Der alte Rock - aber jung und ungestüm

Von: Lars Germann
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Aachen. Man könnte meinen, der klassische Indie Rock britischer Prägung ist ein ziemlich alter Hut. Doch so lange sich immer wieder junge, stürmische Bands wie die Eight Legs der muffigen Kopfbedeckung annehmen, kommt damit partout keine Langeweile auf. Die Indie-Derwische von der Insel gastieren am kommenden Dienstag im Musikbunker.

Sie singen über Partys, die katastrophal enden, über das Joch der Langeweile und über Beziehungsstress - typische Themen, die junge Menschen so oder so ähnlich seit Jahrzehnten beschäftigen. Sie dreschen auf ihre E-Gitarren, Bässe und Schlagzeuge ein, als wären The Who das neueste Ding. Dabei sind die vier jungen Männer von Eight Legs gerade mal Anfang 20 - und als ihre Eltern sie zum Kindergarten fuhren, lief im Radio wahrscheinlich Oasis.

Dass die Band mit den acht Beinen im Prinzip überhaupt nichts Neues zu bieten hat, macht freilich überhaupt nichts: Denn wann immer junge, wilde Typen dem guten alten Rock´n´Roll neues Leben einhauchen, ihn mit ungestümer Leidenschaft zelebrieren, hört man gerne hin und schaut man gerne zu. Und lässt sich gerne aufs Neue von der Energie und Lebensfreude dieser Musik begeistern. Nicht zuletzt, weil erfahrene Rockhistoriker wissen: Diese Energie bleibt nach einigen Jahren im Musikbusiness und Hunderten Konzerten bei fast jeder Band irgendwann auf der Strecke.

Die Eight Legs sind zum Glück noch am Anfang ihres Weges: 2006 gegründet, landete das Quartett mit dem Debütalbum „Searching For The Simple Life” (2008) prompt einen Achtungserfolg. Der Titel brachte das Anliegen der Jungs, die da erst 18 Jahre alt waren, ziemlich treffend auf den Punkt: Mit einfachen und bewährten Mitteln rockten Eight Legs in Singles wie „Blood Sweat Tears” und „These Grey Days” ungebremst nach vorne, als gäbe es kein Morgen.

Ihre süffigen 3-Minüter würzten sie überdies mit rotzigen Riffs, eingängigen Melodien und einem herrlichen englischen Arbeiterakzent. Insofern schlugen sie in eine ähnliche Kerbe wie etwa The Kooks, die ein paar Jahre früher ebenfalls blutjung ihre Karriere starteten.

Erwachsen? Keine Sorge

In diesem Frühjahr veröffentlichten die Eight Legs ihr zweites Album „The Electric Cool-Aid Cuckoo Nest” und taten das Unvermeidliche: Sie entwickelten sich weiter.

Wer jedoch befürchtet hatte, das ginge auf Kosten ihres Tempos und ihrer Leidenschaft, durfte aufatmen: Zwar sind auf dem Zweitwerk auch Geigen, Pianoklänge und sogar eine Ballade zu hören. Zwar behauptete Sänger Sam Jolly, man sei „ein bisschen erwachsen geworden” - doch das Ganze ging gut aus.

Mit „Best Of Me” bescherten die Eight Legs den Indie-Discos dieser Welt einen echten Kracher, und auch ansonsten versuchten sich die Jungs nicht im bedeutungsschwangeren Erwachsenen-Rock. Die Party ging also weiter - auch wenn Jollys Songtexte durchaus eine Spur tiefgängiger wurden. Schon der Bezug auf einen Roman von Tom Wolfe im Albumtitel deutete darauf hin: Inhaltlich sind die Eight Legs ironischer, zynischer und zuweilen auch kryptischer geworden. Doch ihrem rauen Sound sind die Jungs treu geblieben.

Sam Jolly und seine Mitstreiter Jack Garside (Schlagzeug), Jack Wharton (Gitarre) und Adam Neal (Bass) aus dem mittelenglischen Stratford-upon-Avon geben also weiter Gas und „heizen mit 150 Sachen durch ein Gebirge aus Problemen und Erinnerungen”, wie sie es ebenso prosaisch wie hochtrabend beschreiben.

Wer den Jungs begegnet, bevor ihnen der Sprit ausgeht, sollte ganz schnell den Daumen raus halten.

Konzerte in Aachen: Musiker tummeln sich auf dem „Kulturspielplatz”

Donnerstag, 2. Dezember: Raststätte: „Under The Radar” mit Lenur, Paul Hubweber und Paul Lytton (Improvisationen). 19.30 Uhr. Musikbunker: Prinz Pi & Bina (HipHop). 20 Uhr. Autonomes Zentrum: Harry Bird And The Rubber Wellies (Folk) und Knifefight! (Folk-Punk). 20.30 Uhr. Malteserkeller: King Size Beats Kulturspielplatz (verschiedene Künstler). 20.30 Uhr.

Freitag, 3. Dezember: Malteserkeller: Hans-Peter Salentin feat. Das Linke Pedal (Groove Jazz). 20.30 Uhr. Autonomes Zentrum: 3 Normal Beatles (Rock´n´Roll). 21 Uhr.

Samstag, 4. Dezember: Wild Rover: Open Fire (Psychedelic Rock). 20 Uhr. Chico Mendes: Boris Steinberg (Chansons und Lieder). 20 Uhr. Raststätte: Luum (lyrischer Jazz, Pop). 20 Uhr. Franz: 40 Drummers on Stage. 20 Uhr.

Sonntag, 5. Dezember: Musikbunker: Napalm Death, Immolation, Macabre, Waking The Cadaver und Bluntforce Coma (Grindcore). 19.30 Uhr. Jakobshof: Hans Muff-Gedächtniskonzert mit Dieter Kapari´s Blues Mich Jet, Gitta Haller, Hubert Crott und Manfred Birmans. 20 Uhr.

Montag, 6. Dezember: Domkeller: Kissing Gourami (California Laidback Pop). 20.30 Uhr. Franz: Aachen BigBand (Weihnachtskonzert). 20.30 Uhr.

Dienstag, 7. Dezember: Musikbunker: Eight Legs (Indie Rock). 20 Uhr.

Mittwoch, 8. Dezember: Malteserkeller: Jazzsession mit dem Danh Thai Quartett. 21 Uhr.

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