Aachen - Der Höhepunkt 2013: „Alles spitzenmäßig“

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Der Höhepunkt 2013: „Alles spitzenmäßig“

Von: Christopher Gerards
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Auch dieses Jahr waren wieder viele phantasievolle Kostüme im närrischen Lindwurm vertreten, hier die Eilendorfer Wanderpokale, die für besondere Begeisterung bei den Zuschauern sorgten. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Im vergangenen Jahr hat er 30 Tafeln Schokolade gefangen (und einen Teil gespendet) – jetzt geht die Beutejagd am Alten Fuchsbau weiter. Im ersten Stock über der inzwischen geschlossenen Kult-Karnevals-Kneipe nämlich. Da wohnt Raphael Kiesel, angehender Wirtschaftsingenieur im fünften Semester, der zum Aachener Rosenmontagszug ab 11.11 Uhr die Mit-Studenten eingeladen hat.

Und sich über die perfekte Position freut. Denn direkt vor Kiesels Wohnung am Adalbersteinweg rollt das Narren-Ensemble samt Prunkwagen – und lässt Klömpchere und Kamelle durch sieben große Fenster in Kiesels Zimmer hageln. Das war mal anders: „Im ersten Jahr habe ich an Rosenmontag noch mit Kommilitonen versucht, hier zu lernen“, erzählt Kiesel – doch er wurde von der tierischen Lautstärke vor dem Fuchsbau schwer gestört.

Diesmal also alles anders, kurz abschalten von der Klausurphase – der Hildesheimer mag den Aachener Karneval, diese Tradition, die Gemeinschaft. Kiesels gemütliche Privat-Feier, das ist eine der hübschen (Strecken-)Randgeschichten, die dem Aachener Rosenmontagszug seinen Charme verleihen. Weitgehend unpolitisch zwar ist der Zug, ja, aber voller kreativer Ideen, hübsch anzusehen.

Und trotz leichten Schneefalls: 200.000 Narren stehen, schätzt Zugleiter Günter Hintzen, am Montag an der Strecke zwischen Adalbersteinweg und Jakobstraße. Die Polizei hat etwas weniger Menschen gezählt (120.000), die dem Wetter trotzen – und sich die 4500 Narren anschauen, die bis 17 Uhr in 161 Fuß-, Wagen- und einigen Musikgruppen marschieren.

Da folgen Schlag auf Schlag Menschen mit Keulen, Hasen aus Haaren, extrem blaue, womöglich aber nüchterne Schlümpfe. Und da schwimmt die Venecia um Charlotte Ferber samt Gondel durchs kalte Nass in der Komphausbadstraße, da sind Cup Cakes aus Eilendorf, Live-Musik en masse und als Fritten mit Senf verkleidete Privatleute, die sich FFW Fast Food Würzer nennen. Das schmeckt den Zuschauern, klar.

Und den Teilnehmern? „Es sind zwar nicht so viele Leute wie im letzten Jahr. Aber die Stimmung ist trotzdem gut“, sagt etwa Marlies Junker von der Gruppe „At 40 Johr ömmer angesch jeck“; 40 Privatleute sind das, die – wie der Name offenbart – seit einiger Zeit den Rosenmontagszug in Angriff nehmen. Junker etwa, seit 1986 dabei, hat am Montag ihr ältestes Kostüm übergeworfen – bunt, Baujahr 1994, wie die Schminke im Gesicht verrät. Erfolgsformel für derart langes Bestehen? „Jeder bringt jeden mit, sogar Babys sind dabei.“

Mit dabei sind auch Pferde. Das war im letzten Jahr zwar genauso – doch verzichteten Prinzengarde und KK Oecher Storm auf Reitpferde, nur Kaltblüter nahm das KK mit. Denn ein vermeintlicher Tierschützer hatte gedroht, den Stall der Pferde anzuzünden. Zudem war das Veterinäramt der Städteregion auf angebliche Tierschutzverstöße hingewiesen worden – und zog deshalb die Zügel an.

Folge: Kontrollen vorm Abmarsch samt Blutproben bei zwei Pferden. Doch alles läuft nach einjährigem Training mit den nun wieder eingesetzten Reitpferden reibungslos. Ein glücklicher Kommandant Hans-Jürgen Begas nach dem Zug zu den „Nachrichten“: „Es war absolut spitzenmäßig, alles ist ruhig geblieben. Das Training hat sich ausgezahlt und die Reiter sind glücklich. Bombastisch.“

In den Arm

Dann liefert Thomas II. (Sieberichs) auf seinem Prinzenwagen das passende Schlussbild: Im Vorfeld hatte der Mann mit einer Bronchitis zu kämpfen, aber schmettert am Montag trotzdem das drei Mal „Oche Alaaf“ in die Theaterstraße. Einen mit Fangnetz bewaffneten Narren bedient der Hobby-Angler persönlich vom Wagen. „Danke Aachen“, ruft Thomas. Er lächelt, nimmt Adjutant Marcel Soltenborn in den Arm – ein schönes Bild.

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