„Demenznetz Aachen”: Projekt bis 2013 gesichert

Von: Werner Czempas
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Aachen. Nachts band die alte Frau ihren alten Mann an sich fest. Anders wusste sie sich nicht mehr zu helfen. Zwei Jahre ging das so. „Sonst läuft er weg und irrt durch die Gegend”, sagte die Frau, als die Not des alten Ehepaares entdeckt wurde. Der Mann war an Demenz erkrankt.

„So etwas passiert leider täglich”, berichtet der Aachener Mediziner Andreas Theilig aus der Praxis. Der Chefarzt des Alexianer-Krankenhauses Aachen weiß, wovon er spricht. Er ist Projektleiter von „Demenznetz Aachen”, einer gemeinsamen Initiative der Arbeitsgemeinschaft Aachener Hausärzte (AGAH) und des Alexianer-Krankenhauses. Sie wird wissenschaftlich begleitet durch die Abteilung Aachen der Katholischen Hochschule NRW.

Das Aachener Netzwerk steht bei der Versorgung und Betreuung Demenzkranker bundesweit vorn. Ginge es nicht um eine der größten Herausforderungen des Gesundheitssystems in den nächsten Jahrzehnten, hätte das „Demenznetz Aachen” in diesen Tagen sogar allen Grund zu feiern: Seine Arbeit wird bis August 2013 fortgesetzt. Zudem wird es über die Stadt Aachen hinaus auf die gesamte Städteregion Aachen ausgeweitet.

Beides wird möglich durch eine neue Förderung als NRW-Modell. 2008 wurde die Aachener Initiative als eins von 29 bundesweiten Modellprojekten gegründet. Die Förderung durch den Bund läuft jedoch in diesem Jahr aus, weshalb die Aachener Initiatoren neue Finanzquellen suchten. Beim Land NRW und den Pflegekassen wurden sie fündig. Mit 1,5 Millionen Euro wird das Demenznetz in den nächsten drei Jahren unterstützt.

Von den 29 vor drei Jahren gestarteten Modellprojekten werden nur das Aachener und zwei andere weiterhin gefördert. „Das ist ein gutes Signal. Wir haben in Aachen ein Angebot auf bestem Niveau stehen, und wir sind stolz, dass wir das gemeinsam geschafft haben”, freut sich denn auch AGAH-Vorsitzender Wilfried Duisberg.

Auf rund 10.000 schätzt Projektleiter Andreas Theilig die Zahl der Demenzerkrankten in der Städteregion. Das Netzwerk wolle bei Erkrankungen zu einem frühen Zeitpunkt Hausärzte, Fachärzte und das gerontopsychiatrische Fachwissen des Alexianer-Krankenhauses zusammenbringen, um eine optimierte Behandlung der Kranken zu ermöglichen.

Fünf Fall-Manager begleiten Patienten und Angehörige zu Hause. Sie stellen sicher, dass „passgenaue Versorgungsangebote” wahrgenommen und ein „bedarfsgerechtes Spektrum medizinischer, pflegerischer und unterstützender Leistungen” bereitgestellt werden.

Ziel sei es, so Theilig, Betroffene möglichst lange zu Hause zu versorgen, Familien zu entlasten, Krankenhausaufenthalte zu verkürzen oder Heimaufenthalte zu verzögern. Das neue dreijährige Projekt werde untersuchen, ob sich das Fall-Management, da kostensparend, in die Regelfinanzierung durch die Kranken- und Pflegekassen übertragen lasse. Derzeit werden im Projekt 100 Patienten betreut, angestrebt werden 400.

„Demenz ist eine Krankheit, die immer tragisch endet. Der Betroffene wird nicht mehr gesund, weshalb eine immer größer werdende Schleppe an Hilfsbedürftigkeiten und an Organisationsaufwand erforderlich wird”, schildert Wilfried Duisberg den Krankheitsverlauf. Der Kranke merke, „wie ihm das Leben entgleitet”.

Hausarzt ist als erster gefragt

In der Regel als erster gefragt, sei dabei der Hausarzt, auf sich allein gestellt, überfordert. Das Demenznetz Aachen bringe für die Angehörigen eine „enorme Entlastung und einen Kompetenzgewinn”. Duisberg: „Angehörige müssen lernen, einen lieben Menschen loszulassen.”

Prorektorin Liane Schirra-Weirich von der Katholischen Hochschule erklärte, besonderes Thema in den nächsten drei Jahren sei, wie Demenzkranke im ländlichen Raum versorgt werden können. Welche Angebote gebe es, arbeiteten sie zusammen, welche fehlten?

Für die Städteregion, als Förderer und Kooperationspartner am Demenznetz beteiligt, erklärte Gesundheits- und Sozialdezernent Günter Schabram, die Städteregion unterstütze das Projekt gerne. Immer mehr Menschen würden von der Krankheit betroffen. Es gehe darum, Menschenwürde auch im Alter zu gewährleisten.

An Demenz erkrankte Menschen und ihre Angehörigen sowie Ärzte und Institutionen können sich jederzeit wenden an: DemenzNetz Aachen, Löhergraben 2, 52064 Aachen, 0241/4770115269.
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