Aachen - Der Umzug des Stadtarchivs wird kostspielig

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Der Umzug des Stadtarchivs wird kostspielig

Von: Werner Breuer
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Ein neues Heim im Osten der Stadt: Ende des kommenden Jahres soll das Stadtarchiv in die ehemalige Rheinnadel-Fabrik am Reichsweg umziehen. Foto: Wolfgang Plitzner

Aachen. Alter Kram ist natürlich in einem Stadtarchiv zu erwarten. Offenbar sind aber auch die Büromöbel von Archivdirektor Dr. Thomas Kraus einigermaßen historisch. „Ich habe einen Schrank von 1972”, berichtete Kraus am Donnerstag dem Betriebsausschuss Kultur, „da muss ich einmal wöchentlich die Stifte wieder in die Scharniere reinklopfen”.

Auch der Schreibtischstuhl ist wohl ziemlich am Ende, „das Innenleben quillt heraus”. Die Botschaft ging in die Richtung des Grünen-Kulturpolitikers Hermann Josef Pilgram, der zuvor zur Sparsamkeit gemahnt hatte. Beim anstehenden Umzug des Stadtarchivs in das Haus der Identität und Integration müsse ja nicht gleich alles neu und vom Feinsten sein, meint Pilgram.

Teuer genug wird der Umzug zum Reichsweg ohnehin. Mehr als eine Million Euro veranschlagt die Verwaltung dafür, dass am neuen Standort in der ehemaligen Rheinnadel-Fabrik „ein Stadtarchiv entsteht, das diesen Namen verdient”, so Kulturdezernent Wolfgang Rombey. Alleine für Regalanlagen und Zeichenschränke kalkuliert die Verwaltung 732.000 Euro ein, hinzu kommen noch einmal 255.000 Euro für die Möblierung und die Ausstattung der Restaurierungswerkstatt und neue Computertechnik.

Derzeit arbeitet man im Stadtarchiv noch größtenteils mit Gerätschaften, die nur unwesentlich jünger sind als der Schrank des Chefs. Aber eine „auf die Vermittlung von Informationen ausgerichtete Einrichtung” brauche eben eine „aktuelle IT-Ausstattung”, heißt es in der Verwaltungsvorlage.

Dagegen wirken die eigentlichen Umzugskosten noch fast wie Peanuts, obwohl dafür stolze 100.000 Euro veranschlagt werden. Immerhin gehe es um „sehr empfindliches Kulturgut”, für dessen Transport nur eine „Fachfirma mit nachweislich einschlägigen Erfahrungen” in Frage komme.

Neue Aufgaben

Die dürfte dann im Herbst kommenden Jahres allerhand zu schleppen haben. Nicht alleine 5,6 laufende Regal-Kilometer archivierter Bestände sollen im neuen Heim untergebracht werden. Dazu kommen noch einmal rund sieben Kilometer Archivalien, die derzeit noch über 60 Keller der Verwaltung verteilt sind. Um das alles zu bewältigen, müsse ein Archivar „unbedingt dazukommen”, meint Kraus.

Damit nicht genug, die Verwaltung führt noch weitere Personalwünsche auf: Sachbearbeiter/in für Auskünfte aus Standesamtsregistern, Diplom-Restaurator/in und Hilfskraft, Archivpädagoge/in und Sekretariat. Schließlich wolle das Archiv am neuen Standort mehr anbieten als bisher und sich auch offener präsentieren, zum Beispiel mit allerhand Veranstaltungen wie Themenabenden oder einem Erzählcafé. „Die neuen Aufgaben können daher neben den gesetzlich vorgeschriebenen archivischen Arbeiten ohne zusätzliches Personal nicht bewältigt werden”, heißt es in der Verwaltungsvorlage.

Die Begeisterung bei der schwarz-grünen Ratsmehrheit hielt sich erwartungsgemäß in Grenzen. Zwar erkannte auch Eberhard Büchel von der CDU, dass „der Aufwand größer wird und man dafür mehr Personal braucht”. Aber bei der derzeitigen Kassenlage gehe das leider nicht. „Wir sparen überall Stellen ein”, mahnte Grünen-Vertreter Pilgram, „da können wir hier nicht mal eben ein paar neue schaffen.” Einstimmig sprachen sich am Ende die Kulturpolitiker dafür aus, dass die Verwaltung die zusätzliche Personalausstattung noch mal auf ihre wirtschaftliche Umsetzbarkeit überprüft.

Die übrigen Ausstattungswünsche aber segneten sie ab. Um sie zu erfüllen, soll nachdem Willen der Politik der Wirtschaftsplan erweitert werden. Die ursprünglich vorgeschlagene Finanzierung über die Rücklage des Kulturbetriebs lehnten sie ab.

Archivdirektor Dr. Thomas Kraus hat also gute Aussichten, ab dem Frühjahr 2012 nicht mehr bei Scharnieren aus dem Jahr 1972 Hand anlegen zu müssen.
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