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Deutsch-Türkische Gesellschaft zeichnet Manfred Paul aus

Von: Werner Czempas
Letzte Aktualisierung:
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10. Mai 2013 Verleihung des Stillen-Helden-Preis VL Reiner Bertrand, Manfred Paul, Elisabeth Paul, Hans Josef Thouet OB. Marcel Philipp Ralf Roeger

Aachen. Wenn nicht er, wer dann: Manfred Paul, zwei Jahrzehnte lang und im Februar pensionierter Rektor der Hauptschule Aretzstraße, ist „in Anerkennung seiner Verdienste um die Völkerverständigung zwischen Türken und Deutschen“ mit dem „Stille-Helden-Preis 2013“ geehrt worden. „Klar, passt!“, gratuliert Oberbürgermeister Marcel Philipp bei der Preisübergabe.

Seit 2004 verleiht die Aachener Deutsch-Türkische Gesellschaft Eurotürk den Preis. Der will das stille Wirken von Menschen belobigen und sich für ihr selbstloses Tun bedanken. Er will anspornen, nachzueifern auf dem Weg zu mehr Verständnis füreinander und über ethnischen Grenzen hinweg.

Hans-Josef Thouet, Aachener Honorarkonsul der Republik Türkei, trifft es in seiner Laudatio auf den Punkt: „Nicht immer ist dieses Tun in einer solchen Vielfältigkeit gegeben wie bei unserem heutigen Preisträger. Denn diese Fülle verschiedener Aktivitäten ist wohl einmalig. Und dennoch nennen wir diesen Preis den stillen, denn er zeichnet Menschen aus, die ihr Tun nicht an die große Glocke hängen, sondern durch ihre Aktivitäten ein moralisches Vorbild sind.“

Der „stille Held“ Manfred Paul: 20 Jahre Leiter der Hauptschule Aretzstraße im Multikulti-Viertel Ost mit rund 500 Schülern aus aller Welt und mehr als 50 Lehrern. Seine türkischen Schüler kennt er mit Namen und besucht ihre Eltern zu Hause. Alle Wellen der Immigration und Asylsuchenden begleitet er stets positiv. Zu allen Migranten wie den Russland-Deutschen, den Schwarzafrikanern, den Flüchtlingen vom Balkan und aus Afghanistan und zuletzt den Roma entwickelt er ein besonderes menschliches Verhältnis.

Er ist „Weltmeister im Heranziehen von Projekten“ (Thouet). 1995 gründet er den Verein „Jugendliche powern ohne Gewalt“ – Paul bleibt über die Pensionierung hinaus Vorsitzender und „damit seiner Schule als wertvolle Stütze erhalten“ (Thouet).

1990 gründet Paul die Schülerfirma „Tu was gmbh“, was für „gib mir berufliche Hilfe“ steht. Mit den Eltern organisiert er den Bau einer Schulküche und eines Kiosks; Mensa und Kiosk werden von den Schülern unter dem Motto „Schüler kochen für Schüler“ betreut. Konsul Thouet: „Manfred Paul lag am Herzen, dass seine Schüler schon früh mit Berufen in Verbindung gebracht werden und dadurch reelle Chancen erhalten, nahtlos und mit Erfolg in ihnen schon vertraute Berufe hinüberzuwechseln. Dabei hilft ihm, dass er mit vielen Firmen Kontakt hält und über diese Verbindungen Ausbildungsplätze vermittelt.”

Schulverband Aachen-Ost

Mit den Rektor-Kollegen von der Hugo-Junkers-Realschule und vom Geschwister-Scholl-Gymnasium gründet Paul 2010 den Schulverband Aachen-Ost und verhindert so die Schließung aller drei Schulen „und damit die Sprengung der eingespielten Lehrerschaft, die ansonsten in alle Winde verstreut worden wäre“, so Hans-Josef Thouet. „Noch viel wichtiger war ihm, dass die Schüler des Ostviertels jetzt wesentlich vereinfachter zwischen allen drei Schultypen je nach Eignung und Entwicklung weitervermittelt werden können.“

Der „außergewöhnliche Mensch“ (Thouet) Manfred Paul lernt mit seiner Frau Elisabeth 2007 auf einer Reise mit einem befreundeten afrikanischen Lehrer in dessen Heimatland Kongo die Nöte einer Schule in Kinshasa kennen. Daheim gründen die Pauls einen Verein, sammeln Geld und unterstützen seitdem ein Krankenhaus und jährlich Schüler mit jeweils 100 Euro. 100 Euro, die ein Jahr Schule ermöglichen.

Beginnend mit dem Aachener Friedenspreis 1997 wurde Manfred Paul für seine vielfältigen menschlichen Aktivitäten gewürdigt, auch bundesweit. Immer im Stillen. „Wenn es um Öffentlichkeitsarbeit geht, steht nicht er auf der Bühne, sondern schickt seine Schüler vor“, gratuliert Konsul Thouet.

Da steht er nun, der „Stille Held“, im großen Gartenzelt im Haarener Heim des Eurotürk-Vorsitzenden Reiner Bertrand und ist ganz öffentlich, aber leise, und kann so bescheiden und so glaubhaft sagen: „Der Mitmensch war und ist das Wesentliche in meinem Leben.“ Dass jedes Gespräch „wichtig ist mit einem Menschen, der mir seine Fremdkultur entgegenbringt und ich ihm meine für ihn Fremdkultur“. Wie bedrückend und schlimm das damals für ihn als Junglehrer gewesen sei, den Konflikt zwischen türkischen und kurdischen Schülern zu erleben.

Aber: Dass man „doch etwas tun kann an den Problemen“. Reiner Bertrand hat neben der Preisurkunde einen Scheck für ein Schulpatenkind überreicht. „Für ein kongolesisches Kind ist es etwas Besonderes, zu erfahren, von einem türkischen Verein in Deutschland gefördert zu werden und ein Jahr in die Schule gehen zu können“, dankt Paul. 30 Patenkinder zählt der Verein um die Pauls schon in Kinshasa.

Beim immer noch sehr schweren Schritt der Türkei nach Europa habe Deutschland eine Chance verpasst, klagt Manfred Paul. Er sorgt sich um die deutsch-türkische Jugend, die doch beides sei, deutsch und türkisch. Weshalb er appelliert: „Für ihre doppelte Staatsbürgerschaft sollten wir uns alle einsetzen und arbeiten.“ Der Christdemokrat Marcel Philipp klatscht Beifall.

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