Aachen - Das Vinzenz-Heim macht Platz für eine Grünanlage für Kinder

Das Vinzenz-Heim macht Platz für eine Grünanlage für Kinder

Von: Marcus Erberich
Letzte Aktualisierung:
Max Haberland (links) und Moni
Max Haberland (links) und Monique Gottschlich (rechts) haben im alten Julie-Billiart-Haus ihre Kindheit verbracht. Nun wird das leer stehende Gebäude abgerissen. An der Stelle entsteht nach Auskunft der Leiterin des Vinzenz-Heims, Gudrun Jörißen (Mitte), eine Grünanlage für das neue Julie-Billiart-Haus. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Die verlassenen Flure im alten Julie-Billiart-Haus erinnern ein wenig an die eines geräumten Krankenhauses. Geheizt wurde hier schon länger nicht mehr, es ist dunkel und kalt.

In der Küche des ehemaligen Heims und Internats für Kinder und Jugendliche mit Behinderung stehen sogar noch zwei Becher Joghurt - Ablaufdatum: Februar 2010.

Demnächst rücken die Bagger an. Zurzeit läuft die Demontage im Innern. Schon Ende April soll das Gebäude komplett niedergelegt sein. „Eine Sanierung des alten Gebäudes wäre nicht möglich gewesen”, sagt Gudrun Jörißen, Leiterin des Vinzenz-Heims. 1971 wurde das Julie-Billiart-Haus zum ersten Mal bezogen, seitdem haben sich die Anforderungen an ein Heim für behinderte Kinder und Jugendliche stark verändert.

Zu Anfang lebten noch 108 Bewohner im Haus, eingeteilt in neun Gruppen. In den einzelnen Zimmern wohnten bis zu vier Personen, später nur noch zwei. Jede Wohngruppe teilte sich einen Sanitärraum. „Wir haben dann immer Partnerduschen gemacht”, erinnert sich Max Haberland, ein ehemaliger Bewohner des Heims. Er habe hier dennoch, so sagt der heute 33-Jährige, „eine wirklich sehr schöne Kindheit gehabt”. Im Alter von fünf Jahren war er hier her gekommen.

Im September 2010 zogen 50 Kinder und Jugendliche vom alten in das neue Julie-Billiart-Haus um. In den anderthalb Jahren zwischen dem Umzug der Gruppen in die neuen Heime und dem Abriss des alten Gebäudes wurden peu a peu Erwachsenengruppen zusammengestellt, die heute in Wohngemeinschaften leben. Eine Gruppe von 24 Erwachsenen zog in das ebenfalls neu gebaute Louise-von-Marillac-Haus in der Coudenhovestraße.

Moderner Standard

Das neue Julie-Billiart-Haus liegt gleich neben dem zum Abriss freigegebenen Gebäude und erfüllt alle modernen Standards. Die Einrichtung vermittelt viel eher den Eindruck einer Wohnsiedlung für junge Leute als den eines Kinder- und Jugendheimes. Die Gebäude stehen wie ein Hufeisen zueinander, in der Mitte liegt ein schöner Hof mit einem einladenen Sitzkreis aus Holzbänken. Auf dem Gelände des alten Heims werden demnächst Grünanlagen entstehen, die von den Kindern genutzt werden können.

Im Inneren des neuen Heimes leben die Bewohner in Einzelzimmern oder höchstens zu zweit - das aber nur, wenn es ausdrücklich erwünscht ist. „Einige Kinder möchten gar nicht so gerne alleine leben, sondern lieber zusammen mit einem Freund oder einer Freundin”, so Horst Thelen, Leiter der Kinder- und Jugendabteilung im Vinzenz-Heim. Die einzelnen Zimmer unterscheiden sich dabei nicht von anderen Kinderzimmern: an der Wand im Zimmer eines jungen Mädchens hängt ein Poster des Teenie-Schwarms Justin Bieber - es ist das Zimmer eines ganz normalen Mädchens.

Das Heim verfügt zudem über allerhand Betreuungs- und Therapieräume, etwa das Musikzimmer, in dem die Bewohner tanzen, Instrumente und Theater spielen können. Die ehemaligen Heimbewohner Max Haberland und Monique Gottschlich sind beim Besuch des neuen Julie-Billiart-Hauses sehr angetan. Und das Vinzenz-Heim wächst weiter: an der Ecke Kalverbenden-Adenauerallee ist ein weiterer Neubau geplant. Eine barrierefreie Mietappartment-Anlage mit zehn Wohnungen für alte und behinderte Menschen soll dort entstehen. „Wir haben sogar schon zahlreiche Anfragen”, so Gudrun Jörißen. Im kommenden Juni soll der erste Spatenstich gemacht werden, schon im Juli 2013 soll der Neubau fertig sein.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert