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Den „Kaspar” in die Gegenwart geholt

Von: Anna Grobe
Letzte Aktualisierung:
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Modernes Bühnenbild: Die Musical-AG des Gymnasiums St. Ursula orientiert sich zwar an den historischen Fakten der Geschichte von Kaspar Hauser, aber rückt die Handlung in die Gegenwart. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Sein Blick ist starr, seine Bewegungen unkoordiniert. Er kann kaum reden, stammelt und schreit. Im Jahr 1828 taucht plötzlich ein junger Mann mitten in Nürnberg auf. Ist er geisteskrank oder nur betrunken?

Es ist der Beginn der rätselhaften Geschichte des Findelkindes Kaspar Hauser, Die Schülerinnen des Gymnasiums St. Ursula am Samstag als Musical in der Aula der Schule auf die Bühne brachten. Rund 40 Schülerinnen der Jahrgangsstufen 8 bis 13 haben unter Leitung der Lehrer Patrick Biemans und Martin Ebner das Stück aufwendig in Szene gesetzt.

Die Geschichte um Kaspar Hauser wurde bis heute nie eindeutig aufgeklärt: Hauser behauptete von sich, dass er ganz alleine in einem dunklen Raum aufwuchs. Es verdichten sich Gerüchte, dass er angeblich der Erbprinz von Baden sei und Opfer eines Erbfolgestreits wurde. Schließlich stirbt Hauser noch in jungen Jahren an den Folgen eines mysteriösen Attentats.

Die Inszenierung der Musical-AG des Mädchengymnasiums nutzt zwar diese historischen Fakten, rückt die Handlungen aber aus ihrer Zeit. So sind weder die Kostüme noch die Sprache an das 19. Jahrhundert angelehnt. Das Musical verfolgt eher die Frage, wie der Unnormale und Auffällige behandelt wird. Kaspar wird darin zum Symbol für Schwäche, mit der die Gesellschaft umzugehen hat.

Bemerkenswert ist dabei die Arbeit der Leiter der Musical-AG. Die Lehrer Patrick Biemans und Martin Ebner beschreiben sich selber als Hobby-Musiker, denn keiner von Ihnen unterrichtet Musik als Schulfach. Biemans ist dabei für die Komposition zuständig: Er komponiert die Musik, schreibt die Texte und spielte diese im Studio ein.

Sorgsam werden anschließend die Schülerinnen in einem Casting ausgewählt und von der ehemaligen Schülerin Susanne Siegert im Bereich Gesang unterrichtet. Die Regieführung teilt sich dabei das Lehrerduo Ebner und Biemans. Rund anderthalb Jahre dauert dieser Prozess, bis das Stück zur Aufführung bereit ist.

Und die Lehrer sind von dem Ergebnis begeistert: „Wir sind erstaunt über die Intensität der Gruppe. Die Mädchen haben eine wahnsinnige Entwicklung gemacht und übersteigen eindeutig unsere Erwartungen.” Die Schülerinnen sind wahrlich mit Leidenschaft dabei. Und so beschreibt die Hauptdarstellerin Friederike Schaut ihre Rolle als Kasper Hauser folgendermaßen: „Der Charakter von Kaspar hat mich einfach total ergriffen - es war für mich fast ein emotionaler Overflow.”

Die Inszenierung des Musicals kommt auch bei den rund 300 Besuchern gut an. Kein Platz ist in der Aula der Schule mehr frei. Und so ernten die Mitwirkenden der Musical-AG am Ende Standing Ovations für ihre gelungene Arbeit.

Die Musical AG des Mädchengymnasiums St.Ursula bringt alle zwei Jahre ein neues Stück zur Aufführung. Mit „Kaspar - Das Musical” handelt es sich um das vierte Projekt der 2003 gegründeten Arbeitsgemeinschaft.

Weitere Aufführungen des Musicals gibt es am Freitag und Samstag, 18. und 19. Februar, um 20 Uhr sowie am Sonntag, 20. Februar, um 19 Uhr.
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