Das Da Theater: Wahre Größe zeigt sich erst auf der Bühne

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Viel Platz: In dem Solostück „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ muss Marc Andree Bartelt die Bühne des Das Da Theaters ganz alleine ausfüllen. Seine Körpergröße von 1,96 Metern ist dabei nicht von Nachteil. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Er wirkt größer, als die 196 Zentimeter, die objektiv vom Scheitel bis zur Sohle zu messen sind. Das ist gut, denn bei seinem ersten festen Engagement nach der Schauspielausbildung spielt Marc-Andree Bartelt gleich ein Solo.

In „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ am Das Da Theater muss er eine nicht gerade kleine Bühne ganz allein ausfüllen.

„Früher wirkte ich kleiner als ich war“, erzählt er. „Ich wäre gern angepasster gewesen.“ Er zog den Kopf ein, bis er mit Mitte 20 den Weg in die Schauspielerei nahm. „Die Bühne hat mir Selbstvertrauen gegeben.“ Er wuchs sozusagen und nutzt seitdem alle Zentimeter, die er mitbekommen hat, um sie in Präsenz zu verwandeln.

Bis er diesen Schritt aber wagte, dauerte es einige Jahre. Im schleswig-holsteinischen Eutin geboren, kann er keine frühe Affinität zum Schauspiel vorweisen: „Keine Theatergruppe oder ähnliches während der Schulzeit. Ein Auftritt mit meiner Schwester als Engelchen und Teufelchen bei der Goldenen Hochzeit unserer Großeltern war das, was Schauspiel noch am nächsten kam“, sagt er und will das selbst nicht ganz ernst nehmen.

Richtung gewechselt

Auch das Studium der Medien- und Kommunikationswirtschaft vollzog sich eher bühnenlos. Allerdings arbeitete er drei Jahre parallel im Bereich des Visionscoachings. „Vor Leuten zu sprechen, ging auch da schon ganz gut“, erinnert sich der heute 28-Jährige. Im Internet veröffentlichte Interviews mit Schauspielern, die von ihren Berufswegen erzählten, überzeugten Bartelt schließlich, noch einmal eine neue Richtung einzuschlagen und sich bei einer Schauspielschule anzumelden.

Aber warum Schauspiel? Geschichten zu erzählen, reizte ihn. Aber auch: „Auf der Bühne darf man mehr als im Privaten“, erklärt er. Wenn er sich eine Rolle aussuchen könnte, wäre das wohl eine, die selbst ganz weit weg von ihm ist: Vergewaltiger, Nazi, aber auch jemanden mit einer schweren Krankheit, vielleicht Alzheimer. „Ich spiele am liebsten die, die ich nicht verstehe. Mich in solche Figuren hineinzuversetzen, reizt mich.“ Er will dann nicht mehr als Marc erkennbar sein.

Die Rollenfindung geht er dann mit ganzem Körpereinsatz an. Für die Figur eines lange Jahre verheirateten, einer gewissen Trägheit verfallenen Mannes legte er zehn Kilogramm zu. „Am Anfang machte es noch Spaß, ungeniert alles und viel zu essen. Aber irgendwann wurde ich tatsächlich träge und müde davon – perfekt für die Rolle!“ Gerade spielt er parallel zu seinen Einsätzen im Das Da Theater auch noch in Köln einen 14-Jährigen, der gerade den ersten Liebeskummer hat. Dafür nahm er zu Beginn des Engagements zehn Kilo ab. „Ich wurde sehr beweglich und flexibel.“ Aber vielleicht auch ein bisschen fremd im eigenen Körper.

Auf Bartelts Wunschzettel steht aber auch eine romantische Komödie, in der er ehrliche Liebe jenseits von Kitsch darstellen muss. „Wut ist für mich leichter zu spielen. Auf der Bühne zu flirten, war bereits eine Herausforderung, weil ich selbst da gar nicht so gut drin bin“, gibt er ehrlich zu. Vielleicht bekommt er im Sommer die Gelegenheit in Shakespeares „Was ihr wollt“, dem Open-Air-Stück des Das Da Theaters auf der Burg Frankenberg.

Körpereinsatz

Noch sind die Rollen nicht festgelegt, aber er wird auf jeden Fall dabei sein. Es wird sein dritter Einsatz als Ensemble-Mitglied des Das Da Theaters sein. Neben dem Solo in „Ibrahim“ spielt er zurzeit auch noch einen der drei Pinguine in dem Kinderstück „An der Arche um acht“. Auch da fällt er durch Körpereinsatz auf.

Angekommen in seinem Körper – den Eindruck vermittelt Marc-Andree Bartelt. Er kann und will ihn jetzt nutzen. Sportlich, beweglich, veränderbar. Das tut er für die Aachener sichtbar auf der Bühne des Das Da Theaters mindestens in dieser Spielzeit.

Was danach kommt, steht noch nicht fest. „Ich will immer was Neues machen“, sagt er. „Das, was ich noch nicht gemacht habe, reizt mich.“

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