Der Spagat: Studium und Elternpflichten

Von: Margot Gasper
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Alltag zwischen Hochschule, Ausbildung und Familie: Benjamin Gerhards und Anna Streltsova mit Tochter Jana in der Kita „Sonnenstrahl” der Fachhochschule Aachen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Wenn Benjamin Gerhards morgens zur Fachhochschule aufbricht, dann ist Jana immer mit dabei. Der 25-Jährige geht in seine Vorlesung, und die kleine Tochter, zwei Jahre und fünf Monate jung, geht in die Kindertagesstätte „Sonnenstrahl” der FH.

Anna Streltsova (24), Janas Mama, ist dann schon längst auf dem Weg nach Köln, wo sie gerade ihre Ausbildung als Pharmazeutisch-Technische Assistentin (PTA) begonnen hat.

Benjamin Gerhards und Anna Streltsova gehören zu den jungen Menschen, die tagtäglich einen Spagat bewältigen: Auf der einen Seite arbeiten sie für Studium und Ausbildung, auf der anderen Seite sind sie Eltern, mit allen Sorgen und Pflichten, die dazugehören.

Unter den 9500 Studierenden der Fachhochschule Aachen gehören sie damit zu den Exoten. „Etwa 170 unserer Studierenden erziehen ein oder mehrere Kinder”, berichtet Gleichstellungsbeauftragte der FH Andrea Stühn.

Einfach ist der Alltag nicht mit Studium und Kind. „Und ohne Kita”, das sagen Janas Eltern aus tiefster Überzeugung, „ohne Kita wäre das alles gar nicht zu machen”. Die junge Familie hat wirklich Glück gehabt: Denn Plätze für Kinder unter drei Jahren sind immer noch Mangelware.

Die Fachhochschule hat deshalb im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit dem Studentenwerk zwei eigene Kindertagesstätten aufgebaut. 16 U3-Plätze stellt die FH im „Sonnenstrahl” an der Bayernallee zur Verfügung. 14 Plätze gibt es für Kinder über drei Jahre. Auf dem FH-Campus Jülich sind zehn U3-Plätze vorhanden. Die Warteliste in Aachen ist lang. „Jeder U3-Platz ist heiß umkämpft. Wir würden locker 20 Plätze vollkriegen”, sagt Andrea Stühn.

Groß ist die Nachfrage auch nach Betreuungsmöglichkeiten für ganz kleine Kinder unter einem Jahr. „Studierende, die schwanger werden”, sagt Stühn, „haben natürlich ein Interesse daran, ihr Studium möglichst schnell fortzusetzen.”

Morgens um 7.30 Uhr öffnet die Kita „Sonnenstrahl” ihre Tore. So kann Benjamin Gerhards rechtzeitig zur ersten Vorlesung im Hörsaal sitzen. An der Fachhochschule hat er gerade sein Masterstudium in Maschinenbau begonnen. Nachmittags um 16.30 Uhr schließt die Tagesstätte. Spätere Vorlesungen sind für Benjamin Gerhards deshalb schwierig. „Zur Not muss ich mir den Stoff anders besorgen, von Kommilitonen, aus Büchern und Skripten”, überlegt er. „Aber das klappt schon.”

„In unserem Freundeskreis sind wir die einzigen mit Kind”, berichten Benjamin Gerhards und Anna Streltsova. Die beiden haben weniger Zeit für Unternehmungen, sie müssen ihren Tag genau durchplanen und können nicht einfach mal spontan in die Kneipe aufbrechen. „Aber wir haben viel mehr Verständnis gefunden, als wir erwartet haben”, sagt Anna Streltsova. Es gibt Freunde, die gerne helfen. Und vor allem sind da die Großeltern, die sich riesig freuen, wenn sie auf die kleine Jana aufpassen dürfen.

So anstrengend der Alltag mit der Kleinen manchmal auch ist: „Das Leben mit Kind ist nichts, was man bereuen würde”, sagt Anna Streltsova heute. Und Benjamin Gerhards genießt es, neben Studium und Job doch recht viel Zeit mit Jana verbringen zu können: „So viel Zeit werde ich später im Job vielleicht nie mehr für mein Kind haben.”

Die FH plant unterdessen weiter. Viele Eltern, so ergab eine Umfrage unter Studierenden und Beschäftigten, wünschen sich eine Kinderbetreuung in den „Randzeiten” (außerhalb der Kita-Öffnungszeiten), für Notfälle und in der Ferienzeit. „Das haben wir jetzt auf der Agenda”, sagt Andrea Stühn. „In Kooperation mit Anbietern in Aachen und Umgebung wollen wir den Eltern hier Angebote machen.”

Studierende Eltern haben noch weitere Wünsche geäußert: zum Beispiel die Anwesenheitspflicht abzuschaffen, mehr Online-Angebote einzuführen - oder familienfreundlichere Praktikumszeiten zu ermöglichen. Denn wer ein Kind betreut, kann schlecht abends ins Praktikum.

Und auch das gehört zur familienfreundlichen Hochschule: „Wir wollen nach und nach in allen Gebäuden Wickelmöglichkeiten schaffen”, berichtet Andrea Stühn, „und zwar so, dass auch die Väter wickeln können. Also nicht auf dem Damenklo.”
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