Aachen - Der OB trägt ein „Stückchen Mitschuld” am neuen Tivoli

Der OB trägt ein „Stückchen Mitschuld” am neuen Tivoli

Von: Achim Kaiser
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Historischer Meilenstein für die Alemannia und die Stadt: OB Jürgen Linden freut sich über das gelungene Stadionprojekt, das ihm in der Vergangenheit auch einige schlaflose Nächte bereitet hatte. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Nicht zuletzt dank der Beharrlichkeit und des Engagements von Oberbürgermeister Jürgen Linden ist der neue Tivoli auf städtischem Boden und nicht auf Merzbrück errichtet worden. 50 Millionen Euro lässt die Alemannia in die Arena fließen, elf Millionen schießt die Stadt für das Umfeld und den Flächenerwerb zu.

Für den 62-Jährigen ist das gelungene Stadionprojekt der krönende Abschluss seiner im Oktober endenden Amtsperiode als erster Bürger der Stadt.

Wissen Sie schon, wo Sie am kommenden Montag beim Auftakt im neuen Stadion gegen den FC St. Pauli sitzen?

Linden: Nein, ich habe zwei feste Plätze für mich und meine Frau reserviert, ich bin mal gespannt.

Sie haben sich als Oberbürgermeister besonders dafür stark gemacht, dass der neue Tivoli in Aachen bleibt. Es hat sich gelohnt.

Linden: Ich denke auch. Merzbrück wäre keine Alternative gewesen. Das Stadion der Alemannia gehört in die Stadt. Viele Fans kommen zu Fuß zum Tivoli und gehen nach den Spielen in die Pontstraße. Die neue Arena macht vom Baulichen her großen Eindruck. Mit so einem Stadion muss man sich einfach identifizieren.

Die Stimmen der Kritiker scheinen fast verstummt.

Linden: Ich freue mich, dass die Alemannia und die Stadt von vielen Seiten nur Lob hören.

Wie ordnen Sie dieses Projekt im Rahmen Ihrer Amtszeit als Oberbürgermeister ein?

Linden: Es war schon ein Projekt mit sehr vielen Emotionen, das auch unter enormem Druck stand. Der Termin der Fertigstellung stand ja lange fest. Es durfte also keinerlei Verzögerungen geben.

Hat Ihnen der Stadionneubau auch schlaflose Nächte bereitet?

Linden: Es waren einige, denn das Projekt war sicher die größte und schwierigste Baustelle während meiner Amtszeit.

Warum?

Linden: Es gab so viele heiße Phasen, vor allem zu Beginn, als wir alle Nachbarn unter einen Hut gebracht haben. Wir mussten vermitteln, dass die Alemannia und der neue Tivoli von höherrangigem städtischen Interesse ist.

Gab es auch Momente, wo Sie gezweifelt haben?

Linden: Wir hatten dicke Knoten zu lösen. Zwei Kleingartenvereine mussten verlegt werden, mit dem PTSV, AHTC und ALRV mussten Flächenarrangements getroffen werden. Es gab zudem einen laufenden Vertrag mit einem benachbarten Restaurateur - und bei allen Fragen spielte der Lärm- und Nachbarschutz eine große Rolle. Ich schätze, dass wir rund 150 Stunden verhandelt haben.

Wieviele Stunden waren Sie mit dabei?

Linden: Ich habe alle Verhandlungen selbst geführt, weil ich die Beteiligten kannte und hoffte, so Vertrauen vermitteln zu können.

Was waren weitere Knackpunkte?

Linden: Die Landesbürgschaft und die Finanzierung. Für die Landesbürgschaft haben die Alemannia GmbH, die von ihr beauftragten Experten und wir Politiker unendlich viele Gespräche in Düsseldorf geführt.

Bei der Finanzierung gab es viele Anbieter und harte Bedingungen. Ich bin überzeugt, dass persönliches Vertrauen auch hier den Ausschlag gab, dass der Hauptsponsor maßgeblich eingebunden und die Kalkulation gesichert werden konnte.

Schließlich kam während des Baus aus dem Nichts das Problem des Parkhauses. Dank des Einsatzes der vier Fraktionen im Rat, der Fachleute in der Verwaltung und der Alemannia konnte aber auch dieses Problem gelöst werden. In diesen Tagen schließlich gelang es der GmbH, die Finanzierungskonditionen noch einmal zu verbessern, wovon allein der Lizenzspielerbereich mit einer Million Euro mehr profitiert.

Sie sind ja nicht nur Oberbürgermeister, sondern auch Aufsichtsratsvorsitzender der Alemannia. Gab es mal einen Interessenskonflikt?

Linden: Nein, die Interessen von Stadt und Alemannia Aachen sind identisch. Alemannia ist ein wichtiger Standortfaktor, eine wirtschaftliche Größe und ein geradezu unbezahlbarer Werbeträger für die Stadt.

Das neue Stadion ist ein historischer Meilenstein für Stadt und Verein. Es ist zudem die erste große positive Bestätigung, dass die Gründung der Alemannia GmbH sich gelohnt hat. Durch das Stadion bleibt Alemannia wettbewerbsfähig im deutschen Fußball und wird sich aufgrund verbesserter Einnahmen endlich auch sportlich verbessern. Ziel ist jetzt, dass wir um den Aufstieg mitspielen.

Damit klingt Ihre Amtszeit als OB mit einem Paukenschlag aus.

Linden: Zweifellos ist es ein wunderbarer Ausklang. Es ist neben vielen Neubauten eines der ganz großen sichtbaren Projekte. Aber das Stadion hat viele Väter: die Alemannia GmbH mit Frithjof Kraemer, Stephan van der Kooi und der Marketingabteilung, der Bauunternehmer Hellmich sowie die Politik und die Verwaltung. Gerne übernehme auch ich ein Stückchen Mitschuld.
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