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Der Rat will nur feiern im Zelt

Von: Alfred Stoffels
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Aachens Kommunalpolitiker zelten kürzer als geplant. Vom hochherzigen Vorschlag der Stadtgarde Oecher Penn, dem obdachlosen Rat für seine Sitzung am 18. Februar Asyl im großen Zelt auf dem Katschhof zu gewähren, zeigten sich die Fraktionen nur teilweise angetan.

Jetzt wird gesplittet: Die ernsthaften Punkte der Tagesordnung werden - bereits ab 14 Uhr - im S-Forum der Sparkasse abgehandelt, der närrische Teil beginnt um 18.11 Uhr zwischen Dom und Rathaus. Am Donnerstag machte der OB seine anders lautende Einladung vom Dienstag wieder rückgängig.

Am Rande der Hauptausschusssitzung am Mittwoch hatten CDU, SPD, Grüne und FDP dem OB verklart, dass sie keinen Spaß daran haben würden, Themen wie Kaiserplatz-Galerie, Aachen-Arkaden oder Internationale Gartenbauausstellung 2017 im Ambiente eines Karnevalszeltes zu beackern.

Insbesondere die Grünen konnten sich nicht damit anfreunden, ihre Wortbeiträge vor einem möglicherweise schon auf jeck gepolten Publikum anbringen zu müssen und drangen auf Verlegung der Verlegung - ursprünglich sollte die Ratssitzung in der Aula Carolina stattfinden (auch schon ein Ausweichort, denn der angestammte Saal im Rathaus wird derzeit renoviert).

In dem früheren Kirchenraum an der Pontstraße während des närrischen Teils über Tische und Bänke zu springen, war auch nicht nach jedermanns Geschmack, und so griff die Stadt zu, als die Penn sagte: Kommt doch zu uns ins Zelt.

Da gehen massenhaft Leute rein, und es wäre uns eine Ehre, dem Rat der Stadt aus der Bredouille zu helfen.

Doch - siehe oben - die Rechnung wurde offensichtlich ohne den Wirt gemacht: Die Politiker legten sich quer und überzeugten OB Jürgen Linden davon, dass zumindest die reguläre Tagesordnung in eine seriöse Umgebung gehöre. Das ist die Sparkasse ohne Zweifel.

In ganz großer Koalition hieß es bei den Parteien, die vorgesehenen Themen vertrügen es nicht, „auf dem Marktplatz” (Helmut Ludwig, Grüne) „zwischen Tag und Traum” (Angelika Weinkauf, SPD) absolviert zu werden.

Rot-Grün treibt auch die Angst um, dass irgendwelche Naseweise hinter der Zeltwand stehen könnten, um eventuell nichtöffentliche Diskussionen abzuhören.

Wie im Saloon?

Schwarz-Gelb ist zudem mit der Sorge behaftet, das vor 18.11 Uhr stattfindende Geschehen im Saal könnte wegen fortschreitenden Biergenusses der Zuschauer zu Auflösungserscheinungen im Publikum führen; zumindest sei nicht garantiert, dass den politischen Vorgängen unter dem Zeltdach mit hinreichender Aufmerksamkeit gefolgt werde.

Daher, so FDP-Fraktionschef Wilhelm Helg, sei seine erste Reaktion auf die Zelt-Idee gewesen: „Das darf doch nicht wahr sein.”

Auch CDU-Fraktionsvorsitzender Harald Baal wird eher unfroh bei der Vorstellung, „dass der kleine Rat in einem 1000-Mann-Zelt tagt, wichtige Themen erörtert, und hinten stehen die Leute an der Theke”.

Man könne ja auch schlecht ein Schild raushängen mit der Aufschrift: „Während der Sitzung werden keine alkoholischen Getränke verabreicht”, das erinnere doch zu sehr an den Wilden Westen, wenn im Saloon vorübergehend der Friedensrichter tagte.

Laut Baal ist die Sitzung am Vorabend von Fettdonnerstag einfach zu wichtig und gehaltvoll, um sie im Festzelt über die Bühne gehen zu lassen. Der Christdemokrat: „Wenn wir nur 95 Fluchtlinienpläne im Schweinsgalopp absegnen müssten, wäre das alles kein Problem”.
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