Aachen - „Delikatessen” im Das-Da-Theater: „Wahnsinnig viel Wortwitz”

„Delikatessen” im Das-Da-Theater: „Wahnsinnig viel Wortwitz”

Von: Jan Mönch
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Aachen. Nach der Vorstellung wird erst mal der Intendant geherzt. Yvonne Jungen umarmt Tom Hirtz, es gibt einige nette Worte, man kennt sich. Muss man der „Nachrichten”-Publikumskritikerin etwa Befangenheit unterstellen?

„Auf gar keinen Fall”, dementiert Yvonne Jungen und versichert glaubhaft: „Ich bin schon seit vielen Jahren Fan vom Das-Da-Theater. Den Tom Hirtz habe ich erst viel später kennengelernt.”

Das bedeutet, dass Yvonne Jungen die Premiere von „Delikatessen”, uraufgeführt am Donnerstagabend, nach Herzenslust zerreißen könnte. Tut sie aber nicht. Denn die 45-Jährige Grafikdesignerin hat die vorangegangene Vorstellung als „Genuss für Augen, Ohren und Verstand” empfunden. „Es gab wahnsinnig viel Wortwitz und immer das richtige Quäntchen Ironie.”

Wobei man mitunter sicher schon von Zynismus sprechen darf. Denn bei dem Wandel vom schöngeistigen Sternekoch zum garstigen Giftmischer, den Küchenchef Robert (Jens Eisenbeiser) im Verlauf der 80 Minuten vollzieht, kann einem das Lachen auch mal im Halse stecken bleiben.

Mitsamt den wohlschmeckenden Häppchen, die der Zuschauer als Gast eines edlen Gastronomiebetriebs von Sophie (Karen Lauenstein) und Jean-Anthlme (Mike Kühne) gereicht bekommt. Die interaktive Inszenierung (Tom Hirtz) und das gediegene Bühnenbild (Frank Rommerskirchen) wussten auch Gero Vinzelberg, dem zweiten Publikumskritiker der „Nachrichten”, zu gefallen: „Das war schön gemacht. So bequem sitzt man sonst im Theater nicht.”

Ansonsten kommt der Abend bei dem Geologen weniger gut weg als bei Yvonne Jungen: „Es wurden doch sehr viele Klischees bedient. Die Menschen verlernen das Kochen - das ist zum Beispiel ein Thema, das ich nicht so kritisch sehe.

Die allermeisten Menschen können auch kein Auto bauen und fahren trotzdem damit.” Doch auch wenn Vinzelberg die von Erik van Dijke geschriebene Geschichte ebenfalls nicht so recht schmecken wollte („Was wollte das Stück mir sagen?”), spricht er der Dramaturgie (Peter Pappert) Unterhaltungswert nicht ab: „Es war kurzweilig. Ich fand den Abend in Ordnung.”

Yvonne Jungens Ehemann Thomas, der dritte „Nachrichten”-Publikumskritiker, möchte von abgegriffenen Klischees nicht sprechen. Im Gegenteil: „Es wurde pointiert der Finger in die Wunde gelegt.” Gemeint ist etwa der Knochenjob, der hinter den Küchentüren verrichtet wird und den Chefkoch Robert in dramatischen Worten („kochende Flüssigkeiten, offenes Feuer und elendig scharfe Geräte”) in den Speisesaal transportiert.

Der Bundeswehroffizier ist überzeugt: „So geht es tatsächlich in vielen Küchen zu. Es gibt gelernte Köche, die zur Bundeswehr gehen, weil dort der Stress nicht so groß ist.” Ansonsten teilt der 46-Jährige die hohe Meinung seiner besseren Hälfte zu 100 Prozent: „Es war ein rundum gelungener Abend. Ich gehe sehr, sehr zufrieden nach Hause.”

Die weiteren Vorstellungen von „Delikatessen” finden bis zum 14. März an jedem Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag um 20 Uhr im Theater an der Liebigstraße statt. Karten kosten 18 Euro (ermäßigt 12 Euro) und können telefonisch bestellt werden unter 0241/16 16 88.
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