DasDa-Theater lädt zum Dinner mit der Dietrich

Von: Jan Mönch
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Die Diva und der Journalist: Anja Mathar schlüpfte in die Rolle der Marlene Dietrich und stellte sich den Fragen von Peter Pappert. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Sicher, selbst als nur durchschnittlich kultivierter Mittfünfziger dürfte man wissen, was man zu erwarten hat, wenn der Name Marlene Dietrich auf dem Programm steht. Dies war am Freitag beim Theater Dinner vom DasDa-Theater der Fall.

Und da man die Schauspielerin und Sängerin als Mittfünfziger über lange Jahre erlebt hat, besucht dieser die Veranstaltung vermutlich vor allem mit Spannung darauf, wie authentisch das angekündigte Divendouble die Dietrich wohl zu verkörpern weiß.

Für einen durchschnittlich kultivierten Mittzwanziger sieht das schon anders aus. Marlene Dietrich - fällt dieser Name, weiß man zwar sogleich, dass daran das Etikett „Ikone” pappt. Ansonsten bleiben die Assoziationen jedoch recht vage. Und sind somit Grund genug für einen kurzen Blick ins Onlinelexikon Wikipedia. 2000 gab es eine Verfilmung mit Katja Flint? Dumm, dass man sich damals eher für den neuen Schwarzenegger interessiert hat.

Zumindest kann man sich so gänzlich unvoreingenommen in Richtung Bismarckstraße bewegen. In der dortigen Brasserie Aix ist das Prozedere ebenso simpel wie effektiv: Abwechselnd schreiten Kellner und Künstler zur Tat. Wenn also gerade auf der Bühne nichts los ist, ist dies auf dem Tisch der Fall.

Und natürlich umgekehrt. Dann ist Marlene Dietrich (Anja Mathar) im Zwiegespräch mit einem Journalisten (Peter Pappert) zu sehen. Und wirkt nicht eben zimperlich. „Was ist das Geheimnis ihres Erfolgs”, will der Journalist wissen. „Eine häufig gestellte Frage, und zwar eine sehr dämliche”, kommt es schnippisch zurück. Die Dietrich war also durchaus zickig, ja?

Über Fragen wie diese lässt es sich beim Fünf-Gänge-Menü sinnieren, das sich erstaunlich gut in die Dramaturgie einfügt. Und während im Saal die Essbestecke klappern, schlüpft Anja Mathar jenseits der Bühne in die nächste Kostümierung (Frank Rommerskirchen).

Ebenda wissen Dramaturgin Maren Dupont und Intendant Tom Hirtz über Marlene Dietrichs politische Seite zu berichten. Vie-les habe die Berlinerin bewegt, eine entschiedene Nazigegnerin sei sie gewesen. Marlene Dietrich gut zu finden, ist also in jedem Fall politisch korrekt - gut zu wissen.

Vor dem großen Namen hat es Tom Hirtz nicht geschreckt. Im Gegenteil: „Wir wollen anspruchsvoll sein”, sagt der Intendant. Ebenso wie Dietrichs Liedtexte, die „nicht so dahingesungen sind, sondern oft eine Geschichte erzählen. Es sind Dinge, die hängen bleiben.”

Scheint zu stimmen. Und am meisten - das jedenfalls legt die gemeinsam mit Kairit Siidra (Piano) dargebotene Songauswahl nahe - beschäftigten die Künstlerin zu Lebzeiten Geschichten über Männer. Was nicht heißt, dass der unbedarfte Dietrich-Neuling nun doch noch Seichtes zu hören bekommt. „Wünsch dir nichts, dummes Menschenkind, Wünsche sind nur schön, so lang sie unerfüllbar sind” - das ist so eine Erkenntnis, die hängenbleiben könnte.

Auch bis über den abschließenden Applaus hinaus. Hat der Mittzwanziger ein patentes Dietrich-Double gesehen? Die vielen glücklichen Gesichter der Mittfünfziger sprechen dafür. Und auch etwas ganz Anderes vermag das DasDa-Theater: Beim Nachgeborenen Interesse zu wecken an Leben und Schaffen von Marlene Dietrich.

Das Theater Dinner findet ab sofort an jedem ersten Freitag im Monat in der Brasserie Aix (Bismarckstraße 79) statt. Karten kosten 59 Euro (inklusive Fünf-Gänge-Menü) und sind erhältlich vor Ort, im Theaterbüro oder telefonisch unter 0241 - 16 16 88.
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