Der tückische Weg in die Suchtfalle

Von: Jan Mönch
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Mit ihrem Seminar „Fiese Falle” war die Deutsche Gesellschaft für Nikotinprävention zu Gast an der Gesamtschule Brand. Hinten von links Bernward Gilles, Gesundheitsdezernent der Bezirksregierung, und Isabell Drescher von der DGNP. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Als Isabell Drescher 14 Jahre alt war, tat sie einen folgenschweren Schritt: Sie griff das allererste Mal zur Zigarette. Zwölf Jahre lang blieb sie Raucherin, auf zwei Schachteln pro Tag kam sie zum Schluss - bis sie nach abertausenden von Glimmstängeln den Weg aus der Sucht schaffte.

Das ist sechs Jahre her. Heute ist Isabell Drescher Vorstand der Gesellschaft für Nikotinprävention (DGNP) in Berlin und gibt Seminare zum Thema. So auch vor der sechsten Jahrgangsstufe der Gesamtschule Brand.

Glaubt man der Statistik, haben einige der Sechstklässler bereits zur Zigarette gegriffen, 70 Prozent werden es bis zum 16. Lebensjahr tun. Diese traurige Zahl zu senken, ist das Ziel der DGNP. Allerdings nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Stattdessen erklärte Isabell Drescher den Kindern rückblickend, wie sie damals in die Suchtfalle tappte.

Da war vor allem die beste Freundin Conny, zwei Jahre älter, mit üppigem Taschengeld gesegnet und überall beliebt. „Ich wollte ein bisschen so sein wie Conny”, erklärte Isabell Drescher den jungen Gesamtschülern die fatale Vorbildfunktion der Freundin, „und ich dachte, das schaffe ich, wenn ich wie sie mit dem Rauchen anfange.”

Das Seminar ist laut Bernward Gilles ein neuer Weg in Sachen Nikotinprävention. „Programme gab es schon in den Siebzigern und Achtzigern”, so der Gesundheitsdezernent der Bezirksregierung Köln. „Allerdings wurde meist auf Abschreckung gesetzt. Mit Fotos von Raucherbeinen, verklebten Lungen und offenen Gesichtstumoren. Tod und Krankheit sind für Kinder und Jugendliche aber so weit weg, dass sie das relativ kalt lässt.”

Daher will die DGNP stattdessen „den Mythos Rauchen systematisch entzaubern” (Gilles) und die Mechanik der Suchtfalle offen legen. Besonders tückisch: Kein Raucher hat jemals beschlossen, zum Raucher zu werden. Und wenn die ersten Lungentorpedos bereits detoniert sind, hat das rasch süchtig machende Nervengift Nikotin dem Konsumenten die Entscheidung bereits abgenommen.

Ihr Präventionsseminar betrachten Isabell Drescher und ihre Mitstreiter nur als ein Puzzleteil unter vielen. Die ersten Teile des Puzzles waren laut Walther Kröner schon vor dem Besuch der DGNP gelegt. Der Leiter der Gesamtschule Brand: „In den vergangenen Jahren hat sich ein Wandel vollzogen. Ich habe das Gefühl, dass weniger von unseren Schülern rauchen und dass das Thema kritischer gesehen wird.”
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