel diese Linienenführung nach Kriegsende aber überhaupt nicht, berichtet der inzwischen pensionierte Historiker Lutz-Henning Meyer, der über das Thema "150 Jahre Eisenbahnen im Rheinland" promoviert und ein Buch geschrieben hat. Diese Strecke ließ nämlich Lüttich links liegen, so dass die alte Strecke über Herbesthal wieder benutzt wurde: "Auf der Brücke über die Lütticher Straße sind nur deutsche Militärzüge gefahren."

Nach dem Zweiten Weltkrieg seien die Gleise zurückgebaut worden, seitdem werde die Brücke nur noch von Tieren und Spaziergängern genutzt, weiß der Denkmalschutzbeauftragte der Stadt Aachen weiter.
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