Der Pfarrer schwärmt vom Sprengel

Von: Georg Dünnwald
Letzte Aktualisierung:
6839918.jpg
Seit sieben Jahren ist Markus Frohn Pfarrer der Ostviertelgemeinde St. Josef und Fronleichnam. Er hat sich klar für das Ostviertel entschieden: „Für mich war das eine Herausforderung, in diesem Quartier zu arbeiten.“ Der Geistliche liebt sein Viertel: „Hier ist es einfach schön.“ Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Als ich vor sieben Jahren als Dürener Jugendpfarrer wechseln und eine Gemeinde übernehmen sollte, konnte ich unter einigen Pfarreien aussuchen, in welcher ich der Pfarrer werden wollte“, erzählt Markus Frohn. Der Geistliche entschied sich schließlich für die Ostviertelpfarre St. Josef und Fronleichnam.

Ausschlaggebend für den heute 45-Jährigen war die gute Arbeit, die die Mitarbeiter vor Ort machten, und auch die vielen Menschen unterschiedlicher Herkunft, die dort leben. Denn schließlich sei die römisch-katholische Gesamtkirche mit ihren rund 1,2 Milliarden Mitgliedern ebenfalls sehr heterogen geprägt.

Im Gespräch mit seinen pastoralen Mitarbeitern, dem Diakon Rolf Berard und dem Gemeindereferenten Josef Gerets, hörte Frohn, dass die Menschen, die im Ostviertel leben, einen herzlichen Umgang miteinander pflegen. „Das hat sich bestätigt. Sicher, es gibt mal hin und wieder Knies, aber der kommt ja in den besten Familien vor“, weiß der Pfarrer.

Pfarrer Frohn schwärmt geradezu von den Menschen im Ostviertel. „Die Gastfreundschaft der Leute ist phänomenal. Nicht nur unter uns Katholiken, auch die Mitglieder anderer Religion, beispielsweise der Muslime, sind äußerst gastfreundlich und zuvorkommend“, kommentiert er. Beispielsweise sei der Imam der Yunus-Emre-Moschee, Dr. Mustafa Necati-Baris, zur Christmette in die Pfarrkirche St. Fronleichnam gekommen und habe Süßigkeiten mitgebracht, die er am Altar abgestellt habe. „Die waren für die Kinder und ärmere Gemeindemitglieder bestimmt.“ Frohn durfte beim Opferfest der muslimischen Gemeinde ebenfalls sprechen, erinnert sich der Geistliche erfreut. „Die Zusammenarbeit zwischen den christlichen Sprengeln und der muslimischen Gemeinde klappt jedenfalls “, stellt Frohn fest.

„Sicher, ich weiß, dass im Ostviertel sich einige Menschen nicht an die Spielregeln halten, aber das ist die Minderheit“, betont der Priester. Er kann zwar nachvollziehen, dass einige, vor allem ältere Menschen, Angst im Viertel hätten, aber die sei unbegründet. „Ich bewege mich ohne Angst im Ostviertel und habe auch noch nie eine angsterregende Situation erlebt“, sagt er. Es gebe auch andere Stadtteile, in denen nicht alles mit rechten Dingen zugehe. „Mir fällt auf, dass das Ostviertel um so größer wird, je schlimmer oder spektakulärer die Tat eines Einzelnen ist. Da gehört plötzlich der Kaiserplatz genau so zum Ostviertel wie die Jülicher Straße. Das ist doch nicht richtig“, findet Frohn.

Allerdings habe die Polizei ihre Pflichten und auch ihre Rechte. Ihr gehöre das Gewaltmonopol. „Mir steht es nicht zu, zu entscheiden, ob ein Polizist richtig reagiert hat. Ich war schließlich nicht dabei und kenne die Geschichte nur aus zweiter Hand“, bewertet er die Tatsache, dass ein Ordnungshüter, der einen Haftbefehl ausführen wollte, von jungen Menschen aus dem Ostviertel durch die Straßen gejagt wurde und die zur Hilfe gerufenen Kollegen sich auf Entscheidung eines Vorgesetzten zurückzogen.

Ausgleichend eingreifen

Der Pfarrer von St. Josef und Fronleichnam würde sich freuen, wenn Polizeipräsident Klaus Oelze das Gesprächsangebot des Jugendbüros der Offenen Tür Josefshaus im Kirberichshofer Weg annehmen würde. „Über Probleme zu sprechen, ist immer gut“, ist seine Meinung. Er gibt zu bedenken, dass in der Gemeinschaft der Gemeinden Aachen-Ost/Eilendorf mit den Pfarrgemeinden St. Josef und Fronleichnam, St. Barbara in Rothe Erde, St. Severin und St. Apollonia in Eilendorf Kindern und Jugendlichen ein breites Angebot offeriert wird. „Wir bieten das Josefshaus an und in Rothe Erde das Kinder- und Jugendhaus St. Barbara. Diese Jugendeinrichtungen hätten großen Zulauf, „da fragen wir nicht nach der Herkunft oder der Religion der jungen Menschen“.

Gerade Richard Okon, der Leiter des Josefshauses am Kirberichshofer Weg, setzte sich sehr ein und bekomme auch eine Menge mit. „Er kennt seine Pappenheimer und kann ausgleichend eingreifen.“ Okon genieße sein volles Vertrauen.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert