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Demenzkranke vor der Einweisung bewahren

Von: Martina Stöhr
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Wer sich als Hausarzt mit einem an Demenz erkrankten Menschen konfrontiert sieht, der steht vor einer großen Herausforderung. Das wurde deutlich, als Dr. Wilfried Duisberg vom DemenzNetz Aachen von seinen Erfahrungen als Hausarzt sprach.

Ein gutes Netzwerk ist seiner Meinung nach die Voraussetzung, um Demenzkranke angemessen behandeln zu können und die Angehörigen zu entlasten.

Schonungslos zeigte er die Dramatik der Erkrankung auf, für die es keine Heilung gebe und bei der Arzt nicht mehr tun könne, als seinen Patienten und deren Angehörigen in der Erkrankung zu begleiten.

„Hier liegt die große Herausforderung”, meinte Duisberg während einer Informationsveranstaltung im Kreishaus an der Zollernstraße, zu der sich neben Gesundheitsministerin Ulla Schmidt auch Mediziner, Pflegefachleute und Initiativen aus der Demenzversorgung in der Region eingefunden hatten.

Seit 2004 versucht das „Leuchtturmprojekt Demenz” neue Wege in der Behandlung dementer Menschen zu finden. Das neu gesponnene DemenzNetz Aachen versucht, die Frühdiagnostik zu fördern und ein breites Spektrum begleitender Maßnahmen zur Verfügung zu stellen, die zum einen die Angehörigen entlasten und zum anderen verhindern, dass die Demenzkranken in Krankenhaus oder in ein Heim eingewiesen werden.

Aachener Hausärzte und das Gerontopsychiatrische Zentrum des Alexianer-Krankenhauses haben begonnen, ein Versorgungsnetzwerk aufzubauen, bei dem Fallmanager eine entscheidende Rolle spielen. Sie werden zum zentralen Ansprechpartner der Patienten und deren Angehörigen.

Außerdem werden die teilnehmenden Hausärzte in der Früherkennung und der Behandlung des Krankheitsbildes Demenz geschult und so in die Lage versetzt, die Betroffenen selbst zu behandeln. Ansonsten müsse der Hausarzt sie oft an einen Psychiater oder Neurologen weiterverweisen.

„Nur wenn der Hausarzt die Möglichkeiten und Instrumente in der Begleitung der Demenzkranken kennt, kann er eine ambulante Betreuung ermöglichen und eine Hospitalisierung verhindern”, betonte Duisberg.

Laut Dr. Andreas Theilig, Chefarzt der Gerontopsychiatrie am Alexianer-Krankenhaus, gibt es 6500 Demenzkranke in der Region. Zwischen zwei- und zweieinhalbtausend seien auf Hilfe angewiesen. Zwei Drittel der Demenzkranken in würden in häuslicher Umgebung gepflegt, so Theilig.

Das sei für die Angehörigen eine hohe Belastung, und die Gefahr sei groß, dass sie den Anforderungen auf Dauer nicht gewachsen seien und selber erkrankten.

Der Zusammenbruch der häuslichen Versorgung bedeute für die Demenzkranken gleichzeitig die Einweisung in ein Pflegeheim oder Krankenhaus. Ein Drittel der Einweisungen haben laut Duisberg hier ihren Ursprung.

Das DemenzNetz will sie verhindern, in dem sie die Angehörigen frühzeitig entlastet. Schon jetzt zeige sich, dass betroffene Angehörige sich durch die kontinuierliche Begleitung entlastet fühlten und dass die Unterstützung ihnen dabei helfe, die umfassende Versorgungsverantwortung, in der sie stünden, besser zu bewältigen, meint Professor Liane Schirra-Weirich von der Katholischen Hochschule (Katho), die mit der Evaluation des Projekts beauftragt ist.

Die Katho befragt dabei in einer dreistufigen Untersuchung Angehörige, die Demenzkranke innerhalb des DemenzNetzes betreuen, Angehörige, die nicht im DemenzNetz sind und Pflegefälle in der Familie haben, und schließlich auch Hausärzte.

Die Ergebnisse sollen dabei helfen, die Effizienz des DemenzNetzes zu optimieren. Wichtig ist dabei nicht zuletzt die Frage, wie möglichst viele der Betroffenen erreicht werden können.

Interessierte Projektpartner, Betroffene und Angehörige können sich jederzeit unter der Nummer 0241/4770115-355 melden.
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