Aachen - „De drei Iis-Hellije”: Premiere bei der Alt-Aachener Bühne

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„De drei Iis-Hellije”: Premiere bei der Alt-Aachener Bühne

Von: Werner Czempas
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Einer schrulliger als der andere: Ralf Büter, Günter Erkens und Hubert Feiker brillierten als verschrobene Junggesellen. Helene Reißer war die Rolle der Jongfer Bäb wie auf den Leib Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Das war der von den vielen Freunden der Aachener Mundart erhoffte glanzvolle Auftakt zur neuen Spielzeit. Mit dem Schwank „De drei Iis-Hellije” präsentiert sich die Alt-Aachener Bühne in bester Spiellaune. Szenen-Applaus und Beifall auf Beifall waren bei der Premiere im Einhard-Gymnasium der hochverdiente Dank eines lachenden Publikums.

Das „löstelig Stöcksje” spielt auf einem alten Bauernhof in der Soers. Drei kauzige Brüder bewirtschaften ihn, drei als Eisheilige verschriene Junggesellen, die das „Gelöbnis der ewigen Keuschheit” abgelegt haben. Als ihre den Haushalt und maulflott auch das Regiment führende Schwester von einer Stronksfleg, einer Schmeißfliege, außer Gefecht gesetzt wird, sieht es im Gerümpel der Küchen-Wohnstube bald schlimmer aus als bei Hempels unterm Sofa.

„Staatse Saustall”

Ein spektakuläres Ereignis stellt zusätzlich alles auf den Kopf. Von der Soers über Berensberg bis Wüüeschele, Würselen, ist allen gegen den Widerstand der Eisheiligen und ihrer Schwester klar: E Frommesch, ein Frauenzimmer, ein Weibsbild, eine Frau muss ins Haus, um den „staatse Saustall” auf Vordermann zu bringen.

Diese dramaturgischen Turbulenzen versetzen die Alt-Aachener Bühne in einen wahren Spielrausch. Auf der Bühne ist der Teufel los, auch wenn der Herrgott um Beistand angerufen und sich mit Weihwasser, das auch schon mal Kamillentee sein kann, gesegnet wird. Klamauk gibt es zuhauf, und die Kalauer purzeln, aber das gehört einfach dazu, hin- und mitreißend aber ist immer die feine Schauspielkunst aller Akteure. Niemand ist hervorzuheben. Jeder spielt seinen Part mit so viel Liebe und Können, legt so viel mimische Freude noch in die kleinste Geste, dass der Zuschauer spürt, wie sich das Ensemble Szene für Szene perfekt erarbeitet hat.

Eine bewundernswerte Leistung, allen Beifalls wert. Das gilt für die drei eisheiligen Brüder Jupp (Ralf Büter), Päul (Günter Erkens) und Pitt (Hubert Feiker), die sich von Minute zu Minute in ihren schrulligen Rollen gegenseitig anstecken und hochschaukeln und dabei jeder doch seine eigenen Bravourstückchen setzt. Das gilt wieder einmal mehr für Helene Reißer als Schwester, der die Rolle der Jongfer Bäb maßgeschneidert sitzt und in der sie spielerisch wie stimmlich nuancenreich glänzt, zumal sie ganz darauf verzichtet, volksstückhaft-krawallig auf die Pauke zu hauen.

Das gilt für die jugendlich schwungvolle Birgit Drews als Gemeindehilfsschwester Betty Taschbach, dat Frommesch, das die Bauernbude herausputzt. Das gilt für Franz Schnitzler als Viehhändler Hubeät Schnüffjens, für Sabine Plum als elegant stolzierende „foine” reiche Witwe Thekla Leyendecker, für Richard Strauch als liebedienerisch-eilfertiger Heiratsvermittler This Groteclaes und das gilt für Resi Frings als hüftstark-gepolsterte fromme Pfarrschwester Therese.

Das gilt aber auch für die Maske, mit der Uschi Schwieger vor allem mit den drei Eisheiligen als zottelig-rothaariges und bartstoppeliges Trio Lacher erntet. Es gilt für das Bühnenbild nach einer Idee von Henny Hack, in dem viele Details aus alten bäuerlichen Zeiten zu bestaunen sind und von Hermann-Josef Frings, Heinz Mallmes, Günter Schwieger und Ewald Stork zur gammeligen Bauernstube hergerichtet werden.

Auch sie tragen zum Erfolg maßgeblich bei: Inspizientin Uschi Wenn, Souffleuse Resi Potrykus, Burkhard Mallmes und Manfred Reißer als Techniker sowie Maria Graf, Renate Strauch, Bertchen und Helmut Tillmanns als die guten Geister hinter den Kulissen.

Bei soviel guten Noten noch ein Lob: Eingearbeitet in den dreieinhalbstündigen Schwank in drei Aufzügen hat die Alt-Aachener Bühne viele „kröttelije Wöet”, schwierige Wörter, und alte Redewendungen, die im Öcher Platt heute seltener zu hören sind. „De drei Iis-Hellije” sind daher auch ein nachschlagenswertes und lehrreiches Zeugnis für die einstige Fülle und den Reichtum des Aachener Mundartschatzes.

Helmut Tillmanns sagt „Adie”

„Adie än ob Wierkickens, tot ziens än au revoir!” So hat sich Helmut Tillmanns bei den Vorstellungen jeweils von den Zuschauern verabschiedet. In diesem Jahr feiert er seinen 80. Geburtstag, und nach 31 Jahren auf der Bühne möchte er, auch aus gesundheitlichen Gründen, kürzer treten. Natürlich steht er der Gemeinschaft weiterhin mit Rat und Tat zur Seite. (Auszug aus dem Programmheft der Alt-Aachener-Bühne zum „Ruhestand” ihres langjährigen Vorsitzenden)

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