Der letzte Rest vom Alten Tivoli soll bleiben

Von: Holger Richter
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Die Initiative „Kulturgut Tivoli erhalten“ hat den linken Treppenaufgang zum Würselener Wall bereits gereinigt. Foto: Harald Krömer
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Auf dem rechten Treppenaufgang zum Würselener Wall wuchert (noch) eine üppige Stadionflora. Hier soll ein Erinnerungsort für Alemannia-Fans entstehen. Foto: Harald Krömer
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Impressionen von der Verschönerungsaktion. Foto: tivoli-erhalten.de

Aachen. Da, wo Reinhold Münzenberg, Michel Pfeiffer, Jupp Martinelli oder auch Stefan Lämmermann einst für die Alemannia dem Ball nachjagten, stehen längst Wohnhäuser. Der Alte Tivoli ist seit seinem Abriss, der im September 2011 begann, komplett verschwunden. Komplett? Nein, nicht ganz.

Denn den Aufgang zum Würselener Wall gibt es noch immer. Eine kleine Gruppe von Alemannia-Fans setzt sich nun dafür ein, dass die alten Treppenstufen auch langfristig überdauern.

„Der Tivoli ist das wohl größte Identifikationsmerkmal der Alemannia“, sagt Christoph Nießen. Er ist Sprecher der Initiative „Kulturgut Tivoli erhalten“, die eine entsprechende Kampagne erst Anfang August ins Leben gerufen hat.

Bis Sonntag hat sie schon knapp 1100 Unterschriften unter einer Online-Petition gesammelt sowie Unterstützungszusagen seitens der Alemannia, des Stadtsportbundes sowie von Fan-Clubs und Gruppierungen auch über die Region hinaus bekommen – darunter von der Fanszene Bonn, von vielen Anhängern von Roda Kerkrade und sogar aus Stockholm von den Ultras von Hammarby IF.

„Wir sind überwältigt von der aktuellen Resonanz, vor allem innerhalb dieser kurzen Zeitspanne“, sagt Nießen. Das zeige, dass die Initiative mit ihrem Vorhaben offenbar einen Nerv getroffen habe und auch Fußballfreunde über Aachen hinaus anspreche.

Bei der Petition geht es darum, das Kulturgut, das der Alte Tivoli respektive der Würselener Wall als letztes Überbleibsel des Stadions darstelle, zu erhalten. Der Alte Tivoli stehe sinnbildlich für die Eigenschaften, die den Verein über Jahre geprägt haben, heißt es seitens der Kampagne. Mit dem Abriss des Stadions sei es auch zum Verfall dieser Tugenden sowie zum sportlichen und finanziellen Abstieg des Vereins gekommen.

„Es ist uns wichtig, eben die Eigenschaften wieder aufleben zu lassen und sie innerhalb der Alemannia-Familie wieder mehr in den Fokus zu rücken“, erläutert Christoph Nießen. Als Erinnerung an eine glorreiche Zeit sei es wichtig, diese Möglichkeit zu nutzen und das Kulturgut Tivoli in Form des Würselener Walls zu erhalten.

Und das macht die Initiative, die aus der lange Zeit umstrittenen Karlsbande hervorgegangen ist, derzeit mit einer aktuellen Homepage, auf der sie für die Kampagne wirbt, der Online-Petition, Säuberungsaktionen am Treppenaufgang und viel Öffentlichkeitsarbeit. Ein Interview in der Online-Ausgabe des bundesweiten Fußball-Magazins „11 Freunde“ hat es bereits gegeben, ein sogenannter Szene-Treff wird vor dem Heimspiel der Alemannia gegen Rot-Weiß Oberhausen am Samstag, 2. September, um 11 Uhr an Ort und Stelle noch hinzukommen.

Konkret will die Initiative den Würselener Wall beziehungsweise die Treppen in ihrer jetzigen Form erhalten. Zudem soll der Bereich optisch aufgewertet und zu einem Anlaufpunkt für Alemannia-Fans werden. Auch die historische Würdigung solle hierbei nicht zu kurz kommen. „Hier soll kein Platz für Saufgelage von Jugendlichen entstehen“, sagt Nießen, „sondern ein Ort, wo alte und junge Alemannen in Erinnerungen schwelgen können.“ Geplant sind unter anderem Erinnerungstafeln, die an vergangene Tage und Spiele erinnern.

Mögliche Konflikte mit der Bebauung des Alten Tivolis sieht die Initiative nicht. Die geplanten Terrassenhäuser würden ja von der anderen Seite in den Wall gebaut, somit sei ein Abriss der Treppen nicht notwendig.

Über die üblichen Kreise hinaus

Die Initiative steht mit dem Amt für Denkmalpflege in Kontakt. Ob die Treppen aber tatsächlich als Denkmal anerkannt werden könnten, sei noch unklar, heißt es. Aber der Zuspruch, den die Initiative erhalte, mache Mut. Vor allem, weil er aus Teilen der Gesellschaft komme, so Nießen, die weit über die üblichen Kreise hinausgehen, „und auch aus Bereichen kommt, die uns und unseren Themen oftmals negativ gegenüberstehen“.

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