Den Wettbüros einen Riegel vorschieben

Von: Martina Feldhaus
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Der Adalbertsteinweg ist attraktiv für Wettbüro-Betreiber. Stadt und Politik wollen ihre Ansiedlung dort in Zukunft verhindern. Foto: Harald Krömer

Aachen. Das muntere Sprießen von Wettbüros und Spielhallen vor allem im Ostviertel ist Stadt und Politik schon lange in Dorn im Auge. Bereits 2012 hat sie dem Wildwuchs in der Elsassstraße – dort öffneten immer wieder neue – einen rechtlichen Riegel vorgeschoben.

Ein geänderter Bebauungsplan verhindert seither, dass sich Zockbüros und andere „Vergnügungsstätten“ wie Sexkinos und Bordelle dort ansiedeln. Heute, etwa eineinhalb Jahre später, hat sich das Problem verlagert. Und zwar zum Adalbertsteinweg. Besonders zwischen Steffensplatz und Frankenstraße beobachten Stadtplaner und Planungspolitiker, dass Wettbüros vermehrt Wurzeln schlagen. Zwei Büros gibt es bereits, weitere Anfragen liegen der Stadt vor. Seit das staatliche Wettmonopol 2010 von der EU gekippt wurde, können sich private Anbieter weitgehend problemlos niederlassen. Und: Aufgrund hoher Gewinne können sie oft hohe Mieten zahlen – zum Nachteil für andere Geschäftsleute, Dienstleister oder auch Gastronomen.

Minderwertige Nutzungen

Die Stadt fürchtet deshalb den sogenannten „Trading-down-Effekt“, also einen Wandel hin zu „minderwertigen Nutzungen und weiteren Vergnügungsstätten mit entsprechenden negativen städtebaulichen Folgen.“ So steht es in den aktuellen Vorlagen von Bezirksvertretung Aachen-Mitte und Planungsausschuss, die nächste Woche Mittwoch und Donnerstag tagen. Dann sind die Politiker aufgerufen, erneut ihre Stimme für eine Änderung des Bebauungsplanes Nr. 694 abzugeben – damit zwischen Adalbertsteinweg, Frankenstraße, Augustastraße und Friedrichstraße Wettbüros, Sexkinos und so weiter künftig ebenfalls tabu sind.

Dass das richtig und sinnvoll ist, darüber sind sich die großen Ratsfraktionen schon im Vorfeld einig. Für die CDU kann Harald Baal, Vorsitzender des Planungsausschusses, den Vorstoß der Verwaltung nur begrüßen: „Wir stehen dem auf jeden Fall positiv gegenüber“, sagt er. „Für die Menschen im Viertel ist das eine sehr wichtige Entscheidung. Denn die kleinteilige Geschäfts-Struktur wird zunehmend verdrängt. Das ist keine positive Entwicklung.“ Ähnliches habe man schon an der Elsassstraße erlebt, mit dem Ergebnis, dass die Wettbüros vielfach Kundschaft von außerhalb anzögen, nicht selten ein Klientel mit illegalen Geschäften.

Mit einem geänderten Bebauungsplan könnte man solche Auswüchse am Adalbertsteinweg frühzeitig verhindern. So sieht das auch Norbert Plum, planungspolitischer Sprecher der SPD: „Um eine vernünftige Entwicklung zu gewährleisten, muss man entsprechende rechtliche Maßnahmen ergreifen. Alles andere wäre schädlich für die Stadt.“ Er hofft, dass aktuelle Anfragen und Anträge von von Wettbüro-Betreibern erst gar nicht mehr durchkommen. Damit nicht irgendwann sämtliche Gemüseläden, Gaststätten und Cafés auf dem Adalbertsteinweg durch Billigläden und Zockerparadiese ersetzt werden.

Achim Ferrari, grüner Bezirksbürgermeister in Aachen-Mitte, geht davon aus, dass die Bebauungsplan-Änderung recht schnell und vor allem im fraktionsübergreifenden Konsens beschlossen wird, „damit wir eine schnelle Handhabe haben“. Allerdings, so sagt er, besteht die Gefahr, dass das Klientel dann woanders hin weiterzieht, etwa weiter rauf in Richtung Brand zur Trierer Straße. „Die Gefahr besteht, das muss man im Auge behalten.“

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