Der Winter, die Stadt und die Bürger

Von: Alfred Stoffels und Georg Dünnwald
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Jetzt schon steht fest: Dieser Winter wird teuer. Die Stadt hat noch keinen Uberblick über das Ausmaß der Frostschäden, geht aber davon aus, dass da einiges zusammenkommen wird (unser Bild entstand in der Heinrichsallee). Foto: Ralf Roeger

Aachen. Zurzeit kann die Stadt nicht einmal ansatzweise beziffern, wie teuer sie der frühe und anhaltende Wintereinbruch zu stehen kommt. Noch sind die meisten Frostschäden unter Schnee, Matsch oder Eis verborgen, und auch ein Ende der Räumarbeiten ist noch nicht abzusehen. Fest steht nur: Es kann eine ziemlich teure Veranstaltung werden, mit durchaus spürbaren Folgen für den Steuerzahler.

Denn die Verwaltung bastelt an neuen Konzepten, wie sie in Zukunft solchen Wetterkapriolen besser begegnen kann als bisher - und alle Zusatzleistungen werden natürlich über die Gebühren bezahlt werden müssen.

Nachdem uns Tief „Miriam” schon im vergangenen Jahr einen überdurchschnittlich weißen Winter mit heftigem Schneefall, vereisten Straßen und allerlei Verkehrsproblemen beschert hatte, legte Namensvetterin „Petra” jetzt noch einen Zacken zu: Teilweise ging gar nichts mehr auf den Straßen, die Aseag machte zwei Tage lang komplett dicht, und die nach wie vor beträchtlichen Hinterlassenschaften der Dame Petra stellen Stadtbetrieb, Nahverkehr und viele Passanten vor große Herausforderungen.

Mit eigenen Radladern, aber auch mit Hilfe einer Privatfirma ist die Stadt daran gegangen, die hinderlichsten Schneeberge peu à peu abzutragen. Das dauert, und eine der Kardinalfragen lautet natürlich: Muss es überhaupt zu diesen Gebirgen kommen?

Bei der Analyse hat sich herausgestellt, dass der Einsatz großer Räumfahrzeuge natürlich zu großen Schneehaufen führt, die als regelrechte Barrikaden wirken. Überlegt wird daher unter anderem, den Fuhrpark durch kleineres Räumgerät zu komplettieren - was natürlich bedeuten würde: zusätzliche Anschaffungs- und Personalkosten, denn die Dinger müssen ja gefahren werden. Und das würde, siehe oben, höhere Gebühren nach sich ziehen.

Aus laufenden Mitteln für den Straßenunterhalt würde dagegen die Reparatur etwaiger Frostschäden finanziert (dafür stehen fünf Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung). Welche Summen da zusammenkommen könnten, kann derzeit nicht einmal geschätzt werden, zumal der Winter gerade erst angefangen hat. Rita Klösges vom städtischen Presseamt: „Wir werden natürlich gucken, wo was kaputt ist, aber einen Überblick haben wir noch nicht.” Wahrscheinlich könne man erst im März sagen, wie viel Geld aus dem Fünf-Millionen-Topf auf das Konto Winterschäden geleitet werden muss.

Währenddessen reagieren immer mehr Bürger verärgert. „Es hat doch jetzt schon seit Sonntag nicht mehr geschneit, für uns Fußgänger und Aseag-Kunden bleibt es aber beschwerlich”, schimpfte am Mittwoch eine Frau an der Bushaltestelle Josefskirche in Richtung Hohenzollernplatz.

„Die Fahrbahnen sind frei, aber nirgendwo ist eine Schneise zu sehen, die durch die Schneewälle geschaufelt wurde, damit Bürger auf die andere Straßenseite wechseln oder problemlos in den Bus einsteigen können”, pflichtete eine andere Frau bei. „Da muss man dann durchstapfen und bekommt nasse Füße.”

Die beiden wollten eigentlich zum Kennedypark, hatten aber mitbekommen, dass die Elsassstraße von der Roten Flotte nicht angefahren wurde. Besonders empört zeigten sich die Damen darüber, dass sie weder von Busfahrern noch per Anschlag an den Fahrplänen über die Routenänderung informiert worden waren. Und tatsächlich, zahlreiche Menschen warteten an der Haltestelle Elsassstraße vergeblich auf den Bus.

Aseag-Sprecherin Corinna Bürgerhausen räumte ein, dass die Aseag immer noch Probleme mit den Verkehrsverhältnissen habe, „obwohl wir zu 90 Prozent alles im Griff haben”. Da sich die Zustände aber stündlich ändern könnten, hätten Aushänge an den Haltestellen keinen Zweck. „Da fehlt uns die Kapazität. Das können wir nicht leisten. In dem Gebiet, dass die Aseag anfährt, haben wir mehr als 2000 Haltepunkte.”

Allerdings, die Fahrer des kommunalen Verkehrsunternehmens seien wie die Chauffeure der Subunternehmer angewiesen, auf veränderte Strecken per Durchsagen hinzuweisen. Sie rät, vor Fahrtantritt sich bei der Aseag-Hotline 0241/16881 kundig zu machen.

Auch die Bewohner der Hörn haben keinen Anlass zur Freude. Dort werden ebenfalls Haltestellen nicht angefahren. „Das ist besonders fatal, weil in diesem Gebiet viele alte Menschen wohnen, die keine Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe haben”, sagt ein Anwohner. Er habe schon einen Brandanruf von seiner Tante erhalten. „Der alten Dame gehen die Kartoffeln aus.”

„Wir tun, was wir können”, beteuert Rita Klösges vom städtischen Presseamt. 260 Mitarbeiter des Stadtbetriebs seien rund um die Uhr mit der Räumung der Schneemassen beschäftigt. „Im Schichtdienst mit verringerten Pausenzeiten.” Auch Fußtrupps seien bereits unterwegs, um Gehsteige frei zu machen oder wenigstens Furten zu schippen. „Im alten Jahr noch wollen wir mit dieser Arbeit fertig sein. Denn im neuen Jahr wird es bestimmt wieder schneien.”
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