Dem Shitstorm gegen das Theater fehlte die Grundlage

Von: Gerald Eimer
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Darf bis auf Weiteres vor dem Theater stehen bleiben: Das Graffiti des Künstlers Matthi Strafmass. Der verbreitete zunächst das Gegenteil und löste damit große Empörung aus. Foto: Harald Krömer

Aachen. Kunstbanausen am Theater Aachen? Diesen Eindruck vermittelte der Facebook-Eintrag des in Vaals lebenden Graffiti-Künstlers Matthi Strafmass, der am Dienstag mächtig gegen das städtische Kulturhaus ausholte und damit im Internet einen mittleren Shitstorm ausgelöst hat. Die Verantwortlichen im Theater zeigten sich zunächst ebenso überrascht wie irritiert.

„Hätte der Künstler doch wenigstens vorher versucht, mit uns Kontakt aufzunehmen“, stöhnte Theater-Sprecherin Ursula Schelhaas. Die Lawine der Empörung, die Strafmass mit seinem „dringenden Aufruf in eigener Sache“ losgetreten hatte, wäre wohl schneller gestoppt worden.

Strafmass, bekannt auch unter dem Künstlernamen „lazy65“, sorgte sich um die von ihm gesprayte Plakatwand, die seit Sonntag auf dem Theatervorplatz für die Aufführung „Peer Gynt“ wirbt. Sie solle nun an eine „jugendaffinere“ Stelle verfrachtet werden, verbreitete der 49-Jährige, der seine Fangemeinde im Internet zum Protest gegen solch „spießige“, „affige“ und „übertrieben kulturfremde“ Pläne aufrief. In „Spaßbremsbürger Mottenkiste“ benannte er bereits das Stadttheater um, das seinem Stammpublikum den Sinn für „Street Art“ offenbar nicht zutraue.

Das war forsch formuliert und zog die entsprechenden wüsten Kommentare gegen Theater und Stadt in großer Zahl schnell nach sich – allein: „Die Fakten stellen sich im Nachhinein anders dar“, gestand am Abend der Künstler selbst ein.

„Die weitere Nutzung des Plakats ist noch gar nicht besprochen“, hatte zuvor bereits Schelhaas versichert. „Bis auf Weiteres bleibt es da stehen.“ Schließlich sei man mit dem Ergebnis absolut zufrieden. „Wir wollen doch für alle Leute Theater machen und hoffen gerade auch, mit dem Plakat junge Leute ins Theater locken zu können.“

Entstanden ist das Bild in erster Linie als Anzeigenseite für das Aachener Kulturmagazin „Movie Beta“. „Dafür haben wir es auch gebucht“, betont Schelhaas. Woher der Künstler die Information hatte, dass das Original nun versetzt werden solle, war ihr hingegen völlig rätselhaft. „Mit uns hat er keinen Kontakt gesucht.“ Und so konnte sie nur noch staunend verfolgen, wie schnell auf Facebook Gerüchte ohne Grundlage verbreitet werden können und entsprechende Resonanz finden.

„Eher Polemiker“

„Ich bin eher Polemiker als Rhetoriker“, bat Strafmass am Abend um Verständnis. Er sei zunächst froh gewesen, eine Wand „an prominenter Stelle am Theater“ gestalten zu können. Als er dann „durch Interna“ erfahren habe, dass es angeblich „Knall auf Fall wieder verschwinden sollte, fühlte ich mich überrumpelt“. Für ihn war der Vorgang nur eine weitere Bestätigung dafür, dass „keine andere Stadt in Deutschland“ so rigide gegen Graffiti-Kunst vorgehe wie Aachen.

In diesem Fall lag er falsch, und so stoppte er nach wenigen Stunden seinen Facebook-Sturmlauf. „Ich wollte dem Theater nicht schaden“, sagte er. Ohnehin sei er dem Theater eher dankbar, dass er dort zur „kulturellen Auflockerung“ beitragen kann. Und zumindest für ihn hatte die Facebook-Aktion ja auch eine gute Seite: „Ich wusste nicht, wie groß mein Unterstützerkreis ist.“

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