Denis Goldberg zieht Aachener Schüler in seinen Bann

Von: Christina Handschuhmacher
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Denis Goldberg zieht mit seine
Denis Goldberg zieht mit seiner Lebensgeschichte die Schüler des Rhein-Maas-Gymnasiums in seinen Bann. Der 79-jährige Anti-Apartheid-Kämpfer stand vor 22 Jahren gemeinsam mit Nelson Mandela in Südafrika wegen Hochverrats und Sabotage vor Gericht. Foto: Harald Krömer

Aachen. Es gibt einen Moment, in dem in der Aula des Rhein-Maas-Gymnasiums vollkommene Stille herrscht: Als der südafrikanische Anti-Apartheid-Kämpfer Denis Goldberg den Schülern schildert, wie er im sogenannten „Rivonia-Prozess” der Todesstrafe am Galgen entkam.

1963 stand Goldberg als einziger Weißer zusammen mit Nelson Mandela und weiteren Angeklagten im südafrikanischen Pretoria vor Gericht - angeklagt waren die Widerstandskämpfer unter anderem wegen Hochverrats und Sabotage. „Der Richter befand uns für schuldig. Wir wurden zu vier Mal lebenslänglich verurteilt. Und wir lachten laut. Es war so eine Erleichterung”, beschreibt der Bürgerrechtler. „Meine Mutter war im Gerichtssaal, hatte aber das Urteil nicht verstanden. Ich rief ihr zu: ?Leben! Leben ist wundervoll.”

22 Jahre seines Lebens hat Goldberg für seine Überzeugung und den Kampf gegen das Apartheid-Regime in Haft verbracht. Und auch heute noch kämpft der 79-Jährige weiter gegen Rassismus und für Menschenrechte, beispielsweise indem er seine bewegende Lebensgeschichte erzählt.

Im Rahmen eines Deutschlandbesuchs spricht Goldberg auch vor Schülern der Leistungskurse Geschichte am Rhein-Maas-Gymnasium. Die SPD-Bundestagsabgeordneten Ulla Schmidt hat den Vortrag initiiert. Von Beginn an zieht der 79-Jährige seine Zuhörer in den Bann. „Ich will, dass sie meine Geschichte hören und sich dann selbst entscheiden, wie sie anderen gegenüber treten wollen”, sagt er. Goldberg spricht auf Deutsch, er erzählt mit lebendigen Gesten und mitreißender Stimme.

Für die Schüler ist sein Vortrag ein Schnelldurchlauf durch die jüngere Geschichte Südafrikas und eine Reise in die Vergangenheit. Manchmal meint man sogar, nicht mehr in Aachen zu sein, sondern mit Goldberg im Gerichtssaal in Pretoria oder auf den Straßen seiner Heimatstadt Kapstadt.

Viele Fragen

Goldbergs Zuhörer sind noch jung. Viele von ihnen sind 1994 geboren, in dem Jahr als die Apartheid in Südafrika nach einem jahrzehntelangen Kampf endlich ein Ende fand. Die Gymnasiasten sind so alt wie die Demokratie Südafrikas und sie haben viele Fragen an den Weggefährten Nelson Mandelas: Was hat ihn in seiner Jugend zum Kampf gegen die Apartheid gebracht? Wie hat er sich politisch engagiert? Wie bewertet er die Situation in Südafrika heute?

Goldberg beantwortet alle Fragen und immer scheint sein unerschütterlicher Optimismus durch. „Es ist doch wunderbar, dass mein Land die Apartheid besiegt hat, dass ich jetzt vor ihnen allen hier frei reden kann”, sagt er.

Berührend sei Goldbergs Vortrag gewesen, findet Marie-Pauline Schelper. So ein Stück Geschichte von jemandem zu hören, der es selbst miterlebt hat, sei etwas ganz anderes als es nur irgendwo nachzulesen. „Mich hat beeindruckt, dass dieser Mann so hart vom Staat behandelt wurde und trotzdem nicht verbittert ist”, sagt Clemens Woletz. „Er redet so leicht und offen über seine Geschichte. Wir haben ihm hier in der Aula sehr aufmerksam zugehört, und das ist eigentlich selten bei uns.”
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