Aachen - Das kolossale Klinikum ist schon zu klein

Whatsapp Freisteller

Das kolossale Klinikum ist schon zu klein

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
6389065.jpg
Neue OPs sollen unterirdisch entlang der Hubschrauberlandeanlage gebaut werden. Sie erhalten Decken mit Tageslicht von oben. Erwa 50.000 Quadratmeter Neubau entsteht auf den Parkplätzen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Große Pläne innerhalb und rings um das Aachener Uniklinikum: Der inzwischen unter Denkmalschutz stehende Riesenbau auf Melaten ist effektiv zu klein geworden – und, man glaubt es kaum, in gewissen Bereichen zu unmodern. Das jedenfalls trug der Kaufmännische Direktor des medizinischen Flaggschiffes der Region, Peter Asché, dem Planungsausschuss der Stadt Aachen vor.

Hintergrund sei eine Bedarfsstudie des Landes für den Ausbau und die Modernisierung von sechs Unikliniken des Landes NRW, die in einem sogenannten Masterplan münden.

Darin befinden sich erste Entwürfe zu einer baulichen Erweiterung der Aachener Klinik in einem fünfstufigen Entwicklungsplan, der wahrscheinlich „bis in die Jahre 2025 und 2030“ reiche, wie Asché vortrug. Die erste Stufe indessen werde bereits in etwa fünf Jahren, also 2018, starten.

Die einzige Möglichkeit zur Erweiterung bestehe in Neubauten vor der Vorderfront der Klinik, also weitgehend auf dem Gelände der jetzigen Parkplätze. Dabei müsse eine Abstandsfläche von mindestens 80 Metern zum „alten Gebäude“ eingehalten werden, das sei eine Vorschrift des Denkmalschutzes.

Nach ersten Entwürfen sollen mehrgeschossige Riegel quasi dem Klinikum gegenüberstehen. „An das jetzige Gebäude“, bedauerte Asché den architektonische Zwang des Baus aus den 1970er Jahren, „kann nicht einfach etwas angebaut werden.“

50 000 Quadratmeter Neubau

Andere Unikliniken könnten durch einfache bauliche Erweiterung beständig an die wachsenden Anforderungen angepasst werden. So hätten sich an der Aachener Klinik alleine im Bereich der medizinischen Forschung die Drittmittel von einst zehn auf jetzt mehr als 30 Millionen Euro jährlich verdreifacht. Das bedeute gleichzeitig Raumbedarf, erklärte Asché den aktuellen Erweiterungsbedarf.

Der soll am Ende rund 50.000 Quadratmeter neuen Raum in mehreren zu errichtenden Häusern umfassen. Der Ist-Stand momentan sei eine Nutzfläche vor rund 143.000 Quadratmetern, sagte Asché.

Doch auch die Situation für Versorgungs- und Personalräume sei dem heutigen Standard nicht mehr angemessen, ebenso gebe es medizinisch begründeten Veränderungsbedarf. Insbesondere die Situation der Operationssäle im Untergeschoss gehe den Ärzten seit langem auf die Nerven, ebenso die Kreißsäle ohne jedes Tageslicht.

Für letztere plane man eine schnelle Lösung in einem Anbau am westlichen Ende des „alten“ Baus. Dort soll an einem bestehenden Turm eine neue Station für Schwerstbrandverletzte untergebracht werden und auch die Gynäkologie mit den Kreißsälen solle alsbald dorthin.

OPs am Landeplatz entlang

Mit den neuen OPs hat man etwas Besonderes vor. Sie werden zwar auf der Ebene „minus 1“, also im Souterrain, bleiben. Doch sie sollen als Verbindungsstrang vom alten zu den neuen Gebäuden dienen und parallel zur Anlage des Hubschrauberlandeplatzes gebaut werden, das Tageslicht komme dann „von oben“.

Den alten OPs fehle eine moderne räumliche Struktur, was nur durch einen Neubau zu beheben sei, so Asché. Als letzte Stufe sei für 2025 der Bau eines Mutter-Kind-Zentrums geplant.

Der ewige Zankapfel „Parkplätze“ soll durch den Neubau eines in den Untergrund des alten Hubschrauberlandesplatzes eingebrachten Parkhauses gelöst werden. Die Kommunalpolitik reagierte unterschiedlich auf die Muskelspiele des bereits jetzt wegen seiner Größe oftmals kritisierten Klinikriesen.

So argumentierte der grüne Fraktionssprecher Michael Rau, man müsse den Sinn von „medizinischen Großstrukturen“ gerade angesichts des drohenden Krankenhaussterbens diskutieren. Für den Ratsherrn Claus Haase (SPD) war dagegen klar, dass „das Haus nicht mehr auf dem neuesten Stand der Zeit“ sei, das gehöre geändert.

Für die CDU bekräftigte Ratsfrau Gaby Breuer, dass etwas dort passieren müsse. Der Kaufmännische Direktor wies dezent auf manche auch arbeitsrechtlich kritische Gegebenheiten in dem Haus aufmerksam: „ Bis zu acht Leute arbeiten in Dunkelräumen, das ist kein neuester Stand.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert