„Der Mann, der die Welt aß“: Ein Theaterstück aus dem echten Leben

Von: Grit Schorn
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Eine spannende und sehr aktuelle Geschichte: Inge Zeppenfeld (Dramaturgie) und Roland Hüve (Inszenierung) bringen Stockmanns „Der Mann der die Welt aß“ auf die Bühne des Mörgens. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Schon der Titel „Der Mann der die Welt aß“ lässt aufhorchen. Ebenso wie der Name des vielseitigen Autors Nis-Momme Stockmann, der – 1981 in Wyk auf Föhr geboren – zur dänischen Minderheit von Schleswig-Holstein gehört. Stockmann lernte Koch, studierte Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin und arbeitet auch als Medienwissenschaftler mit verschiedenen Künstlern zusammen.

Sein Stück „Der Mann der die Welt aß“ wurde 2009 in Heidelberg uraufgeführt und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Seit 2009/2010 ist er Hausautor am Schauspiel Frankfurt. Inszenierung und Bühnenausstattung liegen in den Händen von Roland Hüve, der auch als Studioregisseur, Autor, Übersetzer und Musiker tätig ist. In Aachen hatte er mit dem Jugenddrama „Hier kommen wir nicht lebendig raus. Versuch einer Heldin“ einen höchst erfolgreichen Regie-Einstand gegeben. In der vergangenen Spielzeit begeisterte er mit Jelineks kurios-vertrackten „Präsidentinnen“ die Zuschauer in der Kammer.

Das Drama vom Welt essenden Mann führt laut Hüve direkt ins „Dickicht einer Gesellschaft zwischen Pflicht und Neigung“. Die Person des namenlosen Sohnes, der aus Job und Familie ausgestiegen ist, ist eine sehr heutige Figur und kann sich kaum entscheiden zwischen Freiheit und Verantwortung. Der dement werdende Vater, der sich immer häufiger im Kleiderschrank versteckt, macht mehr und mehr Probleme, ebenso der Bruder, der ständig anruft, und selbst Freund Ulf, der dem Namenlosen plötzlich nicht mehr finanziell unter die Arme greifen will, sorgt für Stress…

„Alltagsgeschehen und kleine vertrackte Notlügen“ führen laut Hüve unmittelbar ins heutige Leben vieler Menschen. Die Rolle des Sohnes spielt Philipp Manuel Rothkopf, Rainer Krause verkörpert den Vater, außerdem treten auf Bettina Scheuritzel, Neuzugang Florian Denk und Oliver Matthiae in einer Gastrolle.

Wenn alle Ressourcen buchstäblich „aufgegessen“ sind, ist die Hilfsbereitschaft „irgendwann verbraucht“, betont Regisseur Hüve, der diese gesellschaftlichen Verwerfungen „sehr sehr spannend“ findet. Inge Zeppenfeld, Dramaturgin und Spielleiterin am Theater Aachen, sieht in Stockmanns Stück sogar Parallelen zur Arthur Millers Drama „Der Tod des Handlungsreisenden“, in dem der arbeitslose Vertreter Willy Loman keinen Ausweg mehr als seinen Freitod sieht. „Fast wie bei einem Alzheimer-Patienten verengt sich alles für Loman, ähnlich wie hier beim Vater der Hauptfigur.“

Hüve und Zeppenfeld waren übrigens sehr vom positiven Feedback, die es bei der Kostprobe des Stücks von den Zuschauern gab, beeindruckt: „So etwas ist für uns sehr wertvoll und anregend.“

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