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„Der Geschmack des Weltreichs“: Michael Kuhn stellt Kochbuch vor

Von: Eva Onkels
Letzte Aktualisierung:
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Geben Einblicke in römische Kochkünste: der Historiker und Autor Michael Kuhn (rechts) und Buchhändler Walter Vennen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Es müssen ja gar nicht Nachtigallenzungen und Pfaueneier sein – wobei ohnehin fraglich ist, ob solche Delikatessen tatsächlich auf dem Speiseplan der alten Römer standen. Wer aber mal speisen möchte wie zu Cäsars Zeiten und noch dazu erfahren will, was Mulsum oder Scriblata ist, sollte Michael Kuhns neues Buch „Der Geschmack des Weltreichs. Einführung in die römische Küche“ lesen.

Der Aachener Historiker und Autor zahlreicher Bücher über das römische Reich, hat darin eine Reihe einfach kochbarer und sehr schmackhafter Gerichte der römischen Küche zusammengestellt.

Im Vergleich zur heutigen italienischen, aber auch europäischen Küche im Allgemeinen, fällt auf: Es gibt keine Kartoffeln, keine Tomaten, kein Paprika, keinen Mais und einige andere Dinge, die aus der heutigen Küche nicht mehr wegzudenken sind. Amerika, wo die Kartoffel herkommt, war den Europäern noch unbekannt.

Dafür hatten die Römer florierende Handelsbeziehungen zum indischen Raum, woher sie unter anderem Zucker – ein Luxusgut – beziehen konnten. Viele Dinge, die heute als einheimisch betrachtet werden, Kirschen beispielsweise, stammen aus China und sind durch die Römer nach Europa gekommen.

Kuhns Buch ist in mehrere Teile unterteilt. Am Anfang stehen Rezepte fürs klassische römische Bauernfrühstück mit Brot. Es folgt ein Kapitel über die Tavernenküche – „Fast-Food gab es damals auch schon“, so Kuhn –, ein kurzer kulinarischer Ausflug in die Legionärsküche und zum Abschluss ein mehrgängiges, aber auch einfach zu kochendes Gastmahl.

Viele Ausgrabungen begleitet

Umrahmt werden die Rezepte von kleinen, zusammenhängenden Kurzgeschichten. „Damit ist das Buch auch ein literarisches Kochbuch“, meint Kuhn. Zusätzlich gibt es noch einige verständliche, kurze Informationen zur römischen Küche, nicht nur zu den Zutaten, sondern auch zu den genutzten Utensilien, wie beispielsweise der „Reibschale“, die „Küchenmaschine oder Allzweckwaffe“ der römischen Küche.

Drei Monate hat Kuhn an dem Buch gearbeitet. Er ist ein echter Kenner der römischen Geschichte und hat schon viele Ausgrabungen begleitet. Eine davon ist die Ausgrabung im Elisengarten gewesen.

Viele Informationen im Buch und auch die Rezepte stammen in Teilen aus dem bereits vorhandenen Wissensfundus. Schon seit Jahren kocht Kuhn römische Rezepte. Besonders häufig versuchte sich Kuhn an der Puls, der Polenta, die besonders bei den römischen Legionären sehr beliebt war und die es auch ins Buch geschafft hat. Dieses Gericht musste schon den Legionären gemundet haben, denn die Versuche, die Polenta als Hauptspeise der Soldaten abzulösen, scheiterten immer wieder.

Die Lieblingsgerichte von Kuhn aus dem Buch sind auch ganz einfach kochbar: Dazu gehört etwa die Sala Cattabia, pikantes Hühnerfleisch auf Brot. Im anderen Fall wird es deftig: Perna, Schinken im Teigmantel, nach einem Rezept, das aus einem Kochbuch des Apicitus stammt. Ob das Kochbuch von ihm selbst stammt, ist heute nicht mehr bekannt, aber es war eines, das von Profis für Profis geschrieben wurde.

Bei manchen Rezepten, nicht nur bei der Pizza-Vorläuferin Scriblita, kennt man die modernen Varianten aus der italienischen Küche, aber diese sollen hier nicht verraten werden. So viel sei noch gesagt: bei Mulsum handelt es sich um einen gewürzten Honigwein.

Michael Kuhns Buch „Der Geschmack des Weltreichs“ ist ab sofort im Buchhandel zum Preis von 19,90 Euro erhältlich. ISBN-Nr. 978-3-945025-60-4.

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