Aachen - Der Schulverband kriegt gute Noten

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Der Schulverband kriegt gute Noten

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Gute Noten gibt es nach einem Jahr Praxistest für das Modellprojekt im Schulverband Aachen-Ost.

Prof. Marold Wosnitza von der RWTH, der die wissenschaftliche Begleitforschung zum Modellprojekt liefert, spricht von einem „hochinteressanten und spannenden” Projekt mit „unglaublich viel Potenzial”. Weil noch mehr drin ist für das ehrgeizige Unternehmen, empfiehlt der Erziehungswissenschaftler ausdrücklich mehr Unterstützung: In seiner Bilanz vor dem Schulausschuss schlug er vor, einen Koordinator zu installieren.

Auch die drei beteiligten Schulen, die Hauptschule Aretzstraße, die Hugo-Junkers-Realschule und das Geschwister-Scholl-Gymnasium, wünschen sich so einen Koordinator. Denn es kostet enorm viel Energie und Zeit, drei Schulen und drei Schulformen miteinander zu vernetzen. Jedem mittelständischen Unternehmen, das in einen Verbund startet, würde man ganz selbstverständlich einen solchen Koordinator zur Seite stellen, hieß es dazu in der Bilanz des Wissenschaftlers. Schulen dagegen müssten solche Projekte immer aus der eigenen Kraftreserve stemmen.

Das Ziel der neuartigen Zusammenarbeit im Aachener Ostviertel ist ehrgeizig. Die drei Schulen wollen sich untereinander so vernetzen, dass Schulwechsel in alle Richtungen und jederzeit grundsätzlich möglich sind. Jedem einzelnen Kind wollen die drei Schulen durch passgenaue Förderung und intensive Begleitung den bestmöglichen Bildungsweg eröffnen.

Gewechselt wurde tatsächlich reichlich im abgelaufenen Schuljahr. 89 junge Leute haben im ersten Jahr des Schulverbands die Systeme gewechselt, davon gingen 65 „aufsteigend” in die nächsthöhere Schulform. „Wir hatten uns vorgenommen, den Wechsel verstärkt zu ermöglichen, und das zeichnet uns aus”, kommentierte Manfred Paul, Schulleiter an der Aretzstraße und Sprecher des Schulverbands, sehr zufrieden im Schulausschuss. In der Oberstufe des Geschwister-Scholl-Gymnasiums macht sich die neue Zusammenarbeit besonders deutlich bemerkbar. Für die Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe sind aktuell 45 junge Leute von anderen Schulen angemeldet. 32 von ihnen kommen von der Aretzstraße oder der Hugo-Junkers-Realschule. Zum Vergleich: In den Zeiten vor dem Schulverband lag die Zahl der Seiteneinsteiger in die Oberstufe im Schnitt bei 15 bis 18, erklärt Schulleiter Klaus Becker. Allerdings sind sich die Vertreter der drei Schulen auch einig, dass die Begleitung der Wechsler noch verstärkt werden sollte, damit die Schullaufbahn gelingt. Für die fünften Klassen verzeichnet die Aretzstraße aktuell 36 Neulinge, die Hugo-Junkers-Realschule 79, das Geschwister-Scholl-Gymnasium 56. „Mit diesen Zahlen brauchen wir uns nicht zu verstecken”, kommentierte Manfred Paul. „Wir sind auf dem richtigen Weg.”

Erfolgreicher Bildungsnachmittag

Neben einer intensiven Förderung und engmaschiger Begleitung beim Wechsel hat der Schulverband noch weitere Eisen im Feuer. Stolz sind die Schulen zum Beispiel auf ihre „Lernhelfer”, Gymnasiasten, die in einem Schuljahr 320 Stunden Förderung mit den Fünft- und Sechstklässlern an der Aretzstraße geleistet haben. Und der Bildungsnachmittag am Freitag konnte mit 16 Kursangeboten auftrumpfen. Für die Schüler der Aretzstraße ist dieser Bildungsnachmittag Pflicht. Aber auch 58 Prozent der Realschüler und 61 Prozent der Gymnasiasten nutzen die Angebote freiwillig. Diese gemeinsamen Kurse sind wichtig, sagt auch Manfred Paul, „denn die Schüler haben die größten Berührungsängste”.

Marold Wosnitza und sein Team werden das Modellprojekt noch ein weiteres Jahr wissenschaftlich begleiten. Insgesamt ist die Versuchsphase des Schulverbands auf fünf Jahre angelegt.

Die beteiligten Schulen arbeiten schon an neuen Modellen der Zusammenarbeit. So soll es für Schüler, die aus dem Ausland nach Aachen ziehen, künftig möglich sein, das Gymnasium zu besuchen, aber als „Gastschüler” das etablierte Förderprogramm der Hauptschule zu nutzen.

Wie der dringend gewünschte Koordinator für den Schulverband finanziert werden könnte, ist indes noch völlig offen.
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