Der „stinkende Exot” macht weiter Ärger

Von: Gerald Eimer
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Er macht Gerüche sichtbar: RWTH-Professor Horst Friedrich Schröder will mit aufwendigen Messmethoden die Ursache des Gestanks am Prager Ring ergründen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Am Ende des Tages hatte der RWTH-Professor Horst Friedrich Schröder die Bestandteile aus mehreren tausend Liter Luft analysiert - wieder vergeblich. Dem penetranten Gestank, der seit fast einem Jahr die Menschen im Umfeld von Jülicher Straße und Prager Ring quält, ist er auch gestern nicht auf die Spur gekommen.

„Wir suchen nach einem absoluten Exot”, ist der erfahrene Umweltanalytiker überzeugt. Seinen Forscherehrgeiz kann das nur weiter anstacheln.

Mit modernsten Messmethoden ergründen er und seine Mitarbeiter am Institut für Siedlungswasserwirtschaft die Ursache der mysteriösen Ausdünstungen am Haarener Ortseingang, die inzwischen auch bundesweit für Furore sorgen. Gestern widmete sich das ZDF dem Thema.

Rund 7000 Liter Luft haben die Aachener Experten jüngst durch kleine mit Aktivkohle gefüllte Röhrchen strömen lassen. Die aufgesogenen Bestandteile der Luft sollen in aufwendigen Verfahren analysiert und in einer Datenbank mit rund 150.000 abgespeicherten Stoffverbindungen abgeglichen werden. Am Montag wird Schröder diese Arbeit fortsetzen, um den leidenden Anwohnern endlich Hoffnung auf Abhilfe machen zu können. Wenn man den Stoff kennt, könne man leicht auf die Herkunft und den Verursacher schließen, ist er überzeugt.

Merkwürdig allerdings: Seitdem über seine detektivische Kleinarbeit berichtet wird, stinkt es nicht mehr. „Als habe jemand den Gashahn zugedreht”, sagt Schröder. Für ihn ist dies ein Indiz dafür, dass irgendjemand im Umfeld der Jülicher Straße etwas eingeleitet haben könnte, der nun Angst hat, enttarnt zu werden. Schon einmal hat die Geruchsbelästigung abgenommen, als die „Nachrichten” im Frühjahr berichtet haben und das Umweltamt aktiv wurde.

Dieser Umstand lässt Schröder zugleich an der Theorie zweifeln, die Forscherkollege Manfred Möller vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin verfolgt. Er meint, ein Pilz könne im Untergrund für die Ausdünstungen verantwortlich sein. Denkbar dass er im Kanalsystem „wächst und stinkt”, so Möller. Ob derartige mikrobielle Prozesse gesundheitsgefährdend sind, kann er nicht einschätzen. „Das muss keine dramatische Sache sein”, sagt er. Dennoch müsste man umgehend die Bedingungen für weiteres Pilzwachstum abstellen.

Tatsächlich verfolgt die Stadt auch diese Spur und will einen weiteren Pilzexperten zu Rate ziehen. „Es stinkt uns, dass wir nichts finden”, erklärte jüngst Walter Goffin, Abteilungsleiter Gewerblicher Immissionsschutz beim Umweltamt, vor den Bezirksvertretern in Haaren. Er könne nicht viel Hoffnung machen, dass der Gestank zeitnah abgestellt wird. „Wir stehen vor einem großen Rätsel.”

An der Lösung können sich weiterhin auch Betroffene beteiligen: Unter http://www.aachen.de können sie einen Geruchserfassungsbogen ausfüllen.
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