Demo am Elisenbrunnen: Erdogan ist das Feindbild Nummer eins

Von: Gerald Eimer
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„Diktator Tayyip. Raus aus der Türkei.“ Mit Forderungen wie diesen protestierten am Dienstag auch in Aachen rund 400 Menschen gegen die konservativ-islamische Regierungspartei und den türkischen Regierungschef Erdogan. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die anhaltenden Proteste gegen die islamisch-konservative Regierung in der Türkei und das brutale Vorgehen gegen die Demonstranten haben am Dienstag auch in Aachen knapp 400 Menschen auf die Straße gebracht. Vertreter mehrerer türkischer Verbände sowie zahlreiche deutsche Unterstützer setzten sich während einer Kundgebung am Elisenbrunnen und einem anschließenden Demonstrationszug durch die Stadt für Demokratie und Menschenrechte in der Türkei ein.

Das Feindbild Nummer eins der Kundgebungsteilnehmer und Redner war der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, der auf vielen Plakaten als „Faschist“ bezeichnet wurde. Insbesondere ihn macht man für die Eskalation der Gewalt in seinem Land verantwortlich. „Faschist. Du wirst dafür bezahlen“ war auf einem Plakat zu lesen, „Diktator Tayyip. Raus aus der Türkei“ stand auf einem anderen. Redner warfen ihm vor, die Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit in seinem Land abzuschaffen und die Rechte der Frauen zu beschneiden.

Cengiz Ulug, einer der Organisatoren dieser zweiten „Solidaritätsdemonstration mit den Bürgerprotesten in der Türkei“, hat für die Kundgebung das Motto „Taksim ist überall, Überall ist Widerstand“ aufgegriffen, das derzeit auf vielen Veranstaltungen gerufen wird. „Heute ist die Stunde der Solidarität, des Zusammenhalts und der Freundschaft“, sagte Ulug, der sich unter anderem bei den deutschen Unterstützern bedankte – darunter Vertreter von SPD, Grünen, Linken, Piraten und Gewerkschaften.

Er habe lange auf eine friedliche Lösung in Istanbul gehofft, sagte Ulug. Aber „wenn Erdogan den Mund aufmacht, springt sofort die nächste Lüge raus“, sagte er unter dem Beifall der Umstehenden. Er verwies darauf, dass es bisher bereits weit mehr als 4000 Verletzte in der Türkei geben soll und vier Todesopfer zu beklagen sind. Mehr als 5000 Menschen sollen verhaftet worden sein. „Dies alles muss sofort beendet werden“, heißt es in einem von Ulug verlesenen Aufruf.

Die Demonstranten zogen nach einer Auftaktkundgebung am Elisenbrunnen von der Polizei begleitet über Markt und Willy-Brandt-Platz durch die Innenstadt. Meldungen über mögliche Provokateure hatten im Vorfeld die Runde gemacht und für Verunsicherung gesorgt, doch letztlich blieb es friedlich. Lediglich ein aggressiv auftretender junger Mann wurde vor Beginn der Veranstaltung von der Polizei aus der Menge geholt. „Hier haben wir Vertrauen zur Polizei, im Gegensatz zu der in Istanbul“, meinten junge Türken.

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