Den Mut haben, Nein zu sagen

Von: Nadine Preller
Letzte Aktualisierung:
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Wollen Frauen zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen: Agnes Zilligen, Beratungsstelle Frauennotruf, Nina Körner, Studentin und Projekt-Praktikantin sowie Annette Pütz, Fachausschuss „Gewalt gegen Frauen” (von links), präsentieren die neue Broschüre „Stärker als du denkst!” Foto: Heike Lachmann

Aachen. Schlagartig wird Nina Körner bewusst, wie viel Frauen-Power in ihr steckt. Das Brett vor ihren Augen spaltet sie mit der bloßen Hand in zwei Hälften. „Dazu braucht es kein Training, dazu braucht es nur einen starken Willen”, erklärt die Aachener Studentin selbstbewusst.

Den Wendo-Kurs, indem sie nicht nur Bretter spalten, sondern auch Selbstbehauptung und -verteidigung gelernt hat, legt sie jetzt allen Frauen wärmstens ans Herz. Körner ist überzeugt: In jeder von ihnen schlummert dieser starke Wille, dieses Selbstbewusstsein. „Bei vielen muss nur noch der berühmte Schalter im Kopf Klick machen,” erklärt sie.

Gemeinsam mit der Beratungsstelle „Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen” und dem Fachausschuss „Gewalt gegen Frauen” hat die junge Studentin jetzt eine Broschüre erstellt, die das Angebot von Selbstverteidigungskursen in der Städteregion auflistet. „Stärker als du denkst! Selbstschutz und Selbstbehauptung” - so der Titel des Heftes, das Körner im Rahmen eines Praxissemesters der Katholischen Fachhochschule (KFH) erstellte und das jetzt mit einer Auflage von 2500 Stück erscheint. Ein Zuschuss des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen ermöglichte das Projekt.

Neben Kursangeboten und Kontaktadressen für Frauen und Mädchen, die Beratung und Unterstützung zum Thema Gewalt suchen, findet sich zudem ein Orientierungsleitfaden: Wie finde ich den optimalen Kurs? „Ich kann einer Frau, die bereits Gewalt erfahren hat, nicht den selben Kurs empfehlen, wie einem jungen Mädchen, dass ganz frei heraus einen Selbstverteidigungskurs machen möchte”, weiß Annette Pütz, Vertreterin des Fachausschusses „Gewalt gegen Frauen”. „Hier sind körperliche Kontakte beim Training erst einmal tabu. Das zum Beispiel berücksichtigt der Leitfaden zur richtigen Kurswahl.”

Mit der Broschüre möchten die Herausgeber für ein Thema sensibilisieren, dass unter Frauen immer noch zu wenig Beachtung finde. „Leider sind die Schutzmöglichkeiten für Frauen begrenzt, das ist vielen nicht immer bewusst”, weiß Agnes Zilligen, Mitarbeiterin in der Beratungsstelle des Frauennotrufs. So könnten beispielsweise Frauen, die Opfer von Stalkern sind, nicht rund um die Uhr beschützt werden. „Hier ist es wichtig, den Frauen Mut und Techniken der Verteidigung mit auf den Weg zu geben.”

Um Skeptikern oder Unsicheren die Kurse schmackhaft zu machen, zeigen Erfahrungsberichte von Müttern, jungen Mädchen oder Studentinnen in der Broschüre auf, wie es ihnen im Training ergangen ist.

„In den Kursen geht es nicht nur um körperliche Selbstverteidigung sondern auch um Selbstbehauptung,” weiß Körner aus Erfahrung. „Lautes Schreien bei Angriffen, selbstbewusstes Auftreten - auch das ist enorm wichtig.” Und das sich schon mit einer kleinen Prise Mut Bretter spalten lassen, hat sie ja jüngst bewiesen.
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