Aachen - Der Garten hinter Gittern ist zum Teilen da

Der Garten hinter Gittern ist zum Teilen da

Von: Martina Feldhaus
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Transportables Idyll mit Gemüse, Kräutern und Blumen: Künstler Michael Töpffer will seinen Gitter-Garten mit anderen teilen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Traumgärten. Dabei denken die meisten wohl an große, grüne Paradiese mit hohen Sträuchern, üppig tragenden Obstbäumen, einem Blumenmeer, Teichen, Terrassen, Rosenbögen und viel Platz zum Entspannen, Treffen und Toben. Bei Michael Toepffer wird man eines besseren belehrt.

Fernab gängiger Klischees und bürgerlicher Akkurat-Gärtnerei hat er seinen ganz persönlichen Traumgarten verwirklicht. Das – für Toepffer – besonders Traumhafte daran: Sein Garten gehört gar nicht ihm. Er will geteilt werden. Demnächst, irgendwo und von irgendwem.

Auf einer Fläche von gerade mal zweieinhalb mal zweieinhalb Metern und eingefasst in rostige Stahlgittermatten, die auf dem Bau zum Betonieren verwendet werden, hat er einen minimalistischen Garten-Balkon-Zwitter geschaffen. Auf Stellagen aus Stahl, die an Reißbrett und Computer geplant wurden, finden sich jede Menge kleine Töpfe, Gefäße und Kistchen mit Blumen, Kräutern und Gemüse. Buschbohnen und Radieschen findet man bei genauem Hinschauen, Tomaten sind dabei, Basilikum, Salbei, Lavendel und Enzian.

Kleine Verspieltheiten

Durchlaufen kann man die zweieinhalb Quadratmeter kaum, aber ein schmaler Steg aus Holzbohlen sorgt für sicheren Stand. Von dort lässt sich der Hals gut strecken und neigen, um jeden Winkel das Käfig-Gartens zu erkunden. Das lohnt sich. Denn man findet neben dem Grün auch kleine Verspieltheiten, oder Erinnerungen auf die dunkle deutsche Geschichte. Ein echter Ableger einer Birke aus Birkenau, die Toepffer von einem Künstler-Kollegen in Berlin erhalten hat. Schöne Kindheitserinnerungen dagegen weckt bei ihm ein kleiner König Babar. Auch ein Spielzeugauto gibt es. Den klischeebeladenen Gartenzwerg sucht man bei Michael Toepffer allerdings vergebens.

Alle Gegenstände stammen aus seinem privaten Fundus. Zufällig sind sie zusammengewürfelt worden und prägen so den persönlichen Charakter des Miniatur-Gartens. Ebenso wie die Pflanzen, die Toepffer zum Teil selbst gesät und gezüchtet oder als Ableger aus dem privaten Garten am Wohnhaus geholt hat. Und die tatsächlich gewachsen und gereift sind: „Gärtnerisch bin ich nicht so sehr bewandert. Aber es macht Spaß und ich bin froh, dass ich jetzt schon die ersten Bohnen ernten konnte“, sagt Michael Toepffer.

Bislang trägt das grüne, lebendige Kleinod eindeutig seine Handschrift. Die des Designers für Inneneinrichtung und Möbel aus Holz, Beton und Polyester, die des Künstlers Toepffer mit besonderem Faible für Plastik und Fotografie. Er arbeitet im ehemaligen Pferdeschlachthaus auf dem Gelände des Alten Schlachthofs an der Metzgerstraße, wo auch der Garten im Käfig jetzt steht. Dort hat er sich in den vergangen Jahren eine interessante Mischung aus Atelier und Werkstatt eingerichtet, teils mit Übrigbleibseln der ehemaligen Nutzung – Seilwinden an der Decke –, teils aber auch sehr modern. Die Spannung zwischen Alt und Neu liebt Toepffer. Ebenso wie das Thema Partizipation in der Kunst. Davon, sich eigenbrötlerisch zu verkriechen und mit anderen Künstler unter sich zu bleiben, hält er nichts.

Stattdessen knüpft er gerne interdisziplinäre Kontakte, stellt Aktionen auf die Beine. „Ich will die Menschen in meiner Umgebung mit einbinden in das, was ich tue. Ich will Kunst anfassbar machen, die Kommunikation fördern“, erklärt er. Das tut der gelernte Tischler unter anderem mit dem Team „c/o 5“, einem Zusammenschluss verschiedener Menschen der Kreativ-Branche wie Musik, Kunst, Design, Journalismus, Architektur und Grafik. Zusammen mit Kollegin Jana Walliser hat er im Frühjahr mit Menschen aus Aachen-Nord Sitzbänke gebaut, die sie später an selbst gewählten Orten aufstellen sollten. Von Bürgern für Bürger sozusagen.

Die Bänke standen später an der Jülicher Straße, Passstraße, am Lehmkülchen und an der Wurm. „‚c/o 5‘ will künstlerische Praktiken in angewandte Bereiche bringen, etwa in die Wirtschaft. Zum Beispiel beim Thema Stadtentwicklung können wir neue, andere Impulse geben“, sagt Toepffer.

Alles ist vorstellbar

Einen solchen Impuls erhofft er sich auch von seinem Garten im Stahlgitter-Rahmen. Denn den möchte er gerne bald loswerden. „Ich lade ein, ihn neu- und umzugestalten. Die Leute sollen mitmachen, ihre eigenen Vorstellungen reinbringen.“ Vorstellbar ist für Toepffer da alles – vermieten, verkaufen, übergeben.

Hauptsache, jemand kümmert sich darum, lässt etwas wachsen, entstehen, bringt sich ein und nimmt für sich etwas mit. Eine Bewirtschaftung an verschiedenen Stellen im öffentlichen Raum wäre möglich. Ebenso wie eine Kooperation mit einem Aachener Schrebergarten oder mit einem Aachener Unternehmen, das den Garten im Firmenhof hegt und pflegt.

Oder steht das Miniatur-Gärtchen bald vorm Aachener Quellenhof? Oder – spinnt Michael Toepffer es weiter – auf der Kölner Domplatte? Beim Ex-Papst Joseph Ratzinger in Altötting? Gar am Ground Zero Memorial in New York? Der Aachener Künstler ist für alles offen. Wer sich interessiert, Ideen oder Kontakte hat, kann sich bei ihm melden per E-Mail an info@mitokg.de. Erstmal genießt Toepffer aber die Sonne im Gesicht, wenn er auf einem Hocker inmitten des Mini-Gartens sitzt...

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