Der Vermittler hat den Blick von außen nie verloren

Von: Gerald Eimer
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Abschied von einem der „schönsten und spannendsten Jobs in der Verwaltung“: 20 Jahre lang war Hans Poth Chef des Presseamtes. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Dieser Karlspreis! Für jeden städtischen Pressesprecher ist er Fluch und Segen zugleich. Ja, es ist ein renommierter Preis, der auch den Namen Aachen in die Welt hinaus trägt und Jahr für Jahr eine Erwähnung in der Tagesschau sicherstellt. Aber er ist eben auch so langatmig und so bieder.

„Einfach furchtbar“, lautete das niederschmetternde Urteil des WDR-Intendanten Fritz Pleitgen im vergangenen Jahr. „Zum Einschlafen“, fand ihn Hans Poth schon zwei Jahrzehnte zuvor. „Ich habe damit Pleitgen vorweggenommen“, lacht Poth heute. 1994 jedoch, kurz nachdem er die kommissarische Leitung des Aachener Presse- und Werbeamts übernommen hatte, fanden maßgebliche Köpfe der Stadt solche Äußerungen aus dem Munde des städtischen Pressesprechers einfach nur unerhört.

„Ein Spießrutenlauf“ war die Folge für Poth – „gleich in meinem ersten Jahr“. Da kommt es fast einem Wunder gleich, dass er sich so lange dann doch an der Spitze des Presseamts, das heute Fachbereich Presse und Marketing heißt, halten konnte. Am kommenden Donnerstag wird Poth in den Ruhestand verabschiedet.

Das Erscheinungsbild der Stadt Aachen und ihrer Verwaltung hat er gemeinsam mit seinem 15-köpfigen Team in den zurückliegenden 20 Jahren maßgeblich mitgeprägt. Was immer aus Reihen der Verwaltung „nach draußen“ verlautbart werden sollte – es ging über seinen Schreibtisch. „Unheimlich abwechslungsreich“ sei das, schwärmt Poth, „es ist einer der schönsten und spannendsten Jobs, die man in der Verwaltung haben kann“, ist er überzeugt. Aber auch das hat eine Kehrseite: „Wenn was danebengeht, steht man in der Schusslinie.“

Scheitern vorausgesehen

Oft habe er sich den Vorwurf gefallen lassen müssen, dass er wichtige Themen nicht richtig vermittelt habe. Als Oberbürgermeister Jürgen Linden eine Niederlage bei der „Bauhaus“-Abstimmung kassierte, war das so. Als Oberbürgermeister Marcel Philipp beim Bürgerentscheid zur Campusbahn unterlag, war es auch so. „Ich habe beide Male gewusst, dass es daneben geht“, blickt Poth auf diese beiden großen kommunalpolitischen Schlachten zurück. Aber dass er nicht alle Register der Kunst der Kommunikation mit dem Bürger gezogen habe, lässt er sich nicht vorwerfen.

„Ich habe mich natürlich immer meinem Arbeitgeber verpflichtet gefühlt, aber genauso habe ich mich immer auch den Bürgern verpflichtet gefühlt“, sagt er. Er zählt es zu seinen größten Stärken, in all den Jahren „den Blick von außen“ beibehalten zu haben. Auch gegenüber der Verwaltungsspitze habe er stets versucht, „aus der Sicht der Bürger zu denken und zu argumentieren“.

Vielleicht war es gerade dies, was seine jeweiligen Dienstherren an ihm besonders geschätzt haben. Der Wechsel vom SPD-OB Jürgen Linden zum CDU-OB Marcel Philipp im Jahr 2009 ist für den parteilosen Pressesprecher Poth erstaunlich folgenlos geblieben. „Offenbar hat er mich als guten Ratgeber empfunden und Vertrauen gefasst“, sagt Poth über Philipp. Die Sympathien dürften dabei durchaus beiderseits sein. Denn der jetzt 66-jährige Poth hat nur deshalb einer Verlängerung seiner Tätigkeit zugestimmt, weil die Zusammenarbeit so angenehm war.

Klar müsse man ein loyales Verhältnis zum Oberbürgermeister haben, sagt Poth. „Aber ich habe den Job dennoch nie politisch gesehen.“ In erster Linie sei er „Mittler zwischen der Verwaltung und den Medien“. Um diese Arbeit gut zu machen, müsse man weder den Oberbürgermeister, noch die Stadt „verherrlichen“. Dies ist dann auch schon der wichtigste Rat, den Poth seinem Nachfolger Bernd Büttgens gibt: „Gelassen bleiben und weiterhin den Blick von außen behalten.“ Büttgens, langjähriger stellvertretender Chefredakteur der „Nachrichten“, übernimmt ab kommender Woche Poths Posten.

„Aachen ist keine Weltstadt, aber sie hat große Stärken, die den Leuten bewusst sein sollten“, sagt Poth. Um sie zu erkennen, hilft zuweilen auch der Blick von außen. Poths Kollegen aus anderen Städten haben ihn jedenfalls vielfach um die Zahl der Events beneidet, mit denen Aachen überregional Aufmerksamkeit schafft: Karlspreis, CHIO oder auch der Orden wider den tierischen Ernst. „Hätten wir doch nur eine Veranstaltung von solch einem Kaliber“, stöhnt da schon mal der Mönchengladbacher Pressesprecher.

„Das Karlsjahr ist für mich ein schöner Abschluss“, kann Poth derweil auf ein weiteres Aachener Großereignis zurückblicken, das nun hinter ihm liegt. Am Donnerstag wird Poth mit einem kleinen Festakt im Rathaus offiziell aus seinem Amt verabschiedet. Der Vater von vier Kindern hat dann nicht nur mehr Zeit für Frau und Familie, sondern auch für sein großes Hobby: Klassische Gitarre.

Das größte Desaster und der größte Erfolg

Was ist dem Presseamt missglückt, was hat überraschend gut geklappt? Hans Poth nennt seine einschneidendsten Erlebnisse:

„Bei den Auseinandersetzungen um die fußgängerfreundliche Innenstadt Anfang der 1990er Jahre haben wir meiner Meinung nach die größten Fehler gemacht. Da sind wir nicht professionell herangegangen, das war schlecht vermittelt.“ Am Ende hatten viele Menschen tatsächlich den Eindruck, Aachen sei samstags regelrecht abgeriegelt worden und für Besucher nicht mehr zu erreichen. Dabei sollte einzig der Autoverkehr verringert werden.

„Das intensivste Erlebnis war die Karlspreisverleihung an Bill Clinton. Niemand hatte bedacht, was dies für die Stadt und diejenigen, die die Aufgaben bewältigen mussten, bedeutet. Es gab höchste Sicherheitsvorkehrungen auch für die Presse. Wir haben zwei Wochen lang kaum geschlafen und im Presseamt Tag und Nacht durchgearbeitet. Danach wussten wir: Wenn man das über die Bühne gekriegt hat, kann einen kaum noch etwas erschüttern.“

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