Der „Route” geht das Geld aus

Von: Gerald Eimer
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Das alte Verwaltungsgebäude am Katschhof wird derzeit zum „Centre Charlemagne” umgebaut. Weil der Bund die Städtebaufördermittel deutlich gekürzt hat und die künftigen Personalkosten noch ungeklärt sind, könnte dies bereits die letzte Station sein, die als Beitrag zur „Route Charlemagne” gebaut wird. Foto: Harald Krömer

Aachen. Der Zeitraum ist überschaubar, doch die Veränderungen werden beachtlich sein: „Im Jahr 2014 wird sich Aachen ganz neu präsentieren”, ist Kulturdezernent Wolfgang Rombey überzeugt. Zwei weitere Stationen der Route Charlemagne sollen bis dahin längst ihre Zugkraft unter Beweis gestellt haben.

Und die Großveranstaltungen rund um den 1200. Todestag Karls des Großen sollen weiteren Glanz in die „Kulturstadt Aachen” bringen. Es könnte alles so schön sein, wären da nicht die Geldprobleme.

Denn noch ist längst nicht ausgemacht, ob die Ausstellungen zum Karlsgedenken in der gewünschten Qualität und Dimension wirklich gestemmt werden können. Fraglicher denn je ist auch, ob die Route Charlemagne jemals den einst erhofften Umfang annehmen wird. Nicht zuletzt wegen der erheblichen Kürzungen im Bereich der Städtebauförderung müsse das Projekt auf den Prüfstand gestellt werden, sagt SPD-Fraktionschef Karl Schultheis.

Zurückhaltender geben sich derweil noch die Kollegen von CDU und Grünen, doch auch dort kreisen die Gedanken bereits darum, dass nach Fertigstellung der Stationen Zeitungsmuseum (Eröffnung am 8. Juli) und Centre Charlemagne am Katschhof (Eröffnung um die Jahreswende 2012/13) erstmal Schluss mit den weiteren Planungen sein könnte.

Betreffen könnte dies dann bereits das Grashaus am Fischmarkt, das eigentlich zu einem Lernort für junge Leute - Stichwort „Europäisches Klassenzimmer” - umgebaut werden soll. Die Vorarbeiten dafür laufen, erklärt Olaf Müller, Leiter des Kultubetriebs, der nach derzeitigem Stand auch von der Umsetzung ausgeht. Doch politisch wird längst über die Notbremse nachgedacht. „Wir müssen uns einen Überblick verschaffen und sehen, wie wir es finanziert kriegen”, so Schultheis.

Bleibt es bei drei Stationen?

So deutet derzeit vieles darauf hin, dass die Route Charlemagne am Ende auf ihre Stationen Rathaus, Zeitungsmuseum und Centre Charlemagne beschränkt bleibt - was freilich nach Lage der Dinge immer noch sehenswürdig genug sein könnte.

Das Zeitungsmuseum mausert sich derzeit zu einem modernen Ausstellungsraum über die Mediengeschichte und der alte Verwaltungsbau am Katschhof wird zur zentralen stadthistorischen Anlaufstelle umgestaltet.

„Es ist ein Projekt, auf das Sie sich freuen können”, verspricht Rombey, der vor allem dem städtischen Charlemagne-Koordinator Thomas Müller für seine engagierte und akribische Vorarbeit dankt. Aktuell haben er und seine Kollegen bereits gut 1500 Exponate zusammengetragen, die in einer Dauerausstellung gezeigt werden könnten.

Hinzu kommt im Jahr 2014 dann auch die große Karls-Schau, die an Ausstellungs-Events wie „Krönungen” oder „Ex oriente” anknüpfen soll. „Das muss man mit Wucht machen”, meint FDP-Kulturpolitikerin Ruth Crumbach-Trommler, die einen entsprechenden Etat einfordert, andernfalls lieber gleich über einen Ausstieg debattieren würde.

Doch davon will vorerst niemand etwas wissen. 600.000 Euro hat die Stadt bereitgestellt, viele Wissenschaftler und ein Münsteraner Büro haben längst die Arbeit aufgenommen. Im Sommer soll das Ausstellungskonzept in einer Hochglanzbroschüre präsentiert werden, damit dann weitere Zuschüsse eingeworben werden können. Die Stadt hofft insbesondere auf Geldgeber aus der regionalen Wirtschaft. Die Summe von zwei Millionen Euro müsse man im Kopf haben, sagt Rombey.

Dafür soll dann die weltliche Alternative zur Heiligtumsfahrt 2014 präsentiert werden. Ausdrücklich erklärten die Politiker, dass eine unkritische Glorifizerung Karls des Großen nicht erwünscht sei. Kulturbetriebschef Olaf Müller versichert: „Die wirtschaftlichen und sozialen Hintergründe werden nach neuestem wissenschaftlichen Stand mitbedacht.”
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