Aachen - Das Programm bis Freitag steht schon

Das Programm bis Freitag steht schon

Von: Werner Breuer
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Sie wollen möglichst lange bleiben: Mit Sturmhauben maskierte Hausbesetzer richten sich an der Kasinostraße auf einen längeren Aufenthalt ein. Nach eigenen Angaben wollen sie das leerstehende Gebäude pfleglich behandeln und suchen Kontakt zum Besitzer. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Hausbesetzer an der Kasinostraße richten sich offenbar auf einen längeren Aufenthalt ein: Auf einem kleinen Zettel haben sie schon ein „Programm” bis zum Wochenende ausgedruckt. Für den Montag ist um 16 Uhr eine Art Graffiti-Workshop geplant, am Abend dann eine Diskussion zum Thema Hausbesetzungen. Am Mittwoch soll es einen Spielabend geben und am Freitag ein Konzert.

Die Szenerie an der Kasinostraße wirkte am Sonntag jedoch nicht gerade so idyllisch wie ein Straßenfest. Einsatzkräfte der Polizei riegelten den Bereich um das Haus Nummer 55 weiträumig ab, Schlupflöcher für Passanten gab es nicht. „Wir müssen das Privateigentum schützen und verhindern, dass es zu weiteren Sachbeschädigungen kommt”, erklärt Polizeisprecherin Iris Wüster das große Aufgebot, an dem nicht nur Aachener Beamte beteiligt waren, sondern auch Kollegen von außerhalb.

„Superschönes Gebäude”

Sie sollen verhindern, dass weitere Personen in das besetzte Haus gelangen. Und so ließen die Polizisten am Sonntag nur Anwohner oder Besucher „mit berechtigten Anliegen” in den abgesperrten Bereich. „Die Kollegen machen das mit Augenmaß”, so Wüster.

Kontrolliert wurden in der Nacht zum Neujahrstag vor allem die Abgänge. Die Hausbesetzer waren nach eigenen Angaben mit etwa 200 Personen in das Haus eingedrungen, die meisten verließen es bis zum Morgen wieder. Von diesen Leuten seien die Personalien festgestellt worden, sagt Polizeisprecherin Wüster.

„Wir sind jetzt noch mit 70 Leuten hier”, sagte einer der Besetzer, die am Sonntag für die Fragen von Journalisten die Tür einen Spalt breit öffneten. Ein „superschönes Gebäude” sei das, erklärte einer der mit schwarzen Sturmhauben maskierten Männer, entsprechend pfleglich würde es behandelt. Man würde keine Wände bemalen und habe auch überall Mülltonnen aufgestellt. Bleiben wollen die Besetzer „solange wie möglich”. Deshalb suche man auch den Kontakt zum Eigentümer der Immobilie, um mit ihm eine Übereinkunft darüber zu erzielen.

Ihre Ziele haben sie in einem Flugblatt formuliert, in dem es unter anderem heißt: „Wir brauchen einen Raum, einen Ort, an dem Menschen zusammenkommen, sich zusammen wehren können, sich das Wissen aneignen können, wie wir alle unser Leben gestalten wollen.” Gesucht würden „sinnvolle Widerstandsformen gegen soziale und politische Unterdrückung und Zurückdrängung, sexistischen Normalzustand, Neofaschismus und rassistische Ausgrenzung”. Deshalb wollen sie in Aachen „antifaschistische Räume” durchsetzen.

Damit würden die Hausbesetzer „Dinge tun, die ansonsten in der Stadt nicht abgedeckt werden”, meint der UWG-Ratsherr Horst Schnitzler. Er befürwortet das Anliegen, ein selbst verwaltetes soziokulturelles Zentrum einzurichten. Das sei eine „spannende wertvolle und notwendige Bereicherung unserer Stadtkultur”, meint Schnitzler. Er hält es für geboten, „dass sich Rat und Verwaltung diesem Ansinnen anschließen und die Menschen dabei bedarfsgerecht unterstützen”.

Unterstützung haben die Hausbesetzer nach eigenem Bekunden auch in der Nachbarschaft erfahren. Es gebe da „viel Solidarität” heißt es an der um ein paar Zentimeter geöffneten Tür, man sei mit Kaffee, Baguettes und Obst versorgt worden.

Einen netten Akzent hatten am Sonntag auch Anwohner unweit des besetzten Hauses gesetzt. Auf der autofreien Straße zwischen den Polizeiabsperrungen stellten sie Tische und Stühle auf, um sich dort ihr Mittagessen schmecken zu lassen. „Die Jungs sind schon etwas dark”, erklärte einer Genießer am Tisch, „wir wollen dem einfach etwas Freundliches entgegensetzen.” Und so bekam die Aktion dann doch einen leichten Hauch eines Straßenfestes.

Juristisch wertet die Polizei das allerdings als Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung. In diesem Sinne sei im Laufe des Sonntags durch den Hauseigentümer ein Strafantrag gestellt worden, teilte Polizeisprecherin Iris Wüster mit.

Für den Esstisch unter freien Himmel ist spätestens ab Montag ohnehin kein Platz mehr auf der Kasinostraße. Die Einsatzkräfte der Polizei wollen sich darauf beschränken, den Gehweg abzusperren. Nach wie vor gelte es zu verhindern, dass weitere Personen in das besetzte Haus gelangen, erklärte Iris Wüster. Doch der Verkehr auf der Fahrbahn soll möglichst ungehindert fließen können.
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