Aachen - Der Schaden am alten Tivoli ist beträchtlich

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Der Schaden am alten Tivoli ist beträchtlich

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
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Nach diesem Entwurf sollen die Reihenhäuser am alten Tivoli errichtet werden. Das dazugehörige Grundstück können Käufer jedoch auch ohne Architektenvertrag erwerben. Foto: Grafik: Stadt Aachen

Aachen. Der Ärger um die dubiose Vergabepraxis der Reihenhausgrundstücke am alten Tivoligelände reißt nicht ab. Nun melden sich auch Bauherren, die sich durch Fehlinformationen der Stadt um viel Geld gebracht fühlen. Einige behaupten, ihnen seien durch falsche Auskünfte Mehrkosten von mehr als 20.000 Euro entstanden.

So hat sich unter anderem ein Architekt zum Kauf eines Doppelhausgrundstücks entschlossen, nachdem ihm erklärt worden sei, dass die Reihenhäuser von einem „Bauträger“ errichtet werden und er keine eigenen Planungen vornehmen könne.

Gewundert habe er sich schon damals über die Auskunft. Auf den Gedanken, dass die Stadt am alten Tivoli möglicherweise rechtswidrige Geschäfte in Zusammenarbeit mit einer Architektengemeinschaft abwickle, ist er hingegen nicht gekommen.

Die Folgen sind für ihn gleichwohl schwerwiegend: Denn während der Familienvater beim Kauf eines Reihenhausgrundstücks mit einem Familienrabatt von 105 Euro pro Quadratmeter hätte rechnen können, musste er für das Grundstück seiner Doppelhaushälfte nun den vollen Preis von 410 Euro pro Quadratmeter bezahlen.

Da das Grundstück auch noch deutlich größer ist, hat die Familie gut 23.000 Euro mehr bezahlen müssen, als zunächst beabsichtigt. Der Ärger ist jetzt entsprechend groß. Noch überlegt er, ob eine Klage gegen die Stadt wegen des entstandenen Schadens aussichtsreich sein könnte. Denkbar sei auch, dass er sich mit Leidensgenossen zusammentut, um gemeinsam gegen die Stadt vorzugehen.

Auch SPD-Ratsherr Michael Servos fürchtet, dass vor allem junge Familien durch das enge Zusammengehen des Fachbereichs Immobilienmanagement mit einer bestimmten Architektengemeinschaft den Nachteil hatten. Mag auch die Stadt offiziell bestreiten, dass es beim Verkauf der Reihenhausgrundstücke eine – widerrechtliche – Architektenbindung gebe, so hält Servos den Vorwurf durch den in den „Nachrichten“ auszugsweise veröffentlichten E-Mail-Verkehr bereits für hinreichend belegt. Servos fürchtet, dass die Architektenbindung höhere Preise zur Folge hat.

Unter 400.000 Euro ist nach derzeitigem Stand am alten Tivoli ein Reihenhaus jedenfalls kaum zu kriegen. Das seien Südviertel-Preise, meinen Kritiker. Doch von künstlicher Verteuerung will der Projektleiter der Architektengemeinschaft nichts wissen. „Wir haben eine reine Weste“, sagte er am Donnerstag. Der Reihenhausentwurf seines Büros sei in einem öffentlichen Verfahren ausgewählt worden. „Da wurde nicht gemauschelt“, betont er.

Vorwürfe, die Honorarsatzung zu sehr auszureizen und die sonst üblichen Abschläge für Bauwiederholungen nicht zu gewähren, weist er zurück. Die Planungskosten seien pauschaliert, sagt er, konkrete Zahlen will er hingegen nicht nennen.

Klärendes Gespräch

Noch ist offen, nach welchem Verfahren die Stadt die noch freien Reihenhausgrundstücke an der Krefelder Straße künftig vergeben wird. Auch die Architektengemeinschaft, die vor gut einem Jahr den Zuschlag für ihre Entwürfe erhalten hat, wartet noch auf ein klärendes Gespräch mit der Stadt. „Wir erfahren im Moment alles nur aus der Zeitung“, sagt der Projektleiter. Den wirtschaftlichen Schaden für sein Büro schätzt er jedoch auch als „beträchtlich“ ein. Denn denkbar ist, dass künftig andere Architekten nach diesen Entwürfen planen und bauen.

Unterdessen zeigt sich der Herzogenrather Architekt Josef Engelen noch im Nachhinein verwundert über den Entwurfswettbewerb für den alten Tivoli. Denn wäre es nach dem Fachbereich Stadtentwicklung gegangen, würde heute Engelens Entwurf verwirklicht. Stattdessen aber sprachen sich in der entscheidenden Sitzung des Planungsausschusses im November 2012 CDU und Grüne gegen das Votum von SPD, FDP und Linken für die nun tätige Aachener Architektengemeinschaft mit Sitz in der Königstraße aus.

„Das war eine rein stadtplanerische Entscheidung“, erinnert sich Grünen-Planungspolitiker Michael Rau. Das Architektenbüro kenne er gar nicht. Und ohnehin sei er genau wie seine CDU-Kollegin Maike Schlick davon ausgegangen, dass der ausgewählte Entwurf anschließend von einem Bauträger umgesetzt werde.

Warum die Stadt einen anderen Weg gewählt hat, ist nun auch eine Frage, die die Architektenkammer NRW interessiert. Der Sachverhalt werde noch geprüft, teilte am Donnerstag Sprecher Christof Rose mit. Derweil bekräftigt die Aachener Architektengemeinschaft, sich in aller Form gegen Korruptionsvorwürfe zu erwehren.

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