Aachen - Der „Filmstadt Aachen“ tut eine Produktionsfirma gut

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Der „Filmstadt Aachen“ tut eine Produktionsfirma gut

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Aachen. Trotz begeisterter Kritiken war es eine Überraschung, als „Zwei Leben“, der Film des in Aachen geborenen Regisseurs Georg Maas und der Aachener Produktionsfirma Zinnober, zur deutschen Einreichung für den „Auslands-Oscar“ gewählt wurde. Zinnober-Produzent Dieter Zeppenfeld sprach mit unserem Filmexperten Günter H. Jekubzik über Freuden und Fragen angesichts dieser großen Chance und Herausforderung.

Herr Zeppenfeld, haben Sie einen Smoking?

Zeppenfeld (lacht): Ich habe keinen und ich werde damit auch noch warten.

Träumt man auch als engagierter, unabhängiger Produzent überhaupt von einem Oscar?

Zeppenfeld: Man denkt ja immer über Festivalpreise nach. Aber Oscar ist ganz weit weg. Da hab ich nie dran gedacht - bis zu dem Zeitpunkt, als wir sagten, wir bewerben uns mal. Früher war das immer was für die großen amerikanischen Schauspieler und Filme.

Wo hat Sie die Nachricht von der Nominierung für „Zwei Leben“ erreicht?

Zeppenfeld: Ich war in der Bretagne im Urlaub, saß am Meer auf einer Klippe, mein Ko-Produzent Rudi Teichmann rief an und sagte: Wir sind’s. Danach bekam ich den ganzen Urlaub all die Gratulations-SMS und Mails.

Und was ist jetzt zu tun?

Zeppenfeld: Wir kriegten die Nachricht und wussten gar nichts. Dann haben wir bei „German Films“ (dem Verband für Export und Präsentation des deutschen Films, d. Red.) angerufen und gefragt: Was macht man jetzt, was kostet uns das, was müssen wir überhaupt tun? Wir haben sehr schnell erfahren, dass man eine Agentur in den USA haben muss. Als wir die kontaktiert haben, sagte man: „Ich hab den Film schon gesehen und bin ganz begeistert! Der Film hat Chancen!“

Wird Ihre Star Liv Ullmann die Kandidatur unterstützen?

Zeppenfeld: Liv lebt in den USA und kennt sehr viele Leute. Sie wird uns sicherlich bei der Arbeit, den Film bekannt zu machen, sehr unterstützen. Juliane Köhler, die ja nach „NeuFundLand“ (2003) das zweite Mal mit Georg Maas zusammen gearbeitet hat, ist auch was den Oscar angeht, ganz wichtig für uns: Sie spielte in Caroline Links Oscar-Film „Nirgendwo in Afrika“ und dann in Oliver Hirschbiegels nominierten „Der Untergang“, war also schon auf diesem Gebiet aktiv in Hollywood.

So ein Ereignis wirft doch sicher alle Planungen durcheinander?

Zeppenfeld: Mein persönliche sehr. Da kommt viel Arbeit auf uns zu für den Rest des Jahres. Das ist auch alles nicht so billig. Wobei das Fördersystem in Deutschland helfen wird, mit der Film- und Medienstiftung NRW, der Filmförderung Hamburg und German Films.

Wie weit reicht Ihre Zusammenarbeit mit Georg Maas zurück?

Zeppenfeld: Ich kannte ihn aber vor allem als Zivi in der Obdachlosen-Siedlung in Alsdorf. Als ich beim einstigen Sender „Kanal 4“ Anfang der 90er eine Doku-Schiene betreute, habe ich mich dann an ihn erinnert. Ich habe nach seinem Abschlussfilm „Atemnot“ seitdem alle seine Filme produziert, später auch bei „The Real World of Peter Gabriel“ (2009) und „The Buddha Walla“ zusammen Buch und Regie gemacht.

Wie kann man so lange mit jemandem zusammen arbeiten?

Zeppenfeld: Die Leute, die ich jenseits des Filmbusiness kennen lernte und dann erst mit ihnen in Sachen Film zu tun hatte, das hat eine besondere Qualität. Denn das ganze Geschäft ist ja auch etwas schwierig, da geht es ganz viel um Sieg und Niederlage, und Konkurrenz und Gehabe.

Obwohl „Zwei Leben“ eine internationale Koproduktion ist, machen auffällig viele Filmleute mit Bezug zu Aachen mit: Produktionsleiter Peter Kreutz, im Produktionsbüro Franka Charlotte Hils und Kerstin Steffens als Aufnahmeleiterin. Ist so ein Millionen-Projekt auch ein Wirtschaftsfaktor?

Zeppenfeld: Zinnober ist in Aachen gemeldet, also steuerlich spielt es hier eine Rolle. Und es bekommt der „Filmstadt Aachen“ auch gut, wenn hier eine Filmproduktion ist. Aber so richtig würde sich das nur lohnen, wenn hier gedreht worden wäre. Das war jedoch von der Location her nicht machbar.

Gibt es bei allem Trubel noch Zeit für neue Projekte?

Zeppenfeld: Mit meinem Koproduzenten Rudi Teichmann habe ich ein neues, deutsches Projekt, die Romanverfilmung von Karen Duwes „Taxi“. Da sind wir in der Finanzierungsphase und sind vom Cast her mit Peter Dinklage („Games of Thrones“) sehr gut besetzt. Ich gehe auch davon aus, dass die Oscar-Geschichte uns bei den Förderungen hilft. Dazu haben wir noch ein Porträt von Liv Ullmann für Arte gemacht. Das wird im November ausgestrahlt. Ich habe in diesem Jahr nur als Produzent gearbeitet, bin aber eigentlich Produzent und Regisseur von dokumentarischen Formaten. Ich habe eine große Sehnsucht, jetzt auch wieder selber Filme zu machen.

Und was ist zusammen mit Georg Maas geplant?

Zeppenfeld: Georg hat gesagt, er braucht etwas Luft. Er macht ja jetzt diese riesige Tournee mit „Zwei Leben“. Es gibt keinen neuen Stoff für ihn und andererseits Agenten in den USA, die ihm Stoffe anbieten.

Kommt bei dieser Entwicklung Wehmut auf?

Zeppenfeld: Nein, gar nicht. Das ist der Gang der Dinge. Das schließt ja auch nicht aus, das irgendwie ein anderes Projekt wieder da sein wird oder dass wir zusammen auch dokumentarisch arbeiten. Ich finde es für mich selber auch gut, im Spielfilm-Bereich mal mit einer anderen Regie zu arbeiten.

Am Mittwoch, den 18. September (17.45 und 20.15 Uhr), präsentieren die Filmemacher „Zwei Leben“ bei der großen Aachen-Premiere in allen Sälen des Apollo-Kinos.

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