Aachen - Der Schulverband macht viele Lernwege möglich

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Der Schulverband macht viele Lernwege möglich

Von: Margot Gasper
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Großer Bahnhof für den Schulverband: von links Stadtdirektor Wolfgang Rombey, Ministerialrat Reinhold Heimer, Manfred Ernst (Schulverwaltung), Sabine Cofalla (Stiftung Mercator), Prof. Marold Wosnitza (RWTH), Herbert Strohmeyer (Hugo-Junkers-Realschule), Manfred Paul (Hauptschule Aretzstraße und Manfred Birmans (Geschwister-Scholl-Gymnasium). Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Individuelle und flexible Lernwege für jedes einzelne Kind: Eine große Aufgabe stellten sich die drei Ostviertelschulen, als sie vor gut einem Jahr ihren Kooperationsvertrag unterschrieben. Mit Beginn des Schuljahrs ist der „Schulverband Aachen Ost” offiziell gestartet.

Gemeinsam mit Vertretern des NRW-Schulministeriums und der Stadt Aachen als Schulträger stellten die drei beteiligten Schulen, Hauptschule Aretzstraße - Hugo-Junkers-Realschule und Geschwister-Scholl-Gymnasium - ihr ehrgeiziges Projekt nun Eltern, Schülern und anderen Interessierten vor.

Mit dabei war auch der Fachmann, der allen Akteuren zwei Jahre lang kritisch auf die Finger schauen wird: Professor Marold Wosnitza vom Institut für Erziehungswissenschaft der RWTH wird das Projekt wissenschaftlich begleiten und bewerten.

Wechseln? Jederzeit

Flexible Lernwege für jede Schüler, wie kann das gehen? Zum Beispiel mit einen System, das versucht, vollkommen durchlässig zu sein, erklärte Manfred Paul, Schulleiter an der Aretzstraße und Sprecher des Beirats im Schulverband. Jede der drei Schulen bleibt eigenständig und ermöglicht Lernen in kleinen Systemen. Allerdings sollen die Schulen immer enger verzahnt werden. „Alle Schüler können jederzeit von einer Schule zur anderen wechseln”, erklärte Paul, „nicht nur an den Schnittstellen am Ende der Klassen 6 und 10 und nicht nur am Ende des Schuljahrs”. Bereits im vergangenen Schuljahr wechselten 40 junge Leute innerhalb des Verbands die Schule.

Und die Durchlässigkeit funktioniere sogar für Schüler, die als „Seiteneinsteiger” und in der Regel ohne Deutschkenntnisse aus dem Ausland zuziehen, berichtete Paul im Pressegespräch vor dem Infoabend. Die Hauptschule Aretzstraße nimmt im Schnitt jedes Jahr 40 solcher Schüler auf und integriert sie in Sprache und Schulsystem. Paul berichtet von einem 15-Jährigen, der mit seiner Familie aus Polen nach Aachen gekommen ist. Er hat in einem halben Jahr so viel Deutsch gelernt, dass er im Januar 2011 für ein dreiwöchiges Hospitationspraktikum an die Hugo-Junkers-Realschule wechseln kann.

Mit Leben erfüllt wird der Schulverband auch durch viele gemeinsame Unterrichtsveranstaltungen. Manfred Paul nannte den Übergangskurs für die Zehntklässler, die in die Oberstufe des Gymnasiums wechseln wollen. Oder den Bildungsnachmittag am Freitag: 150 Fünft- und Sechstklässler nutzen derzeit 16 Angebote. „Die Kinder sollen sich ja kennenlernen.”

Noch im November werden die sechsten Klassen aller drei Schulen identische Klassenarbeiten in Deutsch, Mathematik und Englisch schreiben. „Wir wollen sehen, wo wir stehen”, erklärt Paul. Im Dezember gehen die ersten „Lernhelfer”, Oberstufenschüler von Geschwister Scholl, an der Aretzstraße an den Start. Hocherfreut ist man über die neue Partnerschaft mit dem Nachwuchsleistungszentrum der Alemannia.

Grüße von Schulministerin Sylvia Löhrmann überbrachte Reinhold Heimer, Ministerialrat im Schulministerium. Eine solche Zusammenarbeit zwischen drei Schulen und drei Schulformen sei keineswegs selbstverständlich, betonte er: „Sie in Aachen müssen diese Idee nun mit Leben füllen.” Aachens Schuldezernent Wolfgang Rombey würdigte den Schulverband als „ein Stück Sozialraumentwicklung im Ostviertel”.

Und wer wissen wollte, wie der Alltag im Schulverband so läuft, der hatte nach den Vorträgen Gelegenheit, mit Schülern ins Gespräch zu kommen. Ewgenia Neufeld und Cansu Kanak sind zum neuen Schuljahr von der Hugo-Junkers-Realschule in die Oberstufe an der Stolberger Straße gewechselt, trotz aller Vorbereitung „mit einem mulmigen Gefühl im Bauch”, wie die jungen Frauen gestehen. „Aber die individuelle Förderung klappt.”

Eyüp Arslan und Saman Shikho, früher ebenfalls Realschüler an der Peliserkerstraße, sind schon ein Jahr länger dabei. Die beiden Zwölftklässler - Leistungskurs Biologie und Deutsch - outen sich als große Fans der deutschen Literatur. Die jungen Männer wollen anderen Mut machen, sich den Schritt in Richtung Abitur zuzutrauen: „Motiviert bleiben! Auch wenn es anfangs schwierig ist.”

„Modellprojekt mit Potenzial weit über die Stadt hinaus”

Die Zeit läuft für das große Experiment im Ostviertel. In seiner Erprobungsphase, die Ende August begann, hat der Schulverband

Aachen Ost einen fünfjährigen Bestandsschutz. Bis Ende 2012 wird das Projekt zudem wissenschaftlich begleitet. Professor Marold Wosnitza, Institut für Erziehungswissenschaft der RWTH, übernimmt die Evaluation.

Er und sein Team werden Daten sammeln, Gespräche mit Lehrern, Schülern und Eltern führen. Den Akteuren verspricht Wosnitza regelmäßige Zwischenberichte. Darauf warten die Kollegien der drei Schulen mit Spannung. Sie erhoffen sich wertvolle Hilfestellung durch die wissenschaftliche Begleitforschung.

Den Erziehungswissenschaftler interessiert besonders die Kombination aus Förderung und Durchlässigkeit, die hier ausprobiert werde. „Das wollen wir wissenchaftlich überprüfen.” Er persönlich, gesteht Wosnitza, halte den Schulverband für ein „Modellprojekt mit Potenzial weit über die Stadt hinaus”.


Auf die Ergebnisse aus Aachen wartet auch die Stiftung Mercator, Essen, die wissenschaftliche Begleitforschung mit 45.000 Euro unterstützt. „Integration ist eins unserer strategischen Ziele”, erklärte Projektmanagerin Dr. Sabine Cofalla in Aachen. „Integration bedeutet Chancengleichkeit. Und die lässt sich an Schulabschlüssen ablösen.” Cofalla ist überzeugt: „Dieses Projekt kann Modell sein für andere Regionen.”

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