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Der Durchfall als bildungspolitisches Konzept

Von: Peter Langohr
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Wendelin Haverkamp (l.) im Gespräch mit der Physik-Studentin Marie Livrozet, die in der Fernsehsendung „Quarks und Co” mit tollen Gedächtnisleistungen glänzen konnte. Foto: Peter Langohr

Aachen. „Met(a)physik kann man alles erklären”: Diese Sprachspielerei à la Robert Gernhardt steht für ein neues Format im Rahmen des Bürgerforums „RWTHextern”.

Zusammen mit dem bekannten Aachener Kabarettisten Wendelin Haverkamp ist das Forum nun schon zum zweiten Mal das Wagnis eingegangen, etwas so Ernstes und Gewichtiges wie die Wissenschaft mit etwas so Heiterem und Leichtem wie dem Kabarett zu verbinden.

Unter dem Namen „Privatissimo” wurde eine Veranstaltungsreihe gestartet, die ihre Gäste einerseits unterhält, andererseits aber im Spannungsfeld von Gesellschaft, Wissenschaft und technischem Fortschritt auch kritische Rückfragen stellt, die dann - so zumindest die Theorie - von den eingeladenen Gesprächspartnern zwar kompetent und sachgerecht, aber möglichst auch mit einem Schuss Humor oder Selbstironie erörtert werden.

Das Konzept ist tragfähig, denn auch die zweite Ausgabe im Sparkassenforum des SuperC war ein großer Erfolg, der gleich drei Gründe hatte. Zum ersten brillierte Haverkamp, zum zweiten spielte das Tiffany-Orchester unter der Leitung von Uwe Rössler niveauvolle Salonmusik und zum dritten entsprachen Haverkamps Gesprächspartner weitestgehend den hochgestellten Erwartungen.

Wunderbare Steilvorlagen

Natürlich nahm Wendelin Haverkamp den Wissenschafts- und Studienbetrieb aufs Korn und fand darin so manche wunderbare Steilvorlage, die er in herrliche Treffer verwandelte. Wie etwa seine Betrachtungen über die „Entschlackung” des Studiums, die zu weniger Verstopfung im Studiengang führe, woraus gewissermaßen der Durchfall als bildungspolitisches Konzept resultiere.

Ausgezeichnet auch seine „ungehaltene Vorlesung” über die Thesen des amerikanischen Philosophen Harry G. Frankfurt, die dieser in seinem Buch „On Bullshit” vertritt, und in dem er das bombastisch-pompöse Wortgeklingel des „bullshit” als eine größere Gefahr für die Wahrheit herausstellt als die bloße Lüge.

Haverkamps Gesprächspartner waren Dr. Jörg Krämer vom Institut für Markscheidewesen, Bergschadenkunde und Geophysik im Bergbau, der als zuständiger Projektleiter etliches über die geothermische Tiefenbohrung unter dem SuperC zu sagen wusste, die Studentin Marie Livrozet, die im Fernsehen unter dem Motto „Schlag den Affen” einen als unschlagbar apostrophierten Schimpansen im Gedächtnisduell besiegte sowie der Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Forschungs-Prorektor der RWTH, Professor Rolf Rossaint, der zu Fragen des Gehirndopings unter Studierenden mit Hilfe von Beruhigungsmitteln Stellung nahm.

Begeisterter Beifall

Glänzend aufgelegt präsentierte sich das Tiffany-Orchester. Dass die Musiker des Ensembles virtuos und inspiriert spielen, hat man in Aachen schon oft erleben können. Im SuperC aber übertrafen sie sich selbst und musizierten Stücke wie etwa die Paraphrase auf Mozarts „Rondo alla Turca” einfach hinreißend. Begeisterter Beifall dankte allen Beteiligten für einen gelungenen Abend.
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