Das Da Theater zeigt freches Stück „Wir sind keine Barbaren“

Von: Martina Stöhr
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Zwei Paare, ein Problem: der Flüchtling. Liasa Marie Seidel, Lina Kmiecik, Jan Westphal und Malte Sachtleben spielen die Hauptrollen in dem Stück „Wir sind keine Barbaren“. Es feiert am Donnerstag, 19. Januar, im Das Da Theater Premiere. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Es klopft, und vor der Tür steht ein tropfnasser Mann, der um Einlass bittet. Barbara nimmt ihn auf, gibt ihm zu essen und lässt ihn in ihrer Wohnung schlafen. Sehr zum Entsetzen des befreundeten Ehepaars Linda und Paul.

Linda fühlt sich in keiner Weise verpflichtet, diesem „Obdachlosen“ zu helfen. „Er ist kein Obdachloser, er ist ein Flüchtling“, entgegnet Barbara unwillig und sagt später: „Ich habe seinen Rücken gesehen, alles voller Striemen und Verletzungen.“

Über die Herkunft des Flüchtlings werden sich die Paare nicht einig, ebenso wenig wie über seinen Namen. Bobo oder Klint? Die einen sagen so, die anderen so. Der Zuschauer bekommt den Flüchtling überhaupt nicht zu Gesicht. Dafür verkünden Menschen im Publikum als „Heimatchor“ die „Stimme des Volkes“.

Offene Wunden

„Wir sind keine Barbaren“ von Philipp Löhle stellt sich die Frage, wie wir mit den Flüchtlingen umgehen. Dabei hat der Autor sich mit dem Thema beschäftigt, noch bevor es brandaktuell wurde. „Dieses Stück ist wirklich das Aktuellste, was ich jemals geschrieben habe“, sagt er selbst. „Dabei habe ich es sogar geschrieben, bevor es aktuell wurde.“

Es ist ein freches Stück, das den Zuschauer immer wieder an den eigenen Überzeugungen zweifeln lässt. So sieht es Dramaturg Tom Hirtz. Dabei bilde es als Farce die Realität nicht eins zu eins ab, sondern überspitze sie und drehe das Rad immer ein Stück weiter. Und zum Schluss gibt es weder eine Lösung noch einen Ausweg. Laut Hirtz „pikst“ die Farce in offene Wunden und bringt feste Überzeugungen ins Wanken.

Laut Achim Bieler, Inszenierung, steckt der politische Hintergrund in den Dialogen. Und während auf der Bühne die befreundeten Paare Barbara und Mario sowie Linda und Paul über die Verantwortung des Einzelnen mit Blick auf die Lage in der Welt debattieren, wartet der „Heimatchor“ im Publikum auf seinen Einsatz. Sechs Laien haben diese Aufgabe übernommen, und sie verkünden unter anderem Pegida-Parolen und „bilden realistisch ab, was auf den Straßen passiert“, so Hirtz. Der unsichtbare Flüchtling bringt nicht nur das wohlgeordnete Wohlstandsleben der befreundeten Paare auf der Bühne durcheinander, sondern wirft auch beim Zuschauer viele Fragen auf. Was beispielsweise würden wir tun, wenn ein Flüchtling vor unserer Tür stünde und um Hilfe bäte?

Das Thema jedenfalls scheint auf großes Interesse zu stoßen. Die Premiere am Donnerstag, 19. Januar, ist längst ausverkauft, und Karten gibt es vorerst nur noch für zwei Vorstellungen: Donnerstag, 16. Februar, um 20 Uhr und Donnerstag, 2. März, um 20 Uhr. Aber schon jetzt steht fest, dass es noch Zusatztermine geben wird. Es muss also laut Hirtz niemand befürchten, das Stück nicht sehen zu können.

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