Denn Büchner hat noch nicht ausgedient

Von: Nils Heinichen
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Ausdrucksstark, leidenschaftlich, authentisch: Mit ihrem Spiel überzeugten die Schüler des jahrgangsübergreifenden Literaturkurses das Publikum durch und durch. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Er gilt als einer der bedeutendsten Literaten des 19. Jahrhunderts – und das obwohl er bereits im Alter von 23 Jahren verstarb. Doch Karl Georg Büchner war nicht nur Literat, sondern auch Mediziner, Wissenschaftler und Revolutionär.

 Bereits mit 18 Jahren war er Student in Straßburg, zwei Jahre später in Gießen Kopf einer demokratischen Verschwörer-Gruppe, mit 23 schließlich Privatdozent für vergleichende Anatomie an der Universität Zürich. 

Literarische und politische Werke

In diesem Jahr würde Büchner 200 Jahre alt werden. Anlässlich dieses Jubiläums entwickelte die Theatergruppe der Mies-van-der-Rohe Schule, das Rohestheater, ein eigenes Stück unter dem Titel „Karl Georg Büchner – Es war einmal…“, das ein buntes Potpourri aus seinen politischen, literarischen und wissenschaftlichen Werken zeigt. 19 Schüler der bereits seit 20 Jahren existierenden Theatergruppe des Aachener Berufskollegs brachten unter der Leitung von Eckhard Debour das Leben Büchners in bemerkenswerter Weise auf die Bühne.

Ausschließlich mit Texten, die selbst von Büchner stammen, präsentierten sie dem gespannten Publikum eine sehr moderne und eigene Inszenierung des kurzen, aber aufregenden Lebens Büchners. Dazu wurden sowohl seine literarischen Texte als auch seine Briefe und wissenschaftlichen Werke verwendet, um dem Publikum eine möglichst breite Palette seines Schaffens zeigen zu können. Ob Woyzeck, Dantons Tod oder Lenz – stets mit der kurzen Ankündigung „Es war einmal…“ tauchte der Zuschauer in ein neues Werk Büchners ein.

Ein einfaches, aber aussagekräftiges Bühnenbild bot eine anschauliche Kulisse für die Präsentation seiner Ansichten, Auffassungen und Botschaften, die er zu Lebzeiten vermitteln wollte. Zahlreiche Lichteffekte und eine musikalische Untermalung vieler Szenen trugen mit dazu bei, dass aus vielen einzeln stehenden Szenen ein rundes Gesamtwerk wurde.

Ausdrucksstark, leidenschaftlich und vor allem authentisch spielten die Schüler des jahrgangsübergreifenden Literaturkurses ihre Rollen, was beim Publikum für Begeisterung sorgte. Die zum Teil sehr ernste Thematik wurde glaubhaft umgesetzt, dennoch gelang es den jungen Schauspielern, immer wieder für sporadische Lacher zu sorgen.

Eine gute Abwechslung von ruhigeren und lebhafteren Szenen erfreute die Zuschauer während der rund 70-minütigen Aufführung. „Dieses Stück hatte sehr viel Text und einen hohen Anspruch an Intellektualität. Das war hervorragend“, so ein Zuschauer nach der Darbietung. Andere beließen es in ihrer Kritik bei weit weniger Worten. „Einfach großartig“, kommentierte eine Zuschauerin.

Jedem, der sich für deutsche Literatur interessiert, ist dieses innovative Stück ans Herz zu legen. Erfrischend, dynamisch und stets lebendig zeigten die Schüler eindrucksvoll, das Büchner noch lange nicht ausgedient hat. Weitere Aufführungen finden am 19., 20., 21., 25., 26., 27. April sowie am 2. und 3. März statt. 

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