„Der Diamant in der Krone der Stadt“

Von: Gerald Eimer
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„Wahnsinnsrundumblick“: Bezirksbürgermeister Ferdinand Corsten genießt den Ausblick vom Haarberg auf die Stadt. Foto: Andreas Herrmann
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Teil des Projekts „Neue Ortsmitte“: Das neue Bezirksamt im alten Schulhaus soll Ende des Jahres bezugsfertig sein.

Aachen. Alles eine Frage der Perpektive: Man kann Haaren als einfachen Arbeitervorort sehen – eher etwas schlicht und ungeschliffen, umtost von Schnellstraßen und Autobahnen, eingekreist von Industrie und Gewerbegebieten.

Man kann Haaren aber auch als „Diamanten in der Krone der Stadt“ betrachten. So macht es Ferdinand Corsten, Aachens dienstältester Bezirksbürgermeister.

Der Lieblingsort: Es mag eine gewisse Ironie mitschwingen, wenn Corsten seinen Heimatort zum Diamanten veredelt. Er weiß natürlich, dass Haaren eher einen etwas robusten Ruf in der Stadt hat. Er werde immer als Lokalpatriot belächelt, wenn er von den schönen Seiten Haarens schwärmt, sagt er. „Viele Leute wollen das einfach nicht begreifen, dabei muss man nur richtig hingucken.“

Entdecken lässt sich „der Diamant“ am besten von hoch oben. „Ich empfehle jedem den Weg vom jüdischen Friedhof bis zur Friedenskapelle“, sagt Corsten, „das ist meine Lieblingsstelle.“ Am Haarberg – an der Nahtstelle von Haaren und Verlautenheide, den beiden Ortsteilen, denen Corsten seine politische Arbeit widmet – liege einem die Stadt zu Füßen. Von dort oben kann der Blick vom niederländischen Kerkrade bis in die tiefste Eifel schweifen. „Dieser Wahnsinnsrundumblick mit diesem Radius“ begeistert Corsten immer wieder aufs Neue. Von nirgendwo sonst kann man so schön über Aachen hinweggucken, „auch nicht vom Lousberg“.

Und dann sind da ja auch noch die vielen Obstbäume, die den Haarberg in ein kleines grünes Paradies verwandeln. Im Eck zwischen der A4 und der A544 findet sich Aachens größte Streuobstwiese. Die Idee dafür soll in einer wahrhaft bierseligen Nacht entstanden sein. Am Ende einer langen Tagung konnte Corsten im Jahr 2002 demnach dem Essener RWE-Chef einen stattlichen Betrag abschwatzen, der als Wiedergutmachung für das Umspannwerk am Aachener Kreuz und die Hochspannungsleitungen angesehen werden kann. 150 000 Euro fließen seitdem in die Baumpflanzungen und die Wegeherstellung am Haarberg.

„Im Geiste sehe ich die Bäume schon zehn Jahre älter“, sagt Corsten. „Dann müssen die Aachener auch nicht mehr zur Obstblüte ins Eupener Land fahren, dann können sie nach Haaren kommen.“ Ein buntes Blütenmeer wird den Diamanten dann in jedem Frühjahr funkeln lassen.

Das größte Problem: Wer Haaren entdecken will, muss natürlich nach Haaren kommen. Und da fangen auch schon die lästigen Begleiterscheinungen an. „Das größte Problem für Haaren ist der Verkehr“, weiß Corsten. Tausende Fahrzeuge quälen sich Tag für Tag durch den Ortsteil im Aachener Nordwesten. Es gab und gibt viele Ideen, um die Anwohner in den Wohngebieten und vor allem entlang der Alt-Haarener-Straße zu schonen, doch Pläne für einen neuen Straßenzug scheiterten, und künstliche Straßenverengungen bringen mehr Aufregung als Entlastung.

Auf den nächsten Härtetest können sich die Haarener schon jetzt gefasst machen. In nicht mehr allzu ferner Zeit soll die Autobahnbrücke über dem Haarbachtal abgerissen und erneuert werden. Knapp drei Jahre lang wird die Sanierung dauern. Und so lange werden Autofahrer die zu erwartenden Staus vermutlich umfahren wollen und dafür die Ortsdurchfahrt durch Haaren wählen.

Langfristig setzt Corsten vor allem auf eine neue Umgehungsstraße für Verlautenheide und einen neuen Autobahnanschluss von der A4 zum Gewerbegebiet Aachener Kreuz.

„Beinahe jede Woche“ schreibe er deswegen einen Brief an den Städteregionsrat und an die Bundestagsabgeordneten. „Wir müssen im Gespräch bleiben“, meint Corsten, nur so könnten die Verkehrsprobleme eines Tages im Ort gemindert werden.

Dass in Kürze umfassende Kanalbaumaßnahmen auf der Alt-Haarener-Straße beginnen, wertet Corsten hingegen als „entlastend“. Autofahrer werden frühzeitig gewarnt, es gebe „gut geplante Umfahrungen“ – und vor allem: „Die Leute an der Alt-Haarener-Straße werden ganz ohne Verkehr mal gut schlafen können.“

Die besten Aussichten: Das Ende eines langen Dornröschenschlafs deutet sich hingegen in der Ortsmitte von Haaren an. Gleich neben der Kirche St. Germanus wird derzeit die ehemalige Schule zum neuen Bezirksamt umgebaut, was einem Startschuss zur Neugestaltung des Ortskerns gleichkommen soll. „Wir wollen damit auch mehr Leben auf den kleinen Platz bringen“, sagt Corsten. Ende des Jahres soll der neue Amtssitz bezugsfertig sein.

Und dann soll es nach Möglichkeit auch im Umfeld flott weitergehen. Der Innenblock zwischen Germanusstraße und Alt-Haarener-Straße soll geöffnet werden. Neue Wohnungen, aber auch neue Wege sollen dort gebaut werden, wobei Corsten seine Hoffnungen auf die Sparkasse, aber auch auf die Unterstützung des Landes setzt. Die Fördermittel sind beantragt, sagt er. Spätestens 2016 sollen die ersten Auswirkungen erkennbar sein.

Insbesondere entlang von Wurm und Haarbach sind neue Spazierwege und Grüngürtel geplant. Unter anderem soll ein uralter Spazierweg bis hin in die Soers wiederbelebt werden. „Es macht viel Freude, den Ort zu verschönern“, sagt er, „und das soll sich vor allem in mehr Grün widerspiegeln.“

Um so verärgerter schaut er auf den neuen Flächennutzungsplan für Aachen, über den derzeit heftig diskutiert wird. Zwei große zusätzliche Gewerbeflächen sind dort auf Haarener Gebiet eingezeichnet. „Die sind doch verrückt“, findet Corsten und hat sein Urteil schon gefällt: „Geht gar nicht.“

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